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Hans Jürgen Thoms „Homo sapiens“ in der „arche“-Galerie

Altmeisterlich modern

HAMELN. Sie sind alles andere als sympathisch, die Menschen, die Hans Jürgen Thoms hier an den „arche“-Wänden versammelt. Und „homo sapiens“, Titel der Ausstellung, die seit Freitagabend in der Galerie am Haspelmathsturm gezeigt wird – auch wenn der „vernunftbegabte Mensch“, dem laut Definition alle heute lebenden Menschen angehören – noch nicht einmal als Utopie vorkommt. Insofern nichts weniger als sehr reale Szenerien im kulissenhaften Ambiente.

veröffentlicht am 26.03.2018 um 08:47 Uhr

pe

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Reporter

Das Foto zur Ausstellungseröffnung „Sprachlos I“ in der Dewezet: drei Smartphone-Benutzer. Geradezu autistisch abgeschottet und davor, real, der Künstler ebenfalls mit Handy. Es könnte typisch sein für Thoms, dessen ironische Brechungen allemal „alltägliche Schwächen“ bis zu „Hass und dumpfe Gewalt“ verkörpern, wie Wolfgang Raddatz es in seiner Einführung nennt. Das immer wieder auch Karikaturhafte ist bei Thoms allemal durch handwerkliches Können abgefedert. Die Arbeiten – ob „Der heilige Sebastian“, statt mit Pfeilen mit selbstverordneten Piercings „gemartert“ – „Hund und Frauchen“ wie auch „Herr und Hund“ im Eingangsbereich: Annäherungen, wobei offen bleibt, wer sich hier wem angenähert hat.

„Skurrile Typen“, wie Raddatz sie nennt, die „Selbstgefälligen, die Müden und Einsamen“. Auch die „Selbstdarsteller“ – expressiv überhöht in ihren psychischen und physischen Deformationen. Thoms reagiert – auch auf höchst Politisches wie in „Höckes Brettspiel“ – beispielhaft. Björn Höcke, AfD-Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag und berüchtigt geworden mit dem Satz „Wir Deutschen ... sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat“, zeigt der Künstler mit einem dicken „Brett vor dem Kopf“.

Und immer wieder in immer neuer Szenerie: Kommunikation – bei Thoms zwanghaft als Isolation gezeigt. Drei Männer am Meer – linke Hand in der Hosentasche, der rechte Arm mit Smartphone angewinkelt. „Sprachlosigkeit“, wie Raddatz es nennt, dieses Phänomen ständiger Kontakte. Ein Sog der Belanglosigkeiten.

2 Bilder
Hans Jürgen Thoms und sein „Weißclown“. Dana

Ein zentrales Werk der Ausstellung, das 57 Arbeiten, davon 31 Malereien und 26 Skizzen auf der Galerie: „Verappled“. Ein Mann mit Hut, grauem Poloshirt über weißem Unterhemd und zentral gemaltem Apple-Symbol, das an der Bissstelle ein Auge sichtbar werden lässt. Raddatz wörtlich: „Das Logo und der Bildtitel weisen die Person als apple-user aus. Ob er die gesamte Produktpalette von appe besitzt und damit vollständig verappled ist oder ob schon ein Produkt genügt, um verappled zu sein oder verappled zu werden, verrät uns das Bild nicht“. Erinnert aber an René Magritte und sein berühmtes „Der Sohn des Mannes“ – und bei Thoms als Zitat erkennbar. Kaum ein Bild, das ähnlich populär wurde, auch durch die Beatles, die den Apple adoptierten und der so perfekt in die Pop-Art-Ära passte.

„Homo sapiens“ – wenn es eines Beweises bedarf, dass der „sapiens“ alles andere als vernünftig ist – in der „arche“ ist es dargestellt: witzig, böse, nachdenklich, mitfühlend, analytisch. Thoms lässt einen schaudernd staunen über sein Menschenbild, das so wenig Hoffnung zulässt. Schon Plautus wusste: „Homo hominem lupus est“. Der Mensch ist des Menschen Wolf. Es hat sich verdammt wenig geändert.



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