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Panne bei Jugendreise-Unternehmen / Eltern: Fürsorgepflicht verletzt

Zwei Achtjährige in Bielefeld an Hauptverkehrsstraße "ausgesetzt"

Rinteln/Extertal (wm). Zwei Elternpaare, darunter ein Elternpaar aus dem Extertal, erheben schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen "RUF Jugendreisen" aus Bielefeld. Ihre Kinder, gerade acht Jahre alt, seien auf der Rückreise von einem Freizeitcamp in der Lüneburger Heide an einer Hauptverkehrsstraße in Bielefeld ausgesetzt und einfach stehen gelassen worden, ohne dass man die Eltern informiert hätte.

veröffentlicht am 07.07.2006 um 00:00 Uhr

Ein Vater: "Mein Sohn Maximilian hatte nichts zu essen oder zu trinken dabei, und das bei dieser Hitze." Er habe seine Handynummer und die Festnetznummer zweimal aufgeschrieben: "Ist es denn so schwer, im Bus einmal durchzugehen und sich zu vergewissern, ob auch wirklich alle Kinder ihre Eltern angerufen haben?" Eine Mutter schilderte, ihr sei zugesagt worden, bei einem Busstopp werde sieüber die genaue Ankunftszeit informiert. Nichts dergleichen sei geschehen. Erst als sie das Bielefelder Unternehmen direkt angerufen habe, sei ihr mitgeteilt worden, dass die Kinder gegen Mittag losgefahren seien, und zwischen 14 und 16 Uhr bekäme sie eine Information über die Ankunftszeit. Als sie gegen 18 Uhr immer noch keine Nachricht erhalten habe, sei sie "auf gut Glück" nach Bielefeld gefahren. Dort war inzwischen eine andere Mutter bereits eingetroffen und hatte die Kinder an einer Hauptverkehrsstraße entdeckt. Beide Elternpaare halten das Verhalten des Reiseveranstalters für eine Verletzung der Fürsorge- und Aufsichtspflicht: "Die Kinder waren mit der Situation völlig überfordert. Das ist sogar Passanten aufgefallen, die schon die Polizei verständigen wollten!" RUF-Geschäftsführer Thomas Gehlen bestätigte gestern auf Anfrage am Telefon, hier sei dem Reiseleiterteam - es war deren erste Tour - ein Fehler unterlaufen, "wir sind auch bereits im Gespräch mit den betroffenen Eltern". Normalerweise warte der Bus, bis alle Kinder von ihren Eltern oder berechtigten Personen abgeholt worden seien. Eine Panne, die sich bei den nächsten Terminen in diesem Jahr mit Sicherheit nicht wiederholen werde. Mit dem Unternehmen, so Thomas Gehlen, reisten pro Jahr rund 49 000 Jugendliche bei einem Wiederholeranteil von fast 50 Prozent und einer Regressquote von unter 0,6 Prozent, was deutlich mache, dass es sich hier einen bedauerlichen Ausnahmefall gehandelt habe, der nicht hätte vorkommen dürfen.

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