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Wortsalven für die Welt / Über 170 Millionen Alben verkauft

US-Rapper Eminem kommt nach Hannover

HANNOVER. Hannover darf sich auf den nächsten Künstler von Weltformat freuen. US-Rapper Eminem kommt am 10. Juli für seinen einzigen Deutschland-Aufritt in die Stadt. Das Open-Air-Konzert findet auf dem Messegelände statt – dort haben bis zu 70 000 Fans Platz.

veröffentlicht am 29.01.2018 um 15:55 Uhr
aktualisiert am 29.01.2018 um 18:20 Uhr

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Zuletzt spielten dort im Juli 2017 Guns N’Roses. Der allgemeine Vorverkauf beginnt am Freitag, 2. Februar, 10 Uhr.

Eminem ist einer der erfolgreichsten Künstler überhaupt. Mit über 170 Millionen verkauften Alben, 136 goldenen, 478 Platin- und 5 diamantenen Schallplatten steht der 1972 als Marshall Bruce Mathers geborene US-Amerikaner gleich mehrfach im „Guinness Buch der Rekorde“. Ende vergangenen Jahres brachte der 45-Jährige sein neues Album „Revival“ heraus.

Dass Eminem in seinen Songs noch immer kein Blatt vor den Mund nimmt, hatte der Rapper wieder einmal im vergangenen Oktober bewiesen. In einem Video ließ er kein gutes Haar an US-Präsident Trump. Dieser sei ein „Kamikaze, der wahrscheinlich einen nuklearen Holocaust provozieren wird“, textete Eminem – und wurde von seinen Fans für den sprachgewaltigen Rap gefeiert.

Auch Rapper werden irgendwann erwachsen. Dass Eminem sein neues Album „Revival“ mit Hilfe von Beyoncé und Ed Sheeran im Pop tränkt, dürfte einige Fans enttäuschen. Ein Verbalgenie bleibt er trotzdem. Als im Oktober ein Video aus Detroit auftauchte, in dem ein paar gefährlich aussehende Jungs den Freestyle eines weißen Rappers im Parkhaus verfolgen, konnte man meinen, der alte Eminem sei zurück. In Kapuzenpulli und Baseballcap lieferte der Mann einen vierminütigen, wortgewaltigen Wutausbruch ab, der an Eminems beste Tage um die Jahrtausendwende erinnerte. So mancher Fan durfte gehofft haben, dass auch sein Album „Revival“, das im Dezember erschien, an den Glanz alter Tage anknüpfen würde.

Leider weit gefehlt. Auf seinem ersten Studioalbum seit vier Jahren taucht der bürgerlich als Marshall Mathers bekannte Musiker ein in das Reich des Pop und holt den dreckigen Rap aus „8 Mile“-Tagen ans publikumsfreundliche Tageslicht. Über Strecken der 19 Titel fühlt man sich akustisch eher an einen Einkaufsbummel im Shopping-Center versetzt als in einen illegalen Battle in einem leerstehenden Lagerhaus.

Ausgerechnet Superstar Beyoncé lässt Eminem auf „Revival“ die ersten Takte singen – die ernsten Klavierakkorde auf „Walk On Water“, zu denen Eminem sich als verletzlicher, nachdenklicher Mittvierziger zeigt, wären noch auf „Relapse“ (2009) oder „The Marshall Mathers LP 2“ (2013) kaum denkbar gewesen. Dass neben Beyoncé auch Alicia Keys, Pink, Ed Sheeran und Skylar Grey ans Mikro gelassen werden, sagt viel aus über die musikalische Gemütslage des bestverdienenden Rappers der Welt. Die Titel „River“, „Like Home“, „Tragic Endings“ und „Need Me“, die mit diesen Sängern entstanden, dürfte so mancher Fan vom „alten“ Eminem mit einem Augenrollen überspringen.

Das alles heißt nicht, dass Mister Mathers an verbaler Genialität eingebüßt hätte. Im Gegenteil: In „Offended“ feuert Eminem über 13 Sekunden Phrasen-Salven in Höchstgeschwindigkeit ab, die der „Rolling Stone“ als rekordverdächtig einstuft. Selbst über die eher weichgespülten Samples der Platte beweist er, dass er auch mit 45 Jahren kluge, doppeldeutige und überaus witzige Texte schreiben und in hohem Tempo einrappen kann. Diese rhetorischen Mundfeuerwaffen sind es dann auch, mit denen Eminem frontal auf US-Präsident Donald Trump und dessen Familie zielt. „Dieser Trottel schläft kaum / Er guckt nur „Fox News“ wie ein Papagei und wiederholt es / Während er aussieht wie ein Kanarienvogel mit einem Schnabel“, rappt Eminem.

Seine bis dato politischste Botschaft ruft er allerdings im rockigen, von Gitarren-Samples befeuerten „Untouchable“ in die Welt. Die Schwarzen-Bewegung Black Lives Matter, Polizeigewalt, der Streit um kniende Footballspieler und die Nationalhymne – es sind die großen Fragen rund um Rassismus und Diskriminierung in den USA, die hier durchdekliniert werden. „Afroamerikaner sind im Lauf der Geschichte wie Scheiße behandelt worden / Und es gab zugegebenermaßen Zeiten, in denen es peinlich war, ein weißer Junge zu sein“, rappt er. Das Albumcover zeigt ihn verzweifelt hinter amerikanischer Flagge.



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