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Theatertage in Ulm zeigen abgesetztes Stück

Wirbel um schwules Känguru

BADEN-BADEN Das Theater in Baden-Baden hat ein Stück um ein schwules Känguru aus dem Programm genommen, weil keine Zuschauer mehr kommen. Aber bei den Theatertagen in Ulm zieht die Story nun doch Publikum an. Liegt das auch am Rummel um das Stück?

veröffentlicht am 04.07.2017 um 18:02 Uhr

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Es passiert an den besten Theatern, dass Bühnen Stücke absetzen, weil keine Zuschauer kommen. Doch eine von der Kritik gelobte Geschichte um ein schwules Känguru, die das Theater Baden-Baden inszeniert hat, sorgt für Debatten über die Stadtgrenzen hinaus. Nach zwölf geplanten Aufführungen nimmt Intendantin Nicola May in der Kurstadt die Story „Ein Känguru wie Du“ des Tübinger Autoren Ulrich Hub nicht wieder auf den Spielplan. „Trotz guter Kritiken blieben die Zuschauer aus. Mehr als sonst mussten Vorstellungen abgesagt werden“, teilt das Haus mit.

„Mit der Zeit haben wir aber gemerkt, dass es nicht läuft. Es stellte sich heraus, dass Schulklassen es schlicht nicht besuchen“, sagt May. Das „Badische Tagblatt“ berichtete von Elternprotest, der zur Absetzung führte, von Gegenwind, den Lehrer von Eltern bekamen. Beim Ticketservice und in den theaterpädagogischen Vor- und Nachbereitungen in den Schulen habe das Theater die „vermehrt gespaltenen Meinungen zum Stück bei einigen Lehrern und Eltern“ mitbekommen, teilt das Theater mit.

Zwar ist es unter dem Grünen-Regierungschef Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg politisch gewollt, das Thema sexuelle Vielfalt auch mit einem eigens aufgelegten Bildungsplan an Schüler heranzuführen. Doch verordnen lässt sich Toleranz eben nicht. Davon konnte sich auch die Politik überzeugen, als besorgte Eltern im vergangenen Jahr bei der „Demo für alle“ gegen eine Sexualisierung ihrer Kinder protestierten.

Intendantin May erinnert sich, dass die „Demo für alle“ auch ein Grund dafür war, ein solches Stück auf die Bühne zu bringen. Inzwischen ist der kritisierte Bildungsplan in Kraft, wenn auch – nach Meinung des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) – kaum mit durchschlagender Wirkung. Der Bundestag hat zudem gerade die ebenfalls von der „Demo für alle“ bekämpfte „Ehe für alle“ beschlossen.

Aber in Sachen Akzeptanz für andere Lebensweisen gibt es immer noch viel zu tun, wie der Bund-Länder-Koordinator beim LSVD, René Mertens, sagt. Auf Schulhöfen seien noch immer Schimpfwörter wie „schwule Sau“ verbreitet. Kinder würden homophob gemobbt. Deshalb sei ein solches Theaterprojekt zu begrüßen.

Hub kennt die gespaltenen Meinungen. „Ich bin seit einem Jahr mit dem Buch auf Tour und höre auch manchmal: „Können Sie bitte aus einem anderen Buch lesen““, sagt der in Berlin lebende Autor. Die Kinder seien angeblich zu klein und würden überfordert.



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