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Liedermacher zieht 9000 Fans in der Tui Arena in seinen Bann

Philipp Poisel macht Soundtrack für Verliebte

HANNOVER. Singer-Songwriter, die gefühlsduselig vor sich hin singen, sind schon seit Jahren im Trend: Da sind Joris, Andreas Bourani oder Tim Bendzko nur ein paar Beispiele. Aber Philipp Poisel ist irgendwie anders. Was bei manch einem seiner Mitstreiter zu kitschig rüberkommt wirkt bei dem Schwaben authentisch.

veröffentlicht am 29.03.2017 um 15:41 Uhr

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Gedankenverloren haucht Poisel – die Augen halb geschlossen – seine Texte von Sehnsucht, Wiedersehen und Abschiednehmen, von Träumen und dem Wunsch nach Zugehörigkeit. Die Hände mal hinterm Rücken, dann wieder am Mikrofon, die Schultern hochgezogen, die Bewegungen manchmal unbeholfen – das alles macht den Sänger so sympathisch. Er ist eben anders, das zeigt nicht nur das selbstgesägte, ständig wechselnde Bühnenbild. Poisel ist keine Rampensau und schafft es dennoch, 9000 Menschen in seinen Bann zu ziehen. Es ist der Soundtrack für Verliebte. Es waren vor allem Pärchen, die sich verliebt anschmachtend in die Tui Arena kamen. Sechs Jahre hat er sich für sein neues Album „Mein Amerika“ Zeit gelassen. Und in der Zwischenzeit offenbar viel gelesen. „Robinson Crusoe“ etwa. „Ich habe nie wieder erlebt, dass ich so krass reingezogen werde in meine Fantasie“, erzählt er. „Dass man alles um sich herum vergisst. Und deshalb möchte ich ein Roman sein.“

An seinem Sound hat er auch gefeilt. Die Band und die Geigenspieler sorgen für einen voluminöseren Sound, die Stimme des 33-Jährigen ist lauter geworden, es gibt mehr elektronische Elemente und auch Backgroundsänger und Duettpartner stehen mit ihm auf der Bühne. Das funktioniert – auch wenn der melancholische Pop eher in eine gemütliche Club-Atmosphäre passt als in eine große Halle. Los geht der Abend mit „Mein Amerika“, es folgt ein Mix aus alten und neuen Lieder wie „Zünde alle Feuer“, „Wo fängt die Liebe an“ und „Roman“, die Poisel, tief in sich versunken, singt – oder auch eher nuschelt. Als er dann „Zum ersten Mal Nintendo“ spielt, fühlen sich viele der Mittzwanziger bis Mittdreißiger in die Kindheit zurückversetzt: Es läuft die Tetris-Melodie, Mario und Luigi verteilen Wassereis, Poisel fährt Inlineskates und auf den Bildschirmen flimmern Zelda, Yoshi und Co. Trotzdem, es bleibt ein Abend der leisen und ruhigen Töne – eben ein Soundtrack für Verliebte und unter Liebeskummer Leidende.



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