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Serie "Ausland als Chance": Isabel Bogorinsky ist Entwicklungshelferin im Krisengebiet Sri Lanka

Zwischen Aktenordnern und Busanschlägen

Rinteln/Sri Lanka. Sri Lanka ist ein Inselstaat im Indischen Ozean, 30 Kilometer von der Südspitze des Indischen Subkontinents entfernt, mit endlosen weißen Palmenstränden, feucht-tropischem Klima, exotischer Kultur. Das ideale Urlaubsziel. Doch nur auf den ersten Blick.

veröffentlicht am 04.06.2008 um 00:00 Uhr

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Autor:

Caroline Biallas

In Sri Lanka herrscht seit Jahrzehnten Bürgerkrieg zwischen den beiden größten Bevölkerungsgruppen, den Singhalesen und den Tamilen. Die Terrororganisation LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) kämpft auf radikale Weise für einen eigenen Tamilenstaat bzw. Autonomiegebiete im Norden und Osten des Landes. Militärische Angriffe wieauf den Minister oder zivile Busse sind längst zum Alltag geworden. Für die Rintelnerin Isabel Bogorinsky nichts Neues. Seit vergangenem Sommer arbeitet die 30-Jährige in Sri Lanka für AGSEP (Asian German Sports Exchange Programme), eine Organisation, deren Ziel es ist, Kinder aller im Land vertretenen ethnischen Gruppen zusammenzuführen - über den Sport. Bereits im Jahr 2003, noch während ihres Wirtschafts-, Kultur- und Sozialgeografiestudiums, hat Isabel Bogorinsky ein vierwöchiges Praktikum in Sri Lanka absolviert - und sich nach Abschluss des Studiums bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber beworben. Mit Erfolg: Seit Juli 2007 arbeitet sie als festangestellte Assistentin des Geschäftsführers. Im Westen der Insel gibt es seit etwa zwei Jahren das Peace Village Nattandiya, ein riesiges Gelände mit Bungalows, Speisesaal, Küche und Bürobereich, wo Kinder grenzenlose Spiel- und Sportmöglichkeiten haben: Es gibt einen Swimmingpool, Cricket- und Fußballfelder, einen Mountainbike-Parcours sowie einen Garten. Alle zwei Wochen sind dort 80 Kinder zu Gast. "Cricket ist der Nationalsport in Sri Lanka", erklärt Isabel Bogorinsky. "Das Nationalteam besteht aus Singhalesen und Tamilen und kann als absolutes Idealbeispiel für den Erfolg sportlicher Völkerverständigung angesehen werden." Ein weiterer Höhepunkt ist das Schwimmen: Viele Kinder aus dem Norden haben noch nie in einem Pool gebadet, andere können gar nicht schwimmen. Bei der Kreativstation diskutieren die Kinder gemeinsam mit ihrem Lehrer über den Aufenthalt in Peace Village. Zum Kennenlernen und gegenseitigen Vertrauen werden Spiele gespielt, abschließend wird gemeinsam eine Gruppenflagge gebastelt. Besonders ergreifend sind für die Rintelnerin immer die Abschiedsszenen nach so einem Wochenende: Singhalesische Mädchen aus dem Süden geben tamilischen Mädchen aus dem Norden ihre Adressen, um Brieffreundschaften zu schließen. Kurz bevor die Kinder in den Bus steigen, spielen tamilische Jungen noch mit den singhalesischen Fußball. Dann wird traurig "Goodbye" gerufen und aufgeregt aus den abfahrenden Bussen gewunken. Ihre eigentliche Arbeit, erzählt Isabel Bogorinsky, finde jedoch eher "im Hintergrund" statt. Die Vor- und Nachbereitungen der Veranstaltungen, Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit, Teambesprechungen sowie das Einladen von Gästen oder das Bereitstellen von Arbeitsmaterialien für den Schulunterricht gehören zu ihren Hauptaufgaben. Ihren täglichen Schreib- tisch-Job beschreibt die 30-Jährige als "weitestgehend unspektakulär": "Der Schreibtisch steht weder in der Schusslinie von Rebellen noch am Strand unter Palmen." Zu kämpfen hat sie mit - zumindest in den Tropen - ganz alltäglichen Dingen: einem surrenden Ventilator, einer nicht gerade zuverlässigen Internetverbindung, Stromausfällen,Moskitos oder der gewöhnungsbedürftigen Arbeitsmentalität ihrer Kollegen. "Organisation und Planung sind nämlich nicht gerade die Stärken des Landes, und Pünktlichkeit ist eher die Ausnahme als die Regel", sagt die Rintelnerin. "Meine Rekordwartezeit für einen Gesprächstermin lag bei dreieinhalb Stunden!" Obwohl sich die Arbeitsabläufe in einigen Bereichen sehr von den deutschen unterscheiden und durch viele Widrigkeiten erschwert werden, füllt ihr Job sie voll und ganz aus: "Der Sinn unseres Projektes und die kleinen Erfolge lassen mich manche Ärgernisse aushalten." Gerade in Sri Lanka, wenige hundert Kilometer von dem Krisengebiet entfernt, bemerke sie die Notwendigkeit solcher Projekte und ihren eigenen Beitrag dazu jeden Tag aufs Neue...



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