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Lisa Stansfields Soul-Pop begeistert das ausverkaufte Theater am Aegi

Stark wie Herkules

HANNOVER. „Hercules“ heißt einer der acht Songs, den Lisa Stansfield von ihrem famosen neuen Album „Deeper“ singt. Er handelt von der legendären Stärke des antiken Helden, der eigentlich eine gebrochene Figur ist. Und bei Stansfield eine Allegorie des Lebens, das hinter der glitzernden Fassade die Zerbrechlichkeit durchscheinen lässt.

veröffentlicht am 14.05.2018 um 15:44 Uhr

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Reporter

Der Beat stampft durch den ausverkauften Saal und die Gäste des Theaters am Aegi haben auf Stansfields Einladung zum Tanzen nur gewartet. Was folgt: Uptempo-Song, aufstehen, mitmachen. Ballade, hinsetzen, genießen – bis am Ende alle gleich stehen bleiben.

Ein Genuss ist vor allem Stansfields Soul-Stimme. Nachdem sie vor einigen Jahren das Rauchen aufgegeben habe, sei diese inzwischen wieder so gut wie mit 25. Die Höhen erreicht sie sicher, in den Tiefen hat sie sich ein leicht rauchiges Timbre bewahrt. Und die 52-Jährige ist ein wahres Energiebündel. Zu „Butterflies“ legt sie eine grandiose Tanzperformance hin, wirft die Beine nach vorn, als zöge ein Marionettenspieler daran, watschelt im Chaplin-Gang über die Bühne und trippelt rückwärts.

Funkiges Slapping auf der Gitarre, ein groovender Bass und Stansfield scattet mit dem Saxofonisten um die Wette. Die Single „Billionaire“ hat das Zeug zum Hit und das ebenfalls neue „Never Ever“ klingt wie eine alte Motown-Nummer, befeuert durch das Bläserduo und den Percussionisten, nach dessen Solo Stansfield pantomimisch die Ärmel hochschiebt, obwohl sie ihre Lederjacke längst abgelegt hat, den Hosenbund ihrer Glitzerhose zurechtruckelt und wieder über die Bühne fegt.

„You got to be strong“, fordert sie, das Herkules-Motiv aufgreifend. Während die neue CD aktuelle Hörgewohnheiten aufnimmt und zum Teil mit elektronischen Beats unterlegt ist, sorgt die achtköpfige Band für einen organischen und brillant abgemischten Sound. Der Überhit vom Debütalbum, „All Around the World“, kommt im Vergleich zu den knackigen Songs aus „Deeper“ fast ein wenig blutleer daher, wird aber natürlich euphorisch bejubelt und textsicher mitgesungen. Mit „Change“, „Real Love“, „The Real Thing“ oder das Barry-White-Cover „Never, Never Gonna Give You Up“ hat die Engländerin noch viele Hitpfeile im Köcher.

„What Did I Do to You?“ spiegelt Stansfields Liebe zu Diana Ross wider, während der Titeltrack des neuen Tonträgers eine Liebeserklärung an Ehemann Ian Devaney ist, mit dem sie seit den Anfangstagen zusammenarbeitet. Sonst aber sind die Songtexte eher fiktive Reflexionen zu Leid und Liebe. „Mein Leben ist zu langweilig, um darüber zu singen“, sagte Stansfield kürzlich in einem Interview. „Ich bin über 50, Ian auch, meine Freundinnen ebenfalls. Ich bin früher echt gerne in Clubs gegangen, sehr selten mache ich das auch heute noch. Wenn ich nicht auf Tournee bin, verbringen Ian und ich die meisten Abende auf dem Sofa. Ich bin gerne daheim, wir machen uns was Leckeres zu essen und erinnern uns daran, was ich für ein wilder, partyfreudiger Teenager war.“

Am Sonntagabend aber wird gefeiert. Nach eineinhalb Stunden ruft Stansfield „We got to live together“, die zeitlose Botschaft aus „Live Together“, das sie mit dem Candi-Staton-Klassiker „Young Hearts Run Free“ kombiniert. Ein Auftritt stark wie Herkules.



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