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Fabian Siebert sorgt mit Frage nach Erklärung der Finanzkrise für Furore in der Medienwelt

Zwölf-Jähriger lässt Westerwelle alt aussehen

Hessisch Oldendorf (doro). „Meine Damen und Herren, daran nehmen Sie sich mal ein Beispiel“, forderte FDP-Chef Guido Westerwelle, als Fabian Siebert (12) ihm bei der Bundespressekonferenz in Berlin die Frage stellte: „Wie würden Sie Kindern in meinem Alter das Wort Finanzkrise erklären?“ Warum der FDP-Partei- und Fraktionschef das wollte, verwundert allerdings, denn die einfache wie kluge Frage des Schülers aus Fischbeck, der als Kinder-Reporter für Radio Aktiv unterwegs war, brachte den FDP-Parteichef sichtlich aus dem Konzept.

veröffentlicht am 21.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 19.03.2010 um 10:43 Uhr

Mit seinem Beitrag will sich Fabian auch für den Landesmedienpre

Hessisch Oldendorf (doro). „Meine Damen und Herren, daran nehmen Sie sich mal ein Beispiel“, forderte FDP-Chef Guido Westerwelle, als Fabian Siebert (12) ihm bei der Bundespressekonferenz in Berlin die Frage stellte: „Wie würden Sie Kindern in meinem Alter das Wort Finanzkrise erklären?“ Warum der FDP-Partei- und Fraktionschef das wollte, verwundert allerdings, denn die einfache wie kluge Frage des Schülers aus Fischbeck, der als Kinder-Reporter für Radio Aktiv unterwegs war, brachte den FDP-Parteichef sichtlich aus dem Konzept. Ein unbekanntes Ziel in der Ferne fixierend, tat Westerwelle mit kleinen Denkpausen kund: „Finanzkrise ist, wenn mit Abstand zu wenig Geld im Portemonnaie ist, weil vorher alles krumm- und schiefgegangen ist.“ Anschließend fragte er den jungen Reporter nach seinem Alter. „12? Na, dann bleibt es bei meiner Antwort“, erklärte Westerwelle nachdrücklich und ignorierte, dass eine ausführlichere Erklärung wohl Menschen jeden Alters interessiert hätte.

Bundesweit in „frontal 21“ zu sehen

„Ich fand die Antwort eigentlich ziemlich doof“, sagt Fabian Siebert heute. Eine Meinung, mit der er nicht allein dasteht: Das Fernsehmagazin Frontal 21 befand den Auftritt Westerwelles für derartig blamabel, dass die Szene in der Satire „Toll!“ bundesweit gesendet wurde. Schlecht gelaufen für Guido, gut für Fabian. Zur Ehrenrettung des FDP-Politikers soll an dieser Stelle jedoch nicht verschwiegen werden, dass er die zweite Frage des Schülers „Wie wird man Politiker“ zu Fabians Zufriedenheit beantwortete.

Mit der Frage nach der Finanzkrise hat es der 12-Jährige schon weit gebracht in seiner noch jungen Karriere als Fernsehreporter. Und das ist wichtig, denn schließlich will er sich mit dem Beitrag für den Landesmedienpreis in der Rubrik „Wirtschaft“ bewerben (die Endausscheidung ist im Dezember).

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Als „Lollipop-Reporter“ wollte er für den heimischen Hörfunksender bereits von Philipp Rösler, damals Landes- und Fraktionsvorsitzender der FDP Niedersachsen, wissen, was es mit der Finanzkrise auf sich hat. Auch Friedrich-Wilhelm Kaup, Chef der Sparkasse Weserbergland, musste Rede und Antwort stehen. Die verständlichste Erklärung hat Fabian nach eigener Aussage allerdings von einem älteren Herrn in Hamelns Fußgängerzone bekommen, als er dort Alt und Jung zum Thema befragte. Den Kontakt zu Philipp Rösler, dessen Antwort dem Zwölf-Jährigen „wesentlich besser“ gefallen habe als Westerwelles, hat der junge Reporter bei der Verleihung des Sat-1-Landesmedienpreises 2008 übrigens ganz allein eingefädelt. Der Lohn: Röslers Einladung zur Bundespressekonferenz.

Obwohl Fabian Siebert seine Zeit eigentlich lieber in seine Gitarre als in Fernseh- oder Radiobeiträge steckt, war er im September bereits wieder für Sat 1 als Kinderreporter bei der Ideen-Expo in Hannover und führte Interviews zu den Themen Technik, Kommunikation, Natur und Energie durch. Das Highlight sei Extremsportler Joey Kelly gewesen, auch wenn der auf die Frage, was sein Vortrag „No Limit“ eigentlich mit der Ideen-Expo zu tun habe, antwortete: „Das weiß ich auch nicht.“

Dafür weiß Fabian umso besser, was ihn selbst erfolgreich macht: „Einzigartigkeit, Vielseitigkeit und Offenheit.“ Beruhigend – und sympathisch – dürfte bei so viel Selbstbewusstsein sein, dass der prominente Schüler des Victoria-Luise-Gymnasiums kein schulischer Überflieger ist, sondern durchschnittliche Zensuren nach Hause bringt. Ein echter Zappelphilipp sei er, sagt der Vater. Konzentrationsfördernd wirke dagegen sein neues Hobby Golf, so Ralf Siebert. Fabians Lieblingsfächer sind Musik, Biologie und Sport. Deutsch mag er wegen der Grammatik und des Stils nicht so gern, Englisch sei da schon besser. Und am allerbesten findet der Gymnasiast sowieso die Musik: „Damit lassen sich Gefühle besser ausdrücken als mit jedem Radiobeitrag.“ Dass Rektor Rainer Starke ihn für seine Tätigkeit als Reporter beurlaubt hat, findet der Schüler übrigens echt stark und möchte dem Vikilu-Chef auf diesem Wege noch einmal dafür danken. Aber auch wenn sein absoluter Berufswunsch Sologitarrist ist – das nächste Medien-Ziel ist schon gesteckt: Einmal als Reporter zu Stefan Raabs TV-Total. Der Entertainer punktet bei Fabian Siebert nicht nur durch Persönlichkeit, auch seine Ideen, wie die Wok-Meisterschaften oder das Stockcar-Rennen findet er klasse. Souverän lässt Fabian durchblicken, dass er für die TV-Welt möglicherweise doch nicht verloren ist, wenn er solche Sachen machen könnte wie sein Vorbild. Bevorzugte Genres: „Sport und Promis.“

Bei der Bundespressekonferenz interviewte Fabian Siebert FDP-Chef Guido Westerwelle zum Thema Finanzkrise – zufrieden war er mit der Antwort allerdings nicht.

Fotos: pr



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