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Neues Athener Kulturzentrum macht den Menschen Mut – dem griechischen Staat bereitet es eher Bauchschmerzen

Geschenk mit Nebenwirkungen

ATHEN. Es soll „die neue Akropolis“ werden, ein weiteres Wahrzeichen für Athen, mindestens aber ein Opernhaus, das international ganz vorne mitspielt: Am heutigen Donnerstag (23. Februar) wird das Kulturzentrum SNFCC der Stiftung des 1996 verstorbenen Reeders Stavros Niarchos offiziell dem griechischen Staat übergeben. Der rund 600 Millionen Euro teure Bau des italienischen Star-Architekten Renzo Piano beherbergt künftig die Nationalbibliothek und die Staatsoper. Betrieb und Verwaltung fallen an den Staat – und genau diese Tatsache lässt um die strahlende Zukunft des Geschenks bangen.

veröffentlicht am 22.02.2017 um 16:52 Uhr

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Steinreiche Reeder, die sich nach Gutdünken großzügig zeigen, haben in Griechenland Tradition – auch wenn sie mittlerweile gerne als oberste Steuerflüchtlinge an den Pranger gestellt werden.

Legendär ist der Wettstreit zwischen den Reedern Aristoteles Onassis und Stavros Niarchos: Beide kämpften zu Lebzeiten nicht nur um die Vorherrschaft auf den Weltmeeren, sondern auch um die Liebe derselben Frau, der Reederstochter Athina Livanos.

Und beide rangen stets darum, wer das eindrücklichste Vermächtnis hinterlässt. So wird selbst posthum gemessen, wer der Größte sein könnte: Onassis punktet in Athen bis heute unter anderem mit einer international renommierten Herzklinik und dem Kulturzentrum „Stegi“. Die Stiftung Stavros Niarchos legt nun mit ihrem Kulturzentrum SNFCC (Stavros Niarchos Foundation Cultural Center) nach.

Sehen lassen kann sich das großzügige Geschenk allemal. Wer vom Stadtzentrum aus darauf zu kommt, entdeckt kurz vor dem Meer inmitten der Betonwüste überraschend eine Grünfläche, die sich über die Dächer erhebt. Darunter verstecken sich die Räumlichkeiten für die neue Bibliothek und ein Opernhaus, dem jetzt schon eine Akustik der Weltklasse nachgesagt wird.

Vom Meer aus gesehen zeigt sich der Kulturtempel dann in aller Pracht. „Pharaonisch“, kritisieren manche, „mussolinisch“ oder schlicht „größenwahnsinnig“. Und doch macht der Neubau auch Mut und begeistert die Athener. Schließlich handelt es sich dabei um eine der größten Spenden und Investitionen der letzten Dekaden.

Gleichzeitig bereitet das schöne Geschenk Sorgen. Wer in Griechenland auf großzügige Spenden und Investitionen in staatlicher Obhut zurückblickt, weiß, warum. In fast allen Fällen wurden solche Gaben zur enormen Belastung.

Bleibt zu hoffen, dass die neue Institution Kunstschaffende und Besucher aus ganz Europa und aller Welt anlocken und von staatlicher Seite nicht völlig kaputtgewirtschaftet wird. Das Potenzial ist da - allein die Nebenwirkungen können noch nicht abgesehen werden.



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