weather-image
20°
×

Traute Römisch und Andy Mokrus: Runder Geburtstag mit „Querbeet“ im Theater

Es gibt nichts Schöneres als zu spielen

HAMELN. Sie steht für „Sex, aber bitte mit Vergnügen“. Rund 170 Mal stand Traute Römisch mit Dario Fos Stück, das er zusammen mit seiner Frau Franca Rame entwickelt hatte, auf unserer Bühne. Eine „einmalige Geschichte“, wie sich die beliebte Schauspielerin, Entertainerin, Diseuse und Platt-Liebhaberin an die Inszenierung von Rainer Steinkamp durchaus etwas melancholisch erinnert. Aber auch der erfolgreichste „Sex“ findet mal ein Ende.

veröffentlicht am 09.03.2017 um 14:51 Uhr
aktualisiert am 09.03.2017 um 17:00 Uhr

pe

Autor

Reporter

Mit Elke Scheler, damals Dramaturgin am Theater, war sogar überlegt worden, das Stück vorzeitig abzusetzen – um anderen eine Chance zu geben. Keine Chance. Hinzu kommt, dass Dario Fo um die Premierenzeit den Nobelpreis für Literatur zugesprochen bekam. Erst mit „Shirley Valentine oder Die Heilige Johanna der Einbauküche“, in der Inszenierung von Johanna Kunze, gelang eine Alternative.

Mit Dorothee Starke als Nachfolgerin von Rainer Steinkamp, der nach Wolfsburg wechselte, werden die „Blauen Montage“ eingeführt – und damit auch die Serie „Querbeet“ mit Traute Römisch und ihren Pianisten Andy Mokrus.

Ein Konzept, das Anklang fand. Das Publikum bestimmte die Themen. Auf einer Pinwand konnten Vorschläge gesammelt werden. Es wurden meistens um die 30, von denen dann drei in die engere Auswahl kamen, über die per Akklamation abgestimmt wurde. Darunter Themen, die sich angeboten haben wie „Klassentreffen“, das allein in Hameln vier Mal über die Bühne ging, aber auch „Partnersuche“ oder „Bucklige Verwandtschaft“, dann „Kinder sind wunderbar“ als Benefiz. Beim ersten Mal hieß es „Die lieben Nachbarn“ – die einzige Vorstellung, die nicht vom Publikum vorgegeben war, aber die Richtung vorgab. Vor allem „Klassentreffen“, das ja noch ein paar Extrarunden auf dem Theater auf der Bühne¨– kurz TAB genannt – drehen durfte, hat den beiden Komödianten, er am Klavier, sie mit ihrem so variantenreichen Mundwerk, besonders Spaß gemacht. Vor allem durch die Wechselwirkung mit dem Publikum. „Es soll was hin- und hergehen“, so die Römisch, „ich brauche die sogenannte vierte Wand nicht“. Und natürlich ist sie, wie alle, die zurecht auf der Bühne stehen, was man intern eine „Rampensau“ nennt. Fast traumwandlerisch findet sie die Scheinwerfer, deren Licht sie ins Licht setzen.

„Was mach ich jetzt was Neues“ an den Anfang gestellt – und als Dorothee Starke vom Konzept überzeugt war – die Herausforderung auch angenommen. Die Römisch machte dabei immer den Anfang – fing mit den Texten an, mit den „kabarettistischen Dings“ und schöpfte aus ihrem großen Vorrat an Liedern. Wobei der Computer eine enorme Hilfe bot, wenn sie die Themen eingab. Eine ebenso lange wie intensive Arbeitsphase. Dann kam, wörtlich, Mokrus ins Spiel.
Klavier inklusive. Suchte Musik für die Liedtexte. „Schon genial wie Mokrus“, so seine langjährige Bühnen-Partnerin, einmal Gehörtes einfach nachspielen und umsetzen kann. Nach den Hamelner TAB-Premieren tingelten die Beiden mit ihren so speziellen „Querbeet“-Abenden auch in Rinteln und dem Pyrmonter Theater, aber auch in Hannover.

Bei den Proben – ein einziges Vergnügen, wenn man schon so lange zusammen arbeitet und aufeinander eingespielt ist, wie die Römisch sagt, weil sie nun mal fürs Sagen zuständig ist und „pingpongartig“ als Metapher verwendet. Zuletzt steht jeweils ein perfekter Ablaufplan, der ja auch für die Technik gilt und eventuelle Lichtveränderungen. „Jetzt“, so die Hamelner Theater-Ikone, „bin ich wuschig“ wegen des 12. März, wo um 18 Uhr „20 Jahre und kein bisschen leiser“ über die weltbewegenden Bretter startet. Diesmal im Großen Haus und nicht in der „guten Stube“ der Beiden, im TAB. „Wie ein runder Geburtstag“ – und irgendwie ist sie diesmal anders aufgeregt und mitten drin in den Vorbereitungen und Proben – “man feiert sich und wird gefeiert“ – und irgenwie ist alles anders bei dieser Plattform mit Weggenossen. Johanna Kunze und Rainer Steinkamp werden auf der Bühne sein und im Publikum viele Freunde, die oft von weither anreisen. Und, so die Römisch, „wir wollen Spaß haben und den auch vermitteln“.

Ein bisschen wehmütig, dieses Geburtstagsständchen, das die beiden so liebenswerten Künstler sich selbst und ihrem Publikum schenken mit „20 Jahre und kein bisschen leiser“. Wie auch anders.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige