weather-image
12°
Zu Gast bei Mutter Natur: Ökologisch orientierter Tourismus ist im grünen Istrien längst auf dem Vormarsch

Zwischen Weinbergen, Wacholderhainen und Trüffeln

Silbrig schimmernde Blätter von Olivenbäumen, betörender Lavendelduft, das Kläffen eines Welpen – wer in einem der Ferienhäuschen auf dem Anwesen Ograde aufwacht, wird von Sinneseindrücken überflutet. „Dobro jutro, guten Morgen“, grüßt Davorka Sajina mit einem Lächeln. In einer bunten Küchenschürze steht die Gastgeberin vor der Konoba – einem bäuerlichen Gastraum – und wartet auf die Frühstücksgäste. Seit Stunden ist die 50-Jährige auf den Beinen, der üppig gedeckte Tisch ist synonym für ihren Fleiß: Frisches Brot dampft in einem Körbchen, daneben stehen Schinken, der hausgemachte Prsut und ungewöhnliche Konfitürekreationen.

veröffentlicht am 21.08.2009 um 18:22 Uhr

Oprtalj war bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter fra

Autor:

Mirjana Cvjetkovic

Nach der Stärkung bietet die Gastgeberin einen Rundgang über ihr 13 000 Hektar großes Anwesen an. Medo, ein schwarzer gemütlicher Hund, begleitet sein Frauchen und Gäste über einen Schotterweg. Der führt vorbei an freilaufenden Hühnern, Gänsen, Fasanen und Katzen, sechs istrischen Schafen hin zu den Pferden.

Beliebtes Ferienziel für Städter

Das Landgut der kroatischen Familie, die sich seit dem Jahr 2000 dem ländlichen Tourismus widmet, eignet sich zweifelsohne für einen solchen Ausflug: Es besteht aus unendlich wirkenden Wacholderhainen, lichten Wäldern und Feldern.

Das ländliche Ausflugsziel, das einst mit einer Schäfertrockenmauer umkreist war, hat sich zum beliebten Ferienziel für Städter gemausert. Außerdem stellt es das wirtschaftliche Standbein von Davorka Sajina und ihrem Mann Vjeran dar. Die schnelle Kuna steht bei dem Ehepaar nicht im Vordergrund. Dazu binden die Macher zu sehr regionaltypische Rassen und Sorten in ihren Hof ein, deren Aufzucht und Anbau viel Fleiß und Zeit in Anspruch nehmen. Dies untermalen viele Auszeichnungen, Urkunden und Ehrungen, die in der Konoba an der Steinmauer hängen. Außerdem nehmen sich die Gastgeber, die auf dem Hof wohnen, immer Zeit für interessante Ausflugstipps außerhalb ihres Gutes.

Wer keine Lust auf Workshops wie Wollespinnen oder Korbflechten hat und etwas vom grünen Umland sehen möchte, dem gibt die einst als Schneiderin tätige Davorka Sajina gerne Tipps für Touren durchs Landesinnere. Abgesehen davon, dass es bis an die Küstenstädte Rovinj oder Porec etwa 40 Minuten Fahrzeit mit dem Auto sind, empfiehlt die 50-Jährige einen Trip über serpentinenreiche Straßen nach Oprtalj – in ein verschlafenes, malerisches Städtchen auf einem 378 Meter hoch gelegenen Hügel.

Die Italiener nennen die 100 Seelen zählende Gemeinde Portole – Zweisprachigkeit ist in Istrien nichts Ungewöhnliches, befand sich die Halbinsel doch lange unter venezianischer Herrschaft. Auch die schmalen Gässchen und kleinen Häuschen, in denen zumeist Künstler ihren Talenten nachgehen, zeugen davon, dass die Besatzer toskanische Einflüsse mitgebracht haben. Schlendert man in dem bergigen Gebiet an den alten Kirchen vorbei, ist kaum vorstellbar, dass es zur Küste lediglich 22 Kilometer Luftlinie sind. Am südlichen Hang der Gemeinde blickt man auf das Mirnatal, die weitläufigen Olivenhaine, Weinberge erstrecken sich bis an den Horizont. Unzählige Istrier haben in den vergangenen zehn Jahren ihre Häuser im Küstengebiet aufgegeben, um sich der Landwirtschaft zu widmen.

Wenige Kilometer entfernt thront das mittelalterliche Örtchen Groznjan (italienisch Grisignana) auf einem Berghügel – ein beliebter Treffpunkt für Musiker aus aller Welt. In den Sommermonaten verwandelt sich Groznjan jeden Abend in eine Konzertbühne. Dieses Gebiet ist daneben für seine trüffelreichen Wälder bekannt: Zahlreiche Restaurants in der Umgebung bieten landestypische Spezialitäten verfeinert mit dem teuren Speisepilz an.

Der größte Fund liegt genau zehn Jahre zurück: Bei Buje, nahe dem Ort Livade, fand der Kroate Giancarlo Zigante mit seiner Hündin Diana den bisher größten Trüffel: Dieses weiße Exemplar wog 1310 Gramm. Bis heute führt Trüffelkönig Zigante ein erfolgreiches Restaurant und ein Trüffelgeschäft in Livade.

Jahrtausendealte Weinbautradition

Mehrere Weinstraßen ziehen sich durch die herzförmige Halbinsel Istrien – sie sind mit Vinska Cesta Porestine ausgeschildert. Es scheint, die jahrtausendealte Weinbautradition sei aus dem Dornröschenschlaf erwacht. In Markovac bei Visnjan bietet sich ein Stopp bei Peter Poletti an. In sechster Generation produziert der Winzer mehrere Sorten. Preisgekrönt ist sein weißer, fruchtiger Malvazija – eine Rebsorte, von der Kenner behaupten, sie gehöre zu Istrien wie das Meer.

Blumig beschreibt Poletti die Geschichte seiner Familie und die besonderen Noten seiner Weine. Diese sprechen genau wie der Hausherr mehrere Sprachen. Ein Genuss, etwas von Istrien im Glas zu schwenken. Zurück im Ograde-Domizil, trinkt Landtourismusexpertin Davorka Sajina gerne ein Gläschen mit ihren Gästen – auch wenn ihr Wecker noch vor dem Erwachen der Hähne kräht.

Oprtalj war bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter französischer, österreichischer und italienischer

Herrschaft. Viele dieser Einflüsse sind in dem Ort noch zu sehen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt