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Wo man den Pilz findet, wer im Wald lebt, und warum 25 Baumarten auf dem Dachtelfeld nötig sind

„Zunderschwamm fand man auch bei Ötzi“

Langenfeld (ubo). Neugierig beugen sich die 13 Kinder über den hohlen Baumstumpf. Ganz vorsichtig hebt Revierassistent Gerd Hoffmann das Moos vom Rand und zeigt auf das verdeckte Leben darunter. Kleine Asseln krabbeln umher. Geduldig und mit einfachen Worten erklärt Hoffmann den Kindern, welche Tiere am und im Stumpf leben. Mit einem Seil, das Gerd Hoffmann aus seinem Rucksack holt, führt er die Kinder quer durch den Wald.

veröffentlicht am 19.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 20.04.2010 um 12:49 Uhr

Eindrucksvoll erklärt Revierassistent Gerd Hoffmann (li.) den Ki

Langenfeld (ubo). Neugierig beugen sich die 13 Kinder über den hohlen Baumstumpf. Ganz vorsichtig hebt Revierassistent Gerd Hoffmann das Moos vom Rand und zeigt auf das verdeckte Leben darunter. Kleine Asseln krabbeln umher. Geduldig und mit einfachen Worten erklärt Hoffmann den Kindern, welche Tiere am und im Stumpf leben. Mit einem Seil, das Gerd Hoffmann aus seinem Rucksack holt, führt er die Kinder quer durch den Wald. An einem alten Buchenstamm zeigt der Forstassistent den Kindern den Zunderschwamm. „Wir lassen den Baum absichtlich liegen. Nun hat sich der Zunderschwamm an dem Stamm angesiedelt. Das ist ein Pilz, der eine Weißfäule verursacht“, erklärt Gerd Hoffmann den Kindern und auch die Erwachsenen hören sehr interessiert zu. „Früher wurde der Zunderschwamm, auch Feuerschwamm genannt, zum Feuermachen getrocknet und auch zum Feuertransport benutzt. Diesen Zunder fand man auch bei dem Gletschermann Ötzi.“ Hoffmann schneidet den Pilz weiter auf. Auf die Frage, wer einen haben möchte, erntet er ein lautes, vielstimmiges: „Ich.“

Mit der lehrreichen Waldführung endet die diesjährige Pflanzaktion „Vielfalt schaffen – Vielfalt ernten“ der Niedersächsischen Landesforsten in Langenfeld, an der sich 25 Forstämter beteiligten. Jedes Forstamt wählte eine andere Baumart, die auf dem Dachtelfeld auf einer von Kyrill gebeutelten Fläche eingepflanzt wurden.

„Unter den 25 Baumarten befinden sich nicht nur die klassischen wie Eiche und Buche; genauso gepflanzt werden seltene Baumarten wie Elsbeere oder die Walnuss. Auch Arten, die für den Klimawandel gut gerüstet scheinen, wie Roteichen und Douglasien gehören dazu“, erklärt Pressesprecher Joachim Hansmann. „Wir haben uns für die Wildbirne entschieden, da die Baumart auf diesem Jurakalkboden auch natürlich vorkommt“, erklärt der Hessisch Oldendorfer Forstamtsleiter Christian Weigel vor der Aktion. Die Wildbirne war „Baum des Jahres 1998“ und ist sehr lichtbedürftig. Sie wächst als Strauch rund zwei bis vier Meter und auch als Baum acht bis 20 Meter hoch. Aus der Wildbirne wurden die heutigen Birnensorten gezüchtet. Ihr Holz ist hart und haltbar.

Auch wenn der Spaten noch zu groß ist, hilft Torge (5) seinem Va
  • Auch wenn der Spaten noch zu groß ist, hilft Torge (5) seinem Vater Erich Jähn eifrig beim Pflanzen.

Bewaffnet mit Spaten, machen sich die 13 Kinder der Nabu-Kindergruppe Hessisch Oldendorf mit ihrer Leiterin Maren Clavey und zahlreichen Erwachsene, darunter Bundestagsabgeordnete Gabriele Lösekrug-Möller sowie Bürgermeister Harald Krüger mit Ehefrau Elfi ans Werk, die 200 Wildbirnen einzupflanzen. „Die Kinder sind bereits zum zweiten Mal dabei, und es macht ihnen immer sehr viel Spaß. Dabei lernen sie, und auch wir, nützliche Dinge über die Natur“, freut sich Maren Clavey. „Diese Aktion ist gut für die Natur und den Kindern macht es an der frischen Luft Spaß“, so Nicole und Jens Herold, die mit ihren Kindern Alexander (7) und Sebastian (4) an der Aktion teilnehmen. Nach der Pflanzaktion hat Forstamtsleiter Christian Weigel etwas Besonderes vorbereitet. Er zieht eine kleine Elsbeere heraus, deren Rinde bis auf einen halben Meter abgefressen ist. „Das ist Mäusefraß. Im Winter unter dem Schnee ging es den Mäusen gut und sie haben sich von der Rinde ernährt. Diese Bäume werden nicht überleben“, erklärt der Leiter. „Die Elsbeere und Kirsche haben wir auf dieser Fläche gepflanzt, nun haben die Mäuse unsere Arbeit zerstört.“

Dennoch kann Christian Weigel eine positive Bilanz ziehen. „Auf den insgesamt 92 Hektar großen Samenplantagen sind im vergangenen Jahr 2800 Kilo Wildkirschen, 11570 Kilo Douglasienzapfen, 3741 Kilo Bucheckern und 2340 Kilo Lärchenzapfen geerntet worden. Daraus kann man rund sieben Millionen Bäume ziehen. In diesen Tagen wird die Beerntung der Lärchen abgeschlossen sein“, führt er aus. Gepflückt werden die Zapfen von langen Leitern aus, teilweise werden die Bäume auch mit Steigeisen erklettert. Dies machen speziell ausgebildete Zapfenpflücker. Das Saatgut unterliegt strengen Qualitätsregeln. In der nächsten Woche wird Christian Weigel ein Zertifikat ausstellen, aus dem hervorgeht, woher die Lärchenzapfen stammen. Die von den Niedersächsischen Landesforsten eingerichtete Forstsaatgut- Beratungsstelle im

Forstamt Oerrel ist für die Koordination der Saatguternte und die Verteilung derselben an viele Baumschulen in ganz Norddeutschland zuständig. „Wir freuen uns über jedes Kilo Saatgut“, sagt Andreas Preuß, Förster in Oerrel. „Insbesondere Lärchen und Douglasien scheinen für den Klimawandel gut gerüstet zu sein.“

Die Ausgangsbestände der beernteten Lärchen liegen in den Sudeten, dem Wienerwald, dem nordwestdeutschen Tiefland und dem west- und süddeutschen Bergland. Samenplantagen werden angelegt, um hochwertige Forstpflanzen zu erzeugen, die robust, standort- und klimaangepasst sind und später wertvolles Stammholz liefern. Es werden aber auch Bäume in normalen Waldbeständen beerntet, diese werden allerdings vorher einer strengen Qualitätsprüfung unterzogen.

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