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Vor 110 Jahren wurde das "Neue Palais" eingeweiht / Prachtbau kann mit einer technischen Sensation aufwarten

"Zur Beleuchtung ausschließlich elektrisches Licht ..."

Bückeburg. Seit nunmehr 110 Jahren prägt das "Neue Palais" mit seinen beiden 56 und 41 Meter hohen Türmen die Silhouette der Stadt. Der Bau sei ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung Bückeburgs zu einer repräsentativen Residenzmetropole, war bei der Einweihung am 21. November 1896 zu hören. In der Tat erlebte die Stadt damals einen wahren Boom an herrschaftlichen Privat- und Regierungsherbergen.

veröffentlicht am 05.01.2007 um 00:00 Uhr

Das Herminen-Palais auf einer historischen Postkarte. Repro: gp

Autor:

Wilhelm Gerntrup

Der neue Prachtbau am Harrl-Nordhang war als Alterssitz für Hermine, Witwe des drei Jahre zuvor verblichenen schaumburg-lippischen Fürsten Adolf Georg, geplant. Als Standort hatte man den "Fliegenkamp" ausgesucht - ein bis dato weitgehend ödes und kahles Ackergelände zwischen Neuethorstraße (heute Georgstraße), Herminenstraße und Harrlweg (heute Birkenallee). Durch Zukauf weiterer Parzellen kamen insgesamt an die sechs Hektar zusammen. Den oberen Teil der Fläche nahmen die Tonkuhlen der früheren Ziegelei Eggerding ein. Mit der Planung wurde Hermann Schaedtler beauftragt. Der Architekt aus Hannover hatte sich durch den Bau repräsentativer Ritterguts- und sonstiger Adelshäuser einen Namen gemacht. Die Grundsteinlegung ging im September 1893 über die Bühne. Ein Jahr später wurde Richtfest gefeiert. Kurz nach Fertigstellung des schlossartigen Haupttrakts konnten auch die Nebengebäude, darunter eine Gärtnerei und eineOrangerie, in Betrieb genommen werden. Große Mühe gab man sich auch mit der Anlage des im "englischen" Stil gestalteten Parks. Alles in allem wurden mehr als 30 000 Kubikmeter Erde bewegt. Der Pflanzenbestand birgt heute noch eine Reihe botanischer Kostbarkeiten. Die Architektur des 55 Meter langen und gut 32 Meter breiten und hohen Palaisgebäudes sei "streng im Charakter der deutschen Renaissance der Mitte des 16. Jahrhunderts, wie solche sich in Niedersachsen ausgebildet hat, durchgeführt", erläuterte Architekt Schaedtler in einer Einweihungsfestschrift. Im Gegensatz dazu sei modernste Haustechnik angewandt worden: "Zur Beleuchtung wird ausschließlich elektrisches Licht verwendet, zu welchem die fürstliche Central-Maschinenstation in Bückeburg den Strom liefert, während das Gas nur in beschränkter Weise zu Koch- und Heizungszwecken benutzt wird." Hermine bewohnte das Palais bis zu ihrem Tode im Jahre 1910. Danach diente das Haus ihrer Schwiegertochter Marie Anna als Witwensitz. Nach Entmachtung der Fürstendynastie im Gefolge des Ersten Weltkrieges diente das Anwesen nur noch "bürgerlich-nutzbringenden" Zwecken. In den 1920er Jahren wäre um ein Haar das heute im Stadthäger Schloss sitzende Finanzamt eingezogen. Ab 1939 wurde der Bau als Reservelazarett genutzt und 1945 von den Engländern beschlagnahmt. Während der Besatzungszeit wurden große Teile des Dachstuhls und des Obergeschosses durch ein Großfeuer zerstört. Nach einer Art "Notreparatur" zogen verschiedene Mietparteien ein. Kurze Zeit diente das Anwesen auch als Privatinternat. 1962 verkaufte die Fürstenfamilie den Bau an die Blindow-Familie, die darin bis heute eine Privatschule betreibt.

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