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8. Recycling-Designpreis wurde vergeben

Ein Teppich aus Meeresmüll

HERFORD. Ausgedientes wieder nutzbar zu machen, hat sich der Recycling-Designpreis zur Aufgabe gemacht, der in diesem Jahr bereits zum achten Mal verliehen wurde und auf eine langjährige Kooperation von Marta Herford und dem Arbeitskreis Recycling e.V. Herford verweist.

veröffentlicht am 30.01.2018 um 20:05 Uhr
aktualisiert am 30.01.2018 um 20:50 Uhr

Über 350 Designer aus insgesamt 18 Ländern beteiligten sich am Wettbewerb und zeigen neueste Entwicklungen auf dem Gebiet des nachhaltigen Designs. Ob Schmuck- oder Kleiderkollektionen, Möbel- oder Interieurstücke: Mit ihren Entwürfen setzten sich die Designer kritisch mit der heutigen Wegwerfgesellschaft auseinander und spüren Trends auf, obwohl sich ihre Entwürfe auf ausrangierte Materialien und Gegenstände stützen.

„Beim Recycling-Designpreis fällt eine zunehmende Reduktion in der Materialvielfalt und besondere Klarheit bei der Gestaltung neuer Produkte auf. Neben der Sortenreinheit spielt auch die zukünftige Trennbarkeit verschiedenster Materialien nach dem Gebrauch eine große Rolle. Somit ist die Erforschung bestehender Produktionsprozesse der Ausgangsprodukte oftmals eine wichtige Inspirationsquelle bei der Entwicklung neuer und spannender Upcyclingideen“, so Oliver Schübbe.

Mit ihren Entwürfen setzten sich die Designer kritisch mit der heutigen Wegwerfgesellschaft auseinander.

3 Bilder
Der Sieger: der Belgier Sep Verboom mit seinem Teppich „ROPE:rug“ aus Meeresmüll. Foto: Aaron Lapeirre

Als Gewinner des 8. Recycling-Designpreises kürte die elfköpfige Fachjury den Belgier Sep Verboom aus De Pinte, der mit dem flachgewebten Teppich „ROPE:rug“ überzeugte. Der Teppich ist aus alten Schiffstauen und -seilen gefertigt, die von den Philippinen stammen und vormals als Meeresmüll das sensible Ökosystem bedrohten. Die Farbgebung und das grafische Muster des Teppichs sind von mikroskopisch kleinen Meeresorganismen inspiriert und verweisen auf die nautische Herkunft des recycelten Materials. Lea Schücking aus Kassel belegte mit ihren dekorativen Wandfliesen „Shards“ den zweiten Platz. Die handlichen Fliesen sind aus Ziegeln und Altglas gefertigt, was die Färbung der schimmernden Braun- und Grüntöne bei genauem Hinsehen verrät. Die Drittplatzierte, Anna Sophie Flemmer aus Hannover, überzeugte die Jury mit ihrer 13-teiligen Kleiderkollektion „SAME:SAME“. Die in Brailleschrift übertragenen Beschriftungen machen die Kleidungsstücke blindengerecht. Zudem griff die Designerin für ihre Kollektion auf ausrangierte Reststoffe, Korkgarn und Leder, recyceltes Nähgarn und Papier sowie Garn aus Milchproteinfaser, ein Abfallprodukt der Milchproduktion, zurück und verzichtete auf die Verwendung neuer Materialien.

Eine weitere Wettbewerbseinreichung befindet sich schon von weitem sichtbar mitten auf der Marta-Plaza: Der niederländisch-deutsche Architekt Jan Körbes hat in einem ausrangierten vier Meter hohem Futtersilo einen besonderen Raum auf nur knapp drei mal zwei Meter geschaffen, der die Aspekte der experimentellen Architektur, der Mobilität und des sozialen Lebensraums in sich vereint. In seinem „Lemon Loft“ finden bis zu zehn Personen Platz, die den Ort als Tee- und Meditationsraum nutzen können.

Die Hamburger Designerin Charlett Wenig hingegen erkundet zusammen mit Naturwissenschaftlern in ihrem „Bone Project“ die Verwendung von Schweineknochen, die in erheblichen Mengen in der Lebensmittelindustrie als Abfallprodukt anfallen. Die vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten sind zum Beispiel stabile Knieschützer in Knochenforschung als Stützstruktur bei Trümmerfrakturen. Rudolf Weiß wiederum sammelt für sein Projekt „Gestalten (unter) anderen Umständen“ weggeworfene oder defekte Geräte und fügt diese zu neuen „alltäglichen Haushaltsprodukten“ zusammen.

Der Recycling-Designpreis ist ein Wettbewerb ohne Altersbeschränkungen, zu dem Designer und Gestalter mit professioneller oder semiprofessioneller Ausbildung eingeladen werden. Der erste Preis ist mit 2500 Euro, der zweite mit 1000 Euro und der dritte mit 500 Euro dotiert.

Info: „8. Recycling-Designpreis – ausgezeichnete Ideen“ ist im Marta Herford (Goebenstraße 2-10) zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr; jeden ersten Mittwoch im Monat von 11 bis 21 Uhr.



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