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19 Wagen beim Erntefestumzug / 640 zahlende Gäste bei der Disco - das gibt eine schwarze Null

"Zwang zur Veränderung ist auch eine Chance"

Vehlen. So schließt sich ein Kreis, so wird das Staffelholz der Verantwortung von einer Generation auf die nächste übergeben: Schon einmal, nämlich 1997, kam das Erntebauernpaar vom Hof Meier. Damals waren es Eleonore und Friedrich Meier, gestern waren es Sohn Holger und seine Iris Ostendorf, die auf dem Hof von Schaumburgs ältesten Zweiständerfachwerkhaus die Gäste zum diesjährigen Ernteumzug begrüßen durften.

veröffentlicht am 28.08.2006 um 00:00 Uhr

Auf dem Hof Meier beginnt der Höhepunkt des Festes: Erst wird ge

Autor:

Frank Westermann

Auch wenn das tägliche Auskommen längst nicht mehr durch die Landwirtschaft gesichert werde, sagte Holger Meier in seiner Ansprache, so müsse man den "Zwang zur Veränderung" auch als Chance betrachten. Wo früher der Kuhstall gewesen war, da ist heute eine Brauerei, wo früher Milch getrunken werde, da schmecke heute das Bier: "Das hat alles auch seine Vorteile", scherzte ein sichtlich gut gelaunter Erntebauer, der einen nostalgischen Blick über den Hof und die Mühle streifen ließ, ehe er dann scherzhaft die "neuen Möglichkeiten" betonte: "Wir haben hier in den letzten zehn Jahren mehr gefeiert als in 400 Jahren Hofgeschichte insgesamt zuvor." Auch der Blick gen Himmel hob die Laune: Nicht zu heiß, nicht zu kalt - und vor allem trocken. Den Sonnabend hatte die veranstaltende Dorfjugend mit bangen Blicken auf den sich stundenlang öffnenden Regenhimmel verbracht: Bloß nicht so ein Wetter beim Ernteumzug. Die Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht, gestern rissen beim Umzug sogar die Wolken auf und die Sonne lächelte über den Umzug, an dem dieses Mal 19 Wagen teilnahmen. Kein Rekord, aber ein mehr als beachtliches Ergebnis. Man kommt eben gern nach Vehlen, am nächsten Wochenende wird es in Gelldorf fraglos nicht anders sein. Einen Unterschied zum Nachbardorf gibt es allerdings: Dort wird freitags keine Disko mehr angeboten, auch, weil die (zugezogenen) Nachbarn die historischen Feiern als Ruhestörung werten und entsprechende Maßnahmen einleiten würden. In Vehlen gab es am Freitag nur strahlende Gesichter: Unglaubliche 640 zahlende Gäste sorgten am Diskoabend dafür, dass in diesem Jahr mit einer schwarzen Null gerechnet werden kann. Am Sonnabend sorgten dann geschätzte 400 Gäste dafür, dass das Festzelt recht gut gefüllt war. Nicht ohne Grund hatte Ortsbürgermeister Werner Harder in seiner Ansprache nicht nur auf die Solidarität im Dorf und die harte Arbeit, die die Dorfjugend in das Erntefest investiere, hingewiesen, sondern auch auf das finanzielle Risiko, dass die Veranstalter eingehen würden. Harder formulierte es so: "Danke, dass ihr euch diesem Risiko gestellt habt." Einen Wunsch äußerte er mit Blick auf die kleinsten Tänzer auch: Noch einmal so jung und gelenkig sein - und so schlau wie heute. Im nächsten Jahr wird die Dorfjugend übrigens für mindestens ein Jahr die ältere Generation in die Pflicht nehmen. Wie es hieß, sollWilhelm Scheffler dann Erntebauer werden.

Nachwuchssorgen gibt es in Vehlen nicht.
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