weather-image
13°
×

Ein Sommerabend mit Verdi

„Rigoletto“ als Klassik-Open-Air in Hannover

HANNOVER. Ein solches Gewitter ist selten. Krachende Donner und grelle Blitze, die die Dunkelheit danach nur undurchdringlicher erscheinen lassen. Zum Glück gab es das nach Beginn der Aufführung nur auf der Bühne.
Ein bisschen furchteinflößend wirkte es trotzdem noch, wie die NDR Radiophilharmonie eines der verheerendsten Unwetter der Musikgeschichte zum Klingen brachte.

veröffentlicht am 21.07.2017 um 13:03 Uhr

Autor:

Im Finale von Verdis „Rigoletto“ deckt ein Gewitter einen furchtbaren Mord, und Dirigentin Keri-Lynn Wilson, die zum dritten Mal beim Klassik-Open-Air alle Fäden fest in der Hand hält, lässt es hier ordentlich krachen. Der Auftakt am Donnerstag war nur die öffentliche Generalprobe – am heutigen Sonnabend gibt es die Oper offiziell zu hören. Die Karten für die Plätze an Hannovers Neuem Rathaus sind vergriffen – im Maschpark können aber wieder Tausende kostenlos dem Konzertgenuss lauschen und auf zwei Leinwänden das Ereignis verfolgen.

Regisseur Michael Valentin schickt den Mörder zu Beginn der Oper mit Sonnenbrille und Mafia-Hut schnurstracks aus dem Rathaus auf die Bühne. Ein kleiner Scherz in einer ansonsten sehr ernsten Oper um einen Hofnarren. Wie in den vergangenen Jahren reichen ein Wandbild, ein Leuchter und andere wenige Requisiten, um die Handlung auf der Bühne anzudeuten. Die Kulissen von Park und Rathaus sind ansonsten stimmungsvoll genug.

Dass das Orchester hier Teil des Bühnenbildes ist hat diesmal sogar zusätzlichen Nutzen – so können die Musiker die von Verdi vorgesehene Bühnenmusik gleich selbst spielen.

Ludovic Tézier überzeugte das Publikum mit dezenten Gesten und einem sehr souveränen Bariton. Foto: Rainer Droese

Das tun sie von einigen wenigen der Probensituation angemessenen Wacklern – vor allem im heiklen Zusammenspiel mit dem Chor – sehr souverän, und auch die Verstärkung funktioniert wieder bestens. Davon profitieren auch die Sänger: Ludovic Tézier zeichnet mit dezenten Gesten und sehr souveränen Bariton ein eindringliches Porträt des Titelhelden, Stephen Costello ist ein eleganter Herzog, ohne auf Kraft und Schmelz eines echten Tenors verzichten zu müssen, und Nadine Sierra ist eine wunderbare Gilda, die mädchenhaft erscheinen und doch zulangen kann. Viel Beifall – auch schon nach den Arien.

Der Konzertbeginn ist am 22. Juli, erneut um 21.30 Uhr, weil die Lichtinstallation am Neuen Rathaus erst nach Sonnenuntergang ihre Wirkung entfaltet. Im NDR-Fernsehen wird die Oper zeitversetzt ab 22.15 Uhr übertragen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Anzeige
Anzeige