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Vor Gericht: Brandstiftung in Grundschule geahndet / Wasserschaden in der OS wird "nachermittelt"

Zwei Jahre Haft für 16-jährigen Intensivtäter

Stadthagen (menz). Eine Spur der Verwüstung haben junge Leute in einer Oktobernacht im vergangenen Jahr durch Stadthagen gezogen. Wegen dieser Vorfälle ist ein 16-jähriger Stadthäger jetzt zu zwei Jahren Einheitsjugendstrafe verurteilt worden.

veröffentlicht am 03.04.2007 um 00:00 Uhr

Die Zerstörungswut wurde unter anderem im Gebäude der ehemaligen Orientierungsstufe ausgetobt. Die Eindringlinge hinterließen geöffnete Hähne, durch die tagelang unbemerkt Wasser ausströmte. Es entstand ein Wasserschaden solchen Ausmaßes, dass fraglich war, ob das Schulhaus zu retten sei. Am anderen Ende der Innenstadt war die Grundschule Am Stadtturm Ziel der jugendlichen Randalierer. In diversen Zusammensetzungen wurde dort eingebrochen, es wurden Geräte gestohlen und am Ende in einem Klassenraum auch noch gezündelt. Schlimmeres konnte nur verhindert werden, weil vier Jugendliche Alarm schlugen, als es aus dem Gebäude qualmte. Ein junger Erwachsener, der in beiden Fällen dringend verdächtig war, stand ohnehin vor der Ausweisung und wurde zeitnah abgeschoben. Ein 16-Jähriger aus Stadthagen kam wenige Tage nach den Vorfällen in Untersuchungshaft. In nichtöffentlicher Sitzung wurde er jetzt durch das Jugendschöffengericht in Stadthagen zu zwei Jahren Einheitsjugendstrafe verurteilt. Einbezogen wurde eine Verurteilung zu einem Jahr und vier Monaten, die gerade eine Woche vor dem Prozess rechtskräftig geworden war. Der Jugendliche wurde wegen vier Straftaten verurteilt - mit dabei die Beteiligung an der Brandstiftung in der Grundschule. Nicht berücksichtigt wurden die Ereignisse um den Wasserschaden in der ehemaligen Orientierungsstufe. Dazu müsse "nachermittelt" werden, erläuterte die Vorsitzende Richterin, Amtsgerichtsdirektorin Gudrun van Lessen, im Gespräch. Der Jugendliche habe diesen Anklagepunkt bestritten und eine frühere Erklärung des jungen Mannes ("Das mit der OS war ich auch") reiche für eine Verurteilung nicht aus. Alle anderen Vorwürfe, Diebstahl, versuchter Einbruch, Körperverletzung und die Brandstiftung, hat der 16-Jährige eingeräumt. Er ist der Jüngste einer bekannten "Problemfamilie". Zwei ältere Brüder beschreibt die Richterin als "sehr problematisch". Der Älteste sitzt seit einiger Zeit im Hamelner Gefängnis,der mittlere Sohn lebt in einer Jugendhilfeeinrichtung außerhalb des Landkreises. Dort sollte sich auch der 16-Jährige aufhalten, jedenfalls nach dem Bewährungsbeschluss nach der ersten "dicken Verurteilung" im Dezember 2005. 15 Jahre alt war der Stadthäger damals. Amtsbekannt, notorischer Schulverweigerer, für Hilfestellung zur Lebensgestaltung nicht zu erreichen. "Unbeeinflussbar", resümierte van Lessen. Nach einem Intermezzo in der Einrichtung machte er ab Mai vergangenen Jahres Stadthagen wieder unsicher. Im August wurde er zu einem Jahr und vier Monaten Jugendstrafe verurteilt. Die Sozialprognose war schon damals schlecht, aber, weil er "so extrem jung ist", wollte das Gericht die Entscheidungüber Bewährung noch einige Zeit offen lassen. Der Jugendliche habe "Tod und Teufel versprochen", erinnerte sich van Lessen. Einen Monat später war er wieder straffällig, zwei Monate später gingen die Brandstiftung in der Grundschule und ein versuchter Einbruchdiebstahl auf sein Konto. Die Frage nach Bewährung stellte sich deshalb in der jüngsten Verhandlung gar nicht mehr. Der Verteidiger stellte die Strafe ins Ermessen des Gerichts. Die Richter folgten dem Antrag von Staatsanwalt Frank Hirt. Vielleicht könne in der Haft erreicht werden, dass der Junge "das Lernen lernt", wagte die Amtsgerichtsdirektorin eine vorsichtige Zukunftsprognose. In der Untersuchungshaft habe der 16-Jährige an einem Schulvorbereitungskurs teilgenommen.

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