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Das Bremer Tourneetheater zu Gast im Viktoria-Luise-Gymnasium

Zwischen Verrückten und Machtgierigen

Hameln. Wie im Irrenhaus fühlten sich 170 Schüler aus Jahrgang 11 in der Aula des Viktoria-Luise-Gymnasiums unter den Fittichen von Irrenärztin Mathilde von Zahnd und ihren Krankenpflegern und -pflegerinnen. Zu Gast war das Bremer Tourneetheater unter der Regie von Ullrich Matthaeus mit seiner Inszenierung der Tragikomödie „Die Physiker“ von Dürrenmatt aus dem Jahr 1961. Dass sie dabei von den Schülern, die das Drama, hinsichtlich des Abiturs 2012, bereits behandelt hatten, kritisch beäugt wurden, ließ sich die sechsköpfige Schauspielgruppe nicht anmerken. Es war ihre 16. Schulaufführung.

veröffentlicht am 09.02.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 00:41 Uhr

„Im Paradoxen erscheint die Wirklichkeit“ schreibt Dürrenmatt in seinen „21 Punkten zu den ,Physikern‘“. Ein groteskes Drama, das nicht nur von Wissenschaft, Verantwortung und Macht handelt, sondern auch von der Unberechenbarkeit des Lebens. Der Physiker Möbius, der sich in ein Sanatorium einliefern lässt, um die Menschheit vor den Auswirkungen der Wissenschaft zu schützen, wird schließlich von der verrückten Irrenärztin überführt. Diese Thematik zu vermitteln, klingt nach einer großen Herausforderung. Und nicht ohne weiteres war die Interpretation der kleinen Besetzung zu verstehen, und schon bald verbreitete sich Irritation im Raum. Trat doch gerade der scheinbar verrückte Physiker Einstein auf, war er im nächsten Augenblick plötzlich Inspektor Voss.

Zum Schluss des Stückes, als es schließlich zur Aufklärung kommt, konnten dann alle Darsteller ihr schauspielerisches Talent noch einmal unter Beweis stellen. So outen sich Einstein und Newton als Spione zweier konkurrierender Weltmächte, die die Weltformel ausfindig machen wollen und Möbius als deren Erfinder. Dabei stellte ein von den Krankenpflegern parallel gespieltes „Schiffe-Versenken“ den Spiegel der Szene dar und unterstrich durch „Treffer“ ihre Bedeutung und Wichtigkeit.

Die Bremer Inszenierung unterschied sich insofern von der Vorlage Dürrenmatts, als dass nicht Mathilde von Zahnd die Übeltäterin ist, die am Ende die Macht an sich reißt. Stattdessen wurde sie von den Krankenpflegern erschossen, die das Stück mit dem Beginn ihrer Weltherrschaft beenden. Eine weitere Steigerung der Dramatik.



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