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Vor Gericht: 62-jähriger Alkoholiker aus der Bergstadt verurteilt / Zur Tatzeit 4,1 Promille im Blut

Zwei Jahre und sechs Monate für Kinderschänder

Obernkirchen/Bückeburg (ly). Denn er wusste, was er tat: Obwohl ein Kinderschänder (62) aus Obernkirchen zur Tatzeit 4,1 Promille Alkohol im Blut hatte, war der Mann zurechnungsfähig. Die 1. Große Jugendkammer am Bückeburger Landgericht geht lediglich von verminderter Schuldfähigkeit aus. Nach dem gestern verkündeten Urteil muss der Angeklagte zwei Jahre und sechs Monate in Haft. Der Schuldspruch lautet auf schweren sexuellen Missbrauch von Kindern in Tateinheit mit Vergewaltigung undfahrlässiger Körperverletzung. Das Opfer: ein elf Jahre altes Mädchen.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 15:42 Uhr

Im Oktober 2006 hatte der betrunkene Rentner die Schülerin und deren Bruder (13) mit Süßigkeiten in seine Wohnung gelockt. In diesem Moment "hat sich die Horror-Vorstellung aller Eltern verwirklicht", so die Vorsitzende Richterin Dr. Birgit Brüninghaus: "Ein Kind wird vom Spielplatz in die Wohnung eines Mannes gezerrt." Zwischen Müll, Unmengen leerer Schnapsflaschen und einem schlafenden Zechkumpan geriet die Elfjährige in eine ausweglose Situation, welche der Erwachsene ausnutzte. "Es ist damit zu rechnen, dass das Mädchen viele Jahre unter der Tat leiden wird", befürchtet Dr. Brüninghaus, die den Mann einen "ungepflegten Alkoholiker" nannte. "Ihre ersten sexuellen Erfahrungen waren gewalttätiger Art. Das sind keine guten Voraussetzungen, um eigene Erfahrungen zu machen oder einen Spielplatz zu betreten." Nach Überzeugung des Gerichts ist die Schülerin glaubwürdig. Sie sei auch nicht imstande, sich eine solche Geschichte auszudenken. Trotz eines Alkoholpegels, der für viele Normalsterbliche tödlich wäre, sieht die Kammer "durchgreifende Anhaltspunkte, dass der Angeklagte wusste, was er tat". Der Rentner sei "sicher nicht schuldunfähig", hieß es. So hatte der 62-Jährige vor Gericht selbst ausgesagt, noch alles in Erinnerung zu haben, bevor er es sich anders überlegte, offenbar aus taktischen Gründen. Die Kinder hatte er auf den Balkon gesperrt, die Wohnungstür erst geöffnet, als die davor stehende Mutter mit der Polizei drohte. Hinzu kommt: An Alkohol ist der Rentner gewöhnt. Er prahlt sogar damit, wieviel er vertragen kann, und will einmal mit 4,8 Promille im Krankenhaus gelandet sein. "Alles in seinem Leben dreht sich um Alkohol", stellte die Richterin in Anlehnung an entsprechende Ausführungen eines Psychiaters fest. Ein Geständnis blieb der Angeklagte bis zum Schluss schuldig, so dass sein Opfer vor Gericht aussagen musste. "Beide Kinder haben jetzt Angst vor ihm", erklärte Dr. Brüninghaus. "Ihr Vertrauen ist zerstört." Auf den Schuldspruch zeigte der 62-Jährige zumindest äußerlich keine Regung. Gegen das Urteil ist noch Revision möglich.

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