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Diskussion um demografischen Wandel mit Petra Klug

Zurück zu Hauskläranlagen und mobilen Arztpraxen?

Rinteln (wm). Die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Kommunen war das Thema von Petra Klug von der Bertelsmann-Stiftung am Mittwochabend im Sitzungssaal des Rathauses. Eine Veranstaltung, zu der der Heimatbund eingeladen hatte. Die Reihen waren voll besetzt - der Altersdurchschnitt der Zuhörer dürfte bei über 50 gelegen haben.

veröffentlicht am 26.09.2008 um 00:00 Uhr

Zunächst rekapitulierte Petra Klug bekannte Daten und Thesen: Wir werden älter und weniger, auf einen neuen Babyboom zu hoffen, sei illusorisch, auch verstärkte Einwanderung nicht die Lösung, weil sich hier sofort die Frage nach der Integration stelle. Spannender wurde es in der von Dr. Klaus-Henning Lemme geleiteten Diskussion. Petra Klug machte deutlich, dass sich zwischen den Kommunen ein Wettbewerb um Einwohner entwickeln werde, den keine Kommune allein gewinnen könne. Sie plädierte - "so schwer das Entscheidungsträgern auch fällt", für eine verstärkte interkommunale Zusammenarbeit, dafür, "das Konkurrenzdenken aufzugeben". Alleine würde keine Kommune für sich langfristig die Probleme lösen können. Wer wissen wolle, was demografischer Wandel bedeute, sollte in den Osten fahren, da sei das in manchen Gebieten schon sehr konkret: "Da können sie zufrieden sein, wenn zu ihrem Haus Strom gelegt wird. Ein Kanalnetz gibt es nicht mehr, da baut jeder wieder sein Dreikammerklärsystem." Es gebe Gebiete, da würden mobile Arztpraxen organisiert, weil sich in den Kommunen kein Arzt mehr niederlassen wolle. Petra Klug riet den Kommunen zu einer Doppelstrategie, einem "ausbalancierten Politik-Mix": Familien mit Kindern zu fördern und damit in der Stadt zu halten, Wirtschaftsförderung zu betreiben, um Arbeitsplätze anbieten zu können - gleichzeitig aber, statt die Dörfer weiter zu entwickeln, mehr in die Innenstadt zu investieren. Neue Baugebiete an der Peripherie benötigten eine Infrastruktur, die langfristig nicht mehr zu bezahlen sei. Senioren würden in die Städte zurückziehen, "wo sie alles, was sie brauchen, vor der Haustür finden". Entscheidender Faktor, ob Familien aus einer Stadt abwandern oder neu hinzukommen, seien die Arbeitsplätze, betonte Petra Klug. Es gebe zwar Bestrebungen in den Städten, dieses Ziel durch neue, attraktive Baugebiete mit mehr Wohnqualität zu erreichen. Sie sei da aber skeptisch, ob das funktioniere, weil eben jede Kommune das versuche, damit ein ruinöser Wettbewerb in Gang komme. Ursula Helmhold, grüne Ratsfrau und Landtagsabgeordnete, machte in der Diskussion an einem aktuellen Beispiel deutlich, wie schwierig der Wandel selbst in kleinsten Schritten sei: "Wir können in Rinteln ja nicht einmal um Mitternacht die Straßenlampen ausmachen, um Strom zu sparen, ohne dass nicht ein sofort der Bürgerprotest losbricht." Zuruf aus dem Zuhörerkreis: Dann solle die Stadt erst einmal das Parkleitsystem abstellen.

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