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Ausstellung in der Emder Kunsthalle zeigt rund 100 Exponate der Autogeschichte

Wie das Auto durch die Kunst rast

EMDEN. Seit mehr als 100 Jahren spielt das Auto in der Kunstgeschichte eine wichtige Rolle. Ikonen wie der Käfer oder der Bulli sind jetzt in Emden in ungewöhnlichen Perspektiven zu sehen.

veröffentlicht am 20.07.2017 um 16:48 Uhr

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Eine staubige Kurvenfahrt über den Mond, das erste Auto-Rennen vor 100 Jahren oder Hammerschläge auf einen Porsche: Das Auto und die Beziehung zwischen Mensch und Maschine hat Künstler immer wieder inspiriert. Andy Warhol, Peter Ustinov oder Gerhard Richter setzten sich mit der Entwicklung von Mobilität auseinander. „Keine andere Entwicklung hat die Kunst so nachhaltig und vielfältig beeinflusst wie das Auto“, sagt Annette Vogel. Die Kunsthistorikerin hat das Konzept für die neue Ausstellung in der Emder Kunsthalle entwickelt. „Das Auto in der Kunst – Rasende Leidenschaft“ zeigt seit Samstag, 15. Juli, bis zum 5. November rund 100 Exponate von Künstlern, aus Privatsammlungen und Museen.

Schon zur Jahrhundertwende zeigen erste Fotografien die große Technikbegeisterung der Menschen. Ein inniges Verhältnis zum Auto entwickeln in der Werbung wie in der Kunst etwa Frauen, die Benzin tanken oder ihr Kleidungsmuster dem Autodesign anpassen. Die satirische Wochenzeitschrift „Simplicissimus“ bringt in der Kaiserzeit erste Sonderausgaben zum Thema Automobil und warnt schon früh vor Unfällen mit Federvieh auf der Straße.

„Die Autogeschichte hat besonders nach dem Krieg die europäische und amerikanische Kunst vielfältig beeinflusst“, sagt Vogel etwa über die Zeit des Wirtschaftswunders. Das Auto wird zum begehrten Statussymbol und zeigt den sozialen Aufstieg. Die Pop-Art der 60er Jahre nimmt es als Stilmittel für Kunst und Gesellschaft. Andy Warhol verwandelt Käfer und VW-Bulli per Siebdruck und Acryl auf Leinwand zu Kultobjekten.

Mnemonic Vehicle No. 2 Jaguar, 2015“ nennt sich die Arbeit vom brasilianischen Künstler Vik Muniz. Foto: Ingo Wagner/dpa

Mit der Ölkrise in den 70er Jahren beginnt die bis heute anhaltende Diskussion um ökologische Aspekte und andere Schattenseiten des Autobooms. Ein Foto zeigt gewaltige Halden von abgefahrenen Autoreifen, Staus und Unfälle werden zu Kunstmotiven.

Das einst geliebte Auto wird als Hassobjekt einbetoniert und gecrasht. Zu den skurrilen Höhepunkten der Emder Schau zählt etwa ein Interview im Libretto-Stil mit einer Unfall-Überlebenden: Dabei singen die Darsteller wie in einer Oper vor der Kulisse eines Autowerks über die Schrecken des Unfalls.

„Heute reden wir über zu Ende gehende Ressourcen, über Feinstaub bei Dieselmotoren, suchen Erlösung bei Hybrid- und Elektromotoren, während die Absatzzahlen der SUV’s steigen“, beschreibt Vogel die aktuelle Diskussion.

Mit der rasanten Technologieentwicklung, künstlicher Intelligenz und autonomem Fahren stehe die individuelle Mobilität auf dem Spiel. „Was werden wir vermissen, wenn wir nicht mehr selber lenken?“, fragt die Gastkuratorin in Emden mit Blick auf das letzte Objekt der Ausstellung: Dort dreht sich ein Auto-Lenkrad wie bei einer Kurvenfahrt hin und her – bewegt wie von Geisterhand.



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