weather-image
23°
×

Anne Imhof ist die „wichtigste Akteurin der Kunstwelt“ und „Aufsteigerin des Jahres“

Kunst als Casting

KÖLN. Ideen muss man haben: Die Frankfurter Künstlerin Anne Imhof ließ den deutschen Pavillon der Biennale von Venedig von vier Dobermännern bewachen. Gleichzeitig spürte sie aktuellen Fragen nach: Wer darf rein und wer muss draußen bleiben? In Venedig wollten auf jeden Fall alle rein in den Pavillon – lange Schlangen bildeten sich. Und Anne Imhof bekam den Goldenen Löwen.

veröffentlicht am 15.11.2017 um 18:49 Uhr

Autor:

Seitdem gilt sie als der Shootingstar der deutschen Kunstszene. Am Dienstag wurde sie vom Magazin „Monopol“ zur wichtigsten Akteurin der Kunstwelt 2017 gekürt, am Mittwoch vom „Kunstkompass“ zur Aufsteigerin des Jahres. Im Index „Die Stars von morgen“ schoss sie von Platz 229 auf 1 vor.

Linde Rohr-Bongard, die den im Magazin „Capital“ erscheinenden „Kunstkompass“ zusammenstellt, ist fest davon überzeugt, dass Imhof keine Eintagsfliege ist. Mühelos lege sie einen Spagat hin zwischen Performance und Sound Art sowie Malerei.

Kaum jemand wird dem widersprechen – Imhof ist eine naheliegende Wahl. Allerdings kann man sich immer auch anders entscheiden. Bereits Anfang des Monats hatte das britische Kunstmagazin „ArtReview“ sein Ranking veröffentlicht: Dort stand die Deutsch-Japanerin Hito Steyerl auf Platz eins.

Die „Monopol“-Redaktion bekennt sich dazu, dass ihre Auswahl subjektiv ist. Rohr-Bongard hingegen beansprucht eine gewisse Objektivität: Es gehe im „Kunstkompass“ keineswegs um ihre eigene Meinung, beteuert die Kölnerin. Die Kompassnadel wird nach einem ausgeklügelten System ausgerichtet: Berücksichtigt und jeweils mit einer Punktezahl bewertet werden Einzelausstellungen in 300 bedeutenden Museen weltweit, die Teilnahme an wichtigen Gruppenausstellungen, Rezensionen in Fachmagazinen und Auszeichnungen.

Es gibt sie: die Leute, die nicht wissen, wohin mit dem Geld. Sie investieren in Aktien, Immobilien – und auch Kunst. All diese Anlageformen sollen Rendite abwerfen. Was die Kunst betrifft, ist der Index „Die Stars von morgen“ eine willkommene Handreichung. Anne Imhofs Marktwert hat sich dieses Jahr vervielfacht.

Man kann das auch kritisch sehen. Denn im Grunde ist Kunst ja kein Wettkampf, kein Casting. Es geht darum, die Welt immer wieder mit anderen Augen zu betrachten. Dabei schließt keine Perspektive die andere aus. Ein wirklicher Kunstfreund, so sagen die Kritiker, bildet sich ein Urteil unabhängig von Rankings. Er folgt einfach seinem Geschmack.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige