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50 Jahre Heeresflieger: Von der Dienststelle Blank in den Kongo

Zwischen militärischem Auftrag und ziviler Hilfe

Bückeburg. Bereits 1954, drei Jahre vor der offiziellen Aufstellung, plante der spätere Oberst Horst Pape im Rahmen der Vorbereitung zur Wiederbewaffnung der Bundesrepublik in der "Dienststelle Blank" die Heeresfliegertruppe. Am 7. Januar 1957 übernahm die junge Bundeswehr Niedermendig als ersten Flugplatz von den Franzosen und stellte ein Flugplatzkommando auf. Aus den USA waren inzwischen die ersten Piloten zurückgekehrt, wo sie auf Flugzeugen und Hubschraubern geschult worden waren.

veröffentlicht am 23.03.2007 um 00:00 Uhr

"Misson Rescue": Nach dem Erdbeben bringen die Heeresflieger von

Autor:

Wolfgang Pech

Bis 1962 hatte die jüngste Truppengattung des Heeres an zwölf Flugplätzen die Regie übernommen, fliegendes, technisches und allgemeines Personal ausgebildet, die Hubschrauber der ersten Generation und ein Flächenflugzeug in Betrieb genommen, die eigene Schule aufgebaut und die militärische Grund- und Laufbahnausbildung organisiert. Gleichzeitig mussten sich die Flieger im Heer bewähren. In der "Lehr- und Versuchsübung 58" wurden die Weichen nicht nur für die künftige Gliederung des Heeres gestellt, auch die Heeresflieger konnten ihren Nutzen beweisen. Möglich war dieser Kraftakt nur durch die Erfahrung, die Einsatzfreude und das Improvisationsvermögen der kriegsgedienten Offiziere und Unteroffiziere sowie der übernommenen Bundesgrenzschutzbeamten. Versetzungen, Trennung von der Familie, Umzüge, Ungewissheit und Anpacken auf ungeregeltem Terrain waren tägliches Brot. Als Ausgleich gab es dafür Gestaltungsfreiheit, Freude am Fliegen. Kameradschaft und Stolz auf die eigene Leistung. Teilnahme an großen und kleinen Flugveranstaltungen, "Keuchhustenflüge" (bei denen Keuchhustenerkrankten in großer Flughöhe Linderung verschafft werden kann), erste Hilfeleistungen bei Bergunfällen und Hüttenversorgung im Gebirge, Kranken- und Medikamententransporte und natürlich militärische Übungen machten die Luftfahrzeuge mit der Aufschrift "HEER" in der Bevölkerung bekannt, genauso wie die ersten Einsätze auf wirtschaftlichem Gebiet, obwohl es diesen Ausdruck damals noch nicht gab. Beispielsweise wurden Fahnenmasten, Kirchturmspitzen und außengelandete Sportflugzeuge ohne langes Genehmigungsverfahren als Außenlast an ihren Platz gebracht. Die Ergebnisse bei fliegerischen Wettbewerben zeigten mittlerweile, dass auch die jungen Besatzungen mithalten konnten. Im Heer stellten die Führer fest, dass man mit dem Hubschrauber Zeit sparen und Freude haben kann, dass er Überblick und Prestige verschafft. Vom Heeresamtüber die Korpsheeresfliegerkommandeure/Divisionen in die Bataillone und Staffeln angeordnet, hatte die Truppe inzwischen ihre Führungsstruktur aufgebaut, die Ausbildung ihrer Offiziere übernommen und begann - zum Ärger der Luftwaffe - die fliegerische Grundausbildung und Ausbildung zum Blindflug auszuweiten. Der Transportraum der Hubschraubertypen Vertol H21 ("Banane") und Sikorsky H34 war auf Korpsebene zusammengefasst, die Divisionsstaffeln waren fest im Feldheer integriert. 1967 wurde über den Umweg des geplanten Waffenträgers der leichte Transporthubschrauber UH-1D (Volksmund: "Teppichklopfer") in die inzwischen aufgestellten Divisions-Bataillone eingeführt, während gleichzeitig ein "großer" Transporthubschrauber gesucht und in der Sikorsky CH53 auch gefunden wurde. Er sollte ab 1972 die Transporthubschrauber der ersten Generation ersetzen und gemeinsam mit der UH-1D auf Korpsebene einen Transport-Schwerpunkt von 170 Tonnen in einer Welle ermöglichen. Die französische Alouette II hatte schon ab 1959 die Erstmuster ersetzt. 