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Diplom-Ingenieur Carsten Schwitalla erläutert Hochwassergutachten / Klagerisiko nicht kalkulierbar

Zwei Zentimeter - das Aus für den Steinanger?

Rinteln (wm). Eine Aufschüttung des Steinangers um 60 Zentimeter, wie bei einer Bebauung geplant, würde im Falle eines extremen Weserhochwassers, wie es - statistisch - alle hundert Jahre zu erwarten ist, rund ein Dutzend Häusern am Nordufer in der Dankerser Straße ein zwei Zentimeter höheres Hochwasser bescheren. Also statt 50 dann 52 Zentimeter. So das Fazit des Hochwassergutachtens des Ingenieurbüros Stadt-Land-Fluss in Hannover.

veröffentlicht am 12.06.2007 um 00:00 Uhr

Die Auswirkungen einer Steinangerbebauung auf den Verlauf eines

Diese zwei Zentimeter bedeuten nach Einschätzung der Investoren, wie von Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz und dem Ersten Stadtrat Jörg Schröder das Aus für eine Steinangerbebauung. Buchholz bei einem Pressetermin im Rathaussaal gestern Abend: "Da hätte eine Null stehen müssen." Denn das Gutachten eröffne jetzt betroffenen Anwohnern in der Nordstadt die Möglichkeit, gegen einen Bebauungsplan Steinanger zu klagen - mit ungewissem Ausgang. Wie ein Verwaltungsgericht entscheiden würde sei völlig offen, so die Überzeugung von Jörg Schröder. Der Steinanger sei rechtlich Überschwemmungsgebiet und nach jüngster obergerichtlicher Rechtssprechung seien für die Bebauung von Überschwemmungsgebieten die Hürden sehr hoch gesetzt. Noch bei der Genehmigung des Flächennutzungsplanes habe die Bezirksregierung gegen die Ausweisung einer Wohnbaufläche auf dem Steinanger keine Einwände angemeldet. Doch die Situation habe sich nach dem großen Hochwasser in den neuen Bundesländern geändert. Und ob das städtebauliche Ziel, mit einem neuen Wohnbaukonzept demdemographischen Wandel entgegen zu wirken, von einem Gericht als ausreichend für Ausnahmegenehmigung anerkannt werde, sei nicht zu kalkulieren. Ein Gericht könnte ebenso argumentieren, Wohnungen lassen sich auch an anderer Stelle bauen - so geschehen bei einem Fall in Bayern. Selbstverständlich, erläuterte Diplom-Ingenieur Carsten Schwittalla, Geschäfsführer des Ingenieurbüros, seien bauliche Maßnahmen möglich, um das Problem zu lösen - die Frage sei nur, ob sich das für Investoren noch ökonomisch rechnet. Würde man nämlich am Nordufer eine Mauer oder einen Deich bauen, hieße das in der Konsequenz, dass Wasser wieder auf die Südseite verdrängt werde, was auch hier Schutzmaßnahmen erforderlich mache - am Ende kam der Gutachter auf einen mindestens einen Kilometer langen Deich, der dafür aufgeschüttet werden müsste. Eine andere Lösung wäre, betroffenen Anwohner anzubieten, ihre Häuser hochwassersicher zu machen. Der Haken hier: Die Anwohner müssen zustimmen, "zwingen kann man sie dazu nicht". Dass von einer Steinangerbebauung die Anwohner an der Graf-Adolf-Straße profitieren würden - mit einem rund 20 Zentimeter niedrigeren Wasserstand - ließe sich da nicht gegenrechnen. Der Gutachter enthielt sich zwar einer konkreten Wertung, machte aber an Zahlen deutlich, dass der Steinanger bei einem extremen Weserhochwasser als Rückstauraum insgesamt gesehen, kaum ins Gewicht fällt: Bei einem Wasserdurchlauf von rund 2000 Kubikmetern in der Sekunde wäre der Steinanger in 13 Sekunden vollgelaufen. Rinteln hätte da übrigens ganz andere Probleme als den Steinanger: Das Hochwasser stände am Ostertor bis zum Kapellenwall und rundum an den Wällen. Ein großer Bereich auch nördlich der Konrad-Adenauer-Straße wäre überschwemmt. Bei Hochwassern, wie man sie in Rinteln kennt, 1981 und 1995 (was einem 10- bis 15-jährigen Hochwasser entspricht), hätte eine Steinangerbebauung praktisch keine Auswirkung auf den Wasserstand in der Dankerser Straße. Buchholz betonte zum Schluss, jetzt müsse die Politik entscheiden, was am Steinanger geschehen soll. Er könne sich vorstellen, dass die Sportanlagen dort modernisiert werden - mit einem Kunstrasenplatz. Doch auch hier sei dann wieder eine wasserrechtliche Genehmigung erforderlich.



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