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Vor Gericht: Rache statt Notwehr

Zwei Schläger zu Geldstrafen verurteilt

Stadthagen (menz). Mit einem Wutausbruch hat ein junger Angeklagter auf seine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung reagiert. Statt des erwarteten Freispruchs hatte die Strafrichterin am Amtsgericht Stadthagen den 25-Jährigen mit 120 Tagesätzen Geldstrafe belegt. Die Begründung wollte der junge Mann gar nicht erst hören. Er pöbelte lautstark und machte den Eindruck, als wollte er gleich über alle Tische und Bänke springen. Schließlich packte er seinen Rucksack und knallte die Tür, dass man sich über Risse in der Wand nicht gewundert hätte.

veröffentlicht am 07.05.2007 um 00:00 Uhr

Seine aufbrausende Natur hatte sich schon während Verhandlung angedeutet, jedem fiel er ins Wort, keine Äußerung blieb unkommentiert. Die Anklagebank teilte er sich mit einem Freund. Gemeinsam wurden die Männer beschuldigt, einen anderen geschlagen und geschubst zu haben; obendrein sollen sie auf ihn eingetreten haben, als das Opfer längst am Boden lag. Prustend und schnaubend gaben sich die beiden während der Verlesung der Anklage alle Mühe zu zeigen, für wie lächerlich sie die Anschuldigungen hielten. Als "eine Vorwarnung" mussten sie sich von der Richterin Gönna Freifrau von Blomberg belehren lassen, bei Gericht sei man im Hinblick auf Körperverletzungen "extrem humorlos". Er sei ",kein Gewalttäter", wies der Stadthäger die Vorwürfe zurück. Der Mitangeklagte ließ wissen, auch er würde "so etwas nie machen". Beide schilderten übereinstimmend die Keilerei an der Breslauer Straße in Stadthagen als reine Notwehrmaßnahme. "Ich habe zurückgeschlagen", bekräftigte der Mitangeklagte. Beide waren nüchtern, im Gegensatz zu dem sturztrunkenen Opfer, das einen Kratzer am Arm erlitt. Ein unbeteiligter Zeuge hatte im April vergangenen Jahres die Polizei gerufen und seine Aussage bereitete den Boden für die Verurteilung. Staatsanwalt Günter Wilkening ging zu Gunsten der Angeklagten immerhin von einem minderschweren Fall der Körperverletzung aus. Möglicherweise habe das spätere Opfer die beiden vorweg beleidigt, glaubte er. Das Opfer sei "in seinem Zustand sicherlich auch nicht so zimperlich gewesen". Dass sich einer der Angeklagten bei der Geschichte eine blutige Nase geholt hat und damit wahrscheinlich mehr Beschwerden hatte als das Opfer, ist ein Kuriosum am Rande. Vor einem Schuldspruch hat es ihn nicht bewahrt, 100 Tagessätze Geldstrafe legte die Richterin dem Handwerksgehilfen auf. Sein Freund muss 20 Tagessätze mehr bezahlen, er hat schon ein halbes Duzend Vorstrafen im Register. Die Richterin sah keine Notwehrlage für die beiden Angeklagten. Sie hätten deutlich erkannt, dass das Opfer mit 1,9 Promille "schwer betrunken" war und seien ihm "deutlich überlegen" gewesen. Um die Situation zu beenden, habe es keiner Gewalt bedurft, resümierte die Richterin und unterstrich, es gebe "kein Racherecht". "Schlechter Witz", tönte der Stadthäger krawallig, bevor er nach seinem tumultösen Auftritt die Tür knallte. Einen Einspruch hatte er schon nach dem Plädoyer des Staatsanwalts angekündigt.



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