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Wahrscheinlich ist Fritz Gebhadt-Rathenow mit dem Militär ins Weserbergland gekommen

Zum Malen von Hameln bis Minden gewandert

Mitunter müssen Jahrzehnte vergehen und dann erinnert man sich wieder jener zu Unrecht vergessenen Künstler die in der Weserstadt weit über 50 Jahre hinein gewirkt haben und malend hier tätig waren. Dabei gehört Fritz Gebhadt-Rathenow zu den Reisemalern, die zumeist nur in den Sommermonaten hier im Weserbergland arbeiten. Zeichnungsskizzen, Aquarelle, Guaschