weather-image
12°
Comedystar Manfred Degen als vergnüglicher Sylt-Erklärer in der "Kulisse"

Zwischen Mäc Gosh und Manufactum - ein Abend auf der Goldstaubinsel

Rinteln. Er kennt und liebt und fürchtet die Sylter, der Kabarettist und Satiriker, schließlich gehört er selber zu den Ureinwohnern dieser Goldstaubinsel, die er als geldgeil, rücksichtlos, eitel und intrigant skizziert - kurz: als Seelen von Mensch.

veröffentlicht am 19.03.2007 um 00:00 Uhr

Kennt seine Pappenheimer zwischen List und Morsum - und weiß dar

Autor:

Ulrich Reineking

Das Beuteschema und zugleich Hassobjekt dieser Strandräuber von einst macht der Sylt-Tourist aus und der war in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen auch beim Auftritt des Herrn Degen in der Rintelner "Kulisse" zahlreich erschienen - vielleicht auch, um für den nächsten Urlaub Näheres über die gebotene Differenzierung zwischen Listern, Westerländern und Kampenern zu erfahren. Solche Erwartungen wurden im rund zweistündigen Parforce-Ritt des Entertainers voll und ganz erfüllt: Wer jetzt noch nicht weiß, wie er dem grobmotorischen Charme des Morsumers oder den Champagner-Allüren der Schickis und Mickis unter den Gästen und den Nobelköchen mit ihrem "getrüffelten Grünkohl an Austernmus" entgehen kann, der hat in dieser vergnüglichen Lehrstunde nicht aufgepasst. Da sind die Oberstudienräte, die beim Versuch, bei typisch-insulärer Großwetterlage gegen den Wind von A nach B zu gelangen, um dann abgekämpft bei C oder D in der Gegenrichtung zu landen - und natürlich auch jene "Mc Gosch"-Kunden, die ihr Rad Jahr für Jahr neu bei Manufactum erwerben, um es dann nur zu Pfingsten über den Deich zu schieben. Es fehlt auch nicht an Veganern, die zum Grillen laden ("Das ist ja wie eine Marienprozession durch Bagdad") und an Menschen auf Sinnsuche durch Feng Shui, Yoga und anderen Unfug. Großartig seine achtersinnigen Betrachtungen über Parallelwelten, in denen die Ereignisse möglicherweise rückwärts verlaufen und die gesperrte Kreditkarte wieder aus dem Bankautomaten herauskommt. Sympathisch fies die Geschichte über den Syltbesucher in seiner hessischen Erscheinungsform und einfach irre seine Schilderung eines Auftritts vor einer Seminar-Gruppe aus lauter Diplom-Ingenieuren, die "soviel Humor mitbrachten, das man jedes Räuspern oder Papierknistern in Beifall uminterpretieren musste." Gelegentlich gefiel sich Degen auch darin, den autobessessenen und frauenfeindlichen Kotzbrocken raushängen zu lassen, ließ dabei aber nie ein ebenso schalkhaftes wie hinterhältiges Grinsen vermissen ob seiner politisch eher unkorrekten Denk- und Verhaltensweisen. Herzlicher Beifall belegte, dass der Typus des von ihm so heftig attackierten Ingenieurs an diesem Abend nur in aufnahmebereiten Einzelexemplaren erschienen war und der Rest sich "wie Bolle" amüsiert hatte. Daran vermochte nicht mal die etwas überlaute a-capella-Konservenmucke etwas zu ändern, die in der Pause zur Werbung für die nächste Veranstaltung abgedudelt wurde. Am Selbstbedienungstresen wurde übrigens diesmal sehr viel Sekt verkauft. Das Thema Sylt verpflichtet halt!



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt