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Ohnsorg-Theater mit seinem „Bauern-Hit“ auf Frauen-Suche

Ach du dickes Land-Ei

HAMELN. Hinsetzen – zurücklehnen – genießen. Und überrascht fragen, wenn das Licht wieder angeht: „Was? Ist denn schon Pause?“ Hamburgs Ohnsorg-Theater auch diesmal wieder eine sichere Bank – und damit volles Haus. Nicht von ungefähr und seit Jahrzehnten erarbeitet. Zudem auf einem Niveau, das sich den Ehrentitel Volkstheater immer wieder neu erspielt. Sonntagnachmittag mit „Landeier – Bauern suchen Frauen“, einer spritzigen, pointenreichen Komödie von Frederik Holtkamp. Dabei: nichts als tote Hose – und drei Jungbauern, alle so Mittdreißiger und was die dörflich-triste Freizeit angeht, auf Gastwirt Hein angewiesen, der Bier nur noch in Flaschen verkauft – und Ravoli aus der Dose anbietet. Aufgewärmt.

veröffentlicht am 22.01.2018 um 18:41 Uhr

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Reporter

Drei junge Männer – der eine, liebenswert, wenn auch nicht der Hellste, züchtet Schweine, sein Kumpel Schafe, die er aber nicht schlachten will und der Dritte – immerhin sportlich mit dem Rennrad unterwegs, der als Bio-Bauer sein Glück suchen will. Tote Hose, wie gesagt und weit und breit keine Frau, die das Landleben locken könnte. Kontaktanzeigen im Lokalblatt, selbst Partnervermittlung „mit Niveau“ – eine Pleite jagt die nächste. Die drei drehen schließlich ein Video von sich – auch mit dezentem Strip verbunden – es melden sich ein paar Männer. Frauen Fehlanzeige.

Dann die Postbotin Gertrud als Vertretung und schließlich eine Studentin, die auch noch Eva heißt. Überraschend mischen also zwei Frauen mit – es wird turbulent. Und wieder wird gefilmt – und diesmal dürfen Jan und Jens am Herd mit Pfannekuchen für sich werben, während Richard bügelt und bereits mit Eva knutscht. Und auch Wirt Hein hat mit der resoluten Postlerin – wenn auch nicht aus heiterem Himmel, weil es bei uns ja dauernd regnet – eine neue Partnerin. Jan und Jens brillieren zuletzt – letzter Versuch: nackt, mit jeweils zwei XL-Pfannen – und von Stephan Grühn hinreißend choreografiert. Eine gleichermaßen saukomische wie akrobatische Einlage.

Sandra Keck hat inszeniert und die hat in der Region – vor allem in Bad Pyrmont, wo sie regelmäßig mit der „Companie“ zusammenarbeitet – mehr als einen guten Namen. Perfektes Timing, Pointen, die allemal zünden und bei allem Klamauk, aller Parodie immer auch real bleiben. Das lässt sich nur mit Schauspielern erreichen, die so selbstverständlich den Ton treffen – und bei allen Übertreibungen sozusagen Mensch bleiben. Selbst Kalauer sicher über die Rampe schicken. Ganz große Klasse die Video-Einspielungen, die so perfekt unperfekt über die Laken-Leinwand flimmern.

Tim Ehlert als Richard – der Beau des Trios und als solcher für die Damen im Parkett und auf dem Balkon eine Augenweide. Robert Eder als Jens, der so herrlich begriffsstutzig sein kann, ein Komödiant reinsten Wassers, ein liebenswerter Loser, der dennoch nie verliert, wie auch Jan, Markus Gillich, der sich so schwertut, für sich zu werben. Auch er ein Komödiant der Extraklasse, wie auch Wirt Hein mit seiner Harley im Schuppen und einer tollen Gesangs-Einlage. Edda Loges als wandelnde Vernunft und warmherzige Grantlerin – und schließlich Dörte Niedermeier als Eva, die angehende Architektur-Studentin, die zuvor schon mal eine Schreinerlehre absolvierte – für Richard ein Glücksfall. Auch für seinen Hof.

Eine bezaubernd überdrehte Geschichte, locker präsentiert – was sich so leicht sagt und so schwer ist – für einen genussvollen Theater-Nachmittag, der einen unbeschwert lachen und genießen lässt.



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