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Feministische Aktionskunst in Hannover

Die Guerillas sind los

HANNOVER. Die Guerrilla Girls gründeten sich im Frühjahr 1985: Das Museum of Modern Art in New York präsentierte damals „An International Survey of Recent Painting and Sculpture“ – eine Bestandsaufnahme der zeitgenössischen Kunst. Die Bestandsaufnahme der späteren ersten sieben Guerilla Girls fiel so aus: Von 165 in der Ausstellung vertretenden Künstlern waren nur 13 weiblich – diese waren übrigens allesamt weiß und stammten aus Europa oder Amerika.

veröffentlicht am 15.01.2018 um 18:26 Uhr
aktualisiert am 15.01.2018 um 19:00 Uhr

In der kommenden Woche wird nun in Hannover eine Ausstellung der Guerilla Girls eröffnet. Mit ihrer Schau „The Art of Behaving Badly“(Die Kunst, sich schlecht zu benehmen) präsentiere die Kestner-Gesellschaft „eine der international bedeutendsten Positionen feministischer Institutionskritik“, kündigt die Gesellschaft an.

Seit ihrer Gründung operieren die US-amerikanischen Künstlerinnen als eine anonyme Gruppe von Aktivistinnen. Sie machen auf die Unterrepräsentanz von Frauen und „People of Color“ in Galerien, Museen und anderen Kunstinstitutionen aufmerksam. Mit Plakaten im öffentlichen Raum, Videos, Aktionen, Performances und Publikationen wollen sie Ausgrenzungsmechanismen in einer weiß und männlich dominierten Kunstwelt und Kulturlandschaft enthüllen.

Die Künstlerinnen verstecken ihre Köpfe unter Gorilla-Masken und nutzen die Namen bereits verstorbener Künstlerinnen wie Käthe Kollwitz, Frida Kahlo, Rosa Bonheur oder Eva Hesse.

Begonnen haben die Guerrilla Girls mit ihren sogenannten „Weenie Counts“, bei denen die Anzahl an weiblichen und männlichen Künstlern in den großen New Yorker Museen und Kunstgalerien verglichen und durch Plakataktionen im öffentlichen Stadtbild New Yorks sichtbar gemacht wurden.

Frühe Arbeiten entsprachen immer derelben Ästhetik: schwarze Blockbuchstaben auf weißem Papier. Als Flyer oder Poster wurden sie – zunächst illegal – in New York aufgehängt. In späteren Werken beginnen die Guerilla Girls, ironische und satirische Stilmittel zu benutzen. Schon seit 1986 beschäftigen sich die Guerrilla Girls neben dem feministischen Diskurs auch mit Problemen rassistischer Ausgrenzung und Vorurteilen aufgrund von sexueller Orientierung.

Die Kestner-Gesellschaft zeigt nun erstmals eine institutionelle Einzelausstellung der Guerrilla Girls in Deutschland mit rund 30 ausgewählten Plakaten aus den Jahren 1985 bis heute sowie neueren Videoarbeiten von 2015 und 2016.

Darüber hinaus präsentieren die Künstlerinnen eine neue Arbeit, die sie in der Auseinandersetzung mit der Geschichte der Kestner-Gesellschaft entwickelt haben. Die Bilanz fällt durchwachsen aus: „Nach 96 Jahren entdeckt die Kestner Künstlerinnen“, heißt es auf einem neuen Plakat. Darunter wird aufgeschlüsselt: Anteil der Einzelausstellungen von Künstlerinnen von 1916 bis 2012: 9 Prozent. Von 2013 bis 2017 dann aber: 68 Prozent. Eine Frage bleibt jedoch in Hannover offen: „…doch warum 0 Einzelausstellungen von Artists of Color in den letzten 10 Jahren?“, fragen die Guerrilla Girls.

Zur Eröffnung am Donnerstag, 25. Januar, um 18.30 Uhr wollen „Frida Kahlo“ und „Käthe Kollwitz“ einen humorvollen, performativen Vortrag präsentieren.red/fh


Ausstellung: „Guerrilla Girls – The Art of Behaving Badly“, 26. Januar bis 8. April, Kestner-Gesellschaft, Goseriede 11, Hannover. Öffnungszeiten: Täglich 11 bis 18 Uhr, donnerstag 11 bis 20 Uhr, montags geschlossen. Im Internet: www.guerrillagirls.com und kestnergesellschaft.de.



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