1971 brachte die Heeresstruktur 3 die Aufstellung von je einem leichten und mittleren Heeresflieger-Transportregiment pro Korps und des Sonderregiments Schleswig-Holstein. Lufttransport bei jedem Wetter, im Tiefflug, über Staatsgrenzen hinweg und als Teilnehmer am zivilen Luftverkehr war die Devise. Für die Truppe bedeutete das zusätzliche Ausbildung, Personalmangel, Umgliederung, Versetzung und Ausbau der Flugplätze. Waren bereits 1962 mit der Alouette II Versuche mit Panzerabwehrlenkraketen unternommen worden, so belebte der Vietnamkrieg den Gedanken der Feuerunterstützung vom Hubschrauber aus erneut die Diskussion im Heer. Die massive Bedrohung durch Panzer des Warschauer Paktes lenkte die Untersuchungen Richtung Panzerbekämpfung aus der Luft. Mit dem Ergebnis, dass ab Beginn der 1980er Jahre der Panzerabwehrhubschrauber BO105P und als Ersatz für einen Teil der Alouette II der Verbindungshubschrauber BO105M eingeführt wurden. Wieder hieß es: Neuaufstellung, Umlernen, Standortwechsel und als neue Forderung, Einbindung in den Kampf der verbundenen Waffen, mit Erdtaktik und Schießen aus der Luft. In dieser "hohen Zeit" der Heeresflieger war die Truppe etwa 11 000 Mann stark, betrieb rund 780 Hubschrauber und flog von 14 Flugplätzen aus. Sie hatte sich in Sturmflut-, Hochwasser-, Schnee- und Waldbrandkatastrophen bewährt, war mit der Nato-Feuerwehr von Nordnorwegen bis in die Osttürkei unterwegs und konnte dank der "BIV"-Brille auch nachts tief fliegen. Seit Mitte der 1970er Jahre wurden Simulatoren in der Ausbildung genutzt. Ab 1985 suchte man einen Nachfolger für die Alouette II. Erfolge bei Deutschen- und Weltmeisterschaften machten die Heeresflieger im Ostblock bekannt. Über zwei Jahre Einsatz auf den Rettungsstationen Ludwigshafen, Lünen und Wittlich belasteten die UH-1D-Regimenter zusätzlich, steigerten aber auch Bekanntheit und Professionalität. Mit Auflösung des Warschauer Paktes und der Wiedervereinigung Deutschlands hatten auch die Heeresflieger neue Aufgaben vor sich. Zunächst waren von der Nationalen Volksarmee zwei Kampfhubschraubergeschwader zu übernehmen und "abzuwickeln". Übrig blieb eine zusätzliche Verbindungsstaffel in Cottbus, von wo sie inzwischen nach Holzdorf verlegt wurde. An die Stelle der schwindenden Bedrohung innerhalb Europas trat nach und nach der weltweite Einsatz bei militärischen und humanitären Maßnahmen. In Somalia stieß die alternde UH-1D an ihre Leistungsgrenzen, im Irak schwitzten CH53-Besatzungen fünf Jahre lang bei UN-Einsätzen, für den Balkan musste Selbstschutz beschafft werden. Während der Kurdenhilfe in der Osttürkei erlebten die Besatzungen erstmals tausendfaches Flüchtlingselend. Griechenland erbat wiederholt Unterstützung bei Waldbränden, an Elbe und Oder bewährten sich die Transporter im Hochwassereinsatz ebenso wie in Galtür/Tirol im Lawineneinsatz. Seit fünf Jahren unterstützen Heeresflieger die Isaf-Truppen in Afghanistan, leisteten von dort auch Hilfe beim Erdbeben in Pakistan und retteten Amerikaner und Afghanen aus eisigen Höhen. Der vorerst letzte Auslandeinsatz führte in den Kongo mit neuen, unbekannten Bedrohungen. In der Heimatänderte sich inzwischen einmal mehr das Gesicht der Truppe. Die Heeresfliegerkommandos, vier Regimenter und 14 Verbindungsstaffeln wurden aufgelöst, Flugplätze aufgegeben, eine Luftbewegliche Brigade und die Division Luftbewegliche Operationen aufgebaut. Die Folgen waren wieder Versetzungen, Umzüge, Unruhe und Unsicherheit. Mit der Einführung des neuen Schulungshubschraubers EC-135 begann die Runderneuerung des fliegenden Geräts. Die neuen Hubschraubertypen "Tiger" und "NH90" sind heute in Sicht, die CH53-Flotte wird aufwändig an die Anforderungen bis 2030 angepasst. An der Schule ist die gemeinsame Pilotenausbildung für Heer, Luftwaffe und Marine inzwischen Routine, die Schulung ausländischer "Kunden" steht kurz bevor. Im Hans-Drebing-Simulatorzentrum üben Österreicher und Bundespolizei, in Le Luc und Fassberg bilden Heeresflieger im internationalen Verbund aus und werden selbst ausgebildet. Von dieser Entwicklung hätten Oberst Pape und die Niedermendiger Gründerväter wohl nie zu träumen gewagt...

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  • Der leichte Transporthubschrauber UH-1D (Volksmund: "Teppichklopfer") fliegt bei der Oderflut 1997 Sandsäcke zum Sichern der aufgeweichten Deiche herbei.
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  • In der Simulatorhalle lernen nicht nur angehende Heeresfliegerpiloten das Fliegen, sondern auch solche der Luftwaffe, der Marine, der Bundespolizei und - als bislang erste Ausländer - Soldaten aus Österreich.
Als 1962 bei einer großen Sturmflug Hamburg und sein Umland in d
  • Als 1962 bei einer großen Sturmflug Hamburg und sein Umland in den Fluten versinken, erweist sich die Sikorsky H34 der Heeresflieger als Retter aus höchster Not.

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