weather-image
Experte für Außenpolitik spricht über strategische Herausforderungen in Fragen der Energiesicherheit

Zurück zur Kohle? Zurück zum Atomstrom?

Bückeburg (thm). Den Ausstieg aus Atomenergie und Kohleförderung hält er für falsch, arrogantes Auftreten westlicher Industriestaaten gegenüber den Ländern des Mittleren Osten für einen grundlegenden Fehler, und Versorgungssicherheit mit Rohstoffen zum Gewinnen von Energie lässt sich für ihn auf nationaler Ebene nicht mehr lösen. Das sind die Kernthesen, die Dr. Frank Umbach gestern in seinem mit Details gespickten Vortrag beim "Bückeburger Mittagsgespräch" aufgestellt hat.

veröffentlicht am 17.10.2007 um 00:00 Uhr

Dr. Frank Umbach skizziert in einem Vortrag bei der Konrad-Adena

"Globale Energiesicherheit: Strategische Herausforderungen für die europäische und deutsche Außenpolitik" lautete das Thema des Politikwissenschaftlers, der für die "Deutsche Gesellschaft für auswärtige Politik" in Berlin tätig ist - die älteste außenpolitische Forschungseinrichtung der Bundesrepublik. Erst vor wenigen Jahren hätten deutsche wie europäische Politiker - glücklicherweise - die Tragweite der mit seinem Vortragsthema zusammenhängenden Fragen erkannt. Umbach nannte Fakten, welche künftige Diskussionen bestimmen werden: ? Rohölpreis innerhalb weniger Jahre verdreifacht; ? rasant steigender Energiebedarf in Asien - und nicht nur in China und Indien; ? rasantes "Aufholen" beim Energiebedarf auch bei den Entwicklungsländern; ? Konzentration der verbleibenden Rohstoffressourcen vor allem in den Ländern des Mittleren Ostens, einer politisch instabilen Region; ? wegen des sich abzeichnenden Versiegens in Europa lagernder Energieressourcen wachsende Abhängigkeit der europäischen Staaten von den Erdölproduzenten im Mittleren Osten oder vom Erdgaslieferanten Russland; ? weltweit zu beobachtende, sich verstärkende Tendenz zur Rohstoffgewinnung unter staatlicher Kontrolle; ? zunehmende Bedrohung der Seewege, auf denen die für uns überlebenswichtigen Rohstoffe zu uns kommen, durch Terroristen. Und welche Schlussfolgerungen lassen sich aus diesen Rahmenbedingungen ziehen? Da hatte der Fachmann im Grunde zwei Ratschläge parat: "Dieökonomische Entwicklung bei uns hängt zunehmend ab von stabilen politischen Verhältnissen in den Erzeugerländern", postulierte Umbach. Vorausschauende Energiepolitik trachte danach, die Produzentenstaaten politisch zu stabilisieren. Diesbezüglich riet er sogar dazu, politische Entwicklungen außerhalb der westlich geprägten Industrienationen anzuerkennen, "auch wenn uns die politischen Realitäten nicht gefallen" - etwa in der islamischen Welt. Also Schluss mit politischer Überheblichkeit. "Wir müssen viel stärker als bisher diversifizieren", riet er, sowohl bei den Energierohstoffen als auch bei deren Produzentenländern in zunehmendem Maße auf "mehrere Pferde" zu setzen. Deutschland drohe gerade beim Erdgasbezug, in eine übermäßige Abhängigkeit vom Lieferanten Russland zu geraten. Der Ausstieg aus Atomenergie und Steinkohle sei, der aus der Braunkohle wäre vor dem skizzierten Hintergrund "ein großer Fehler".



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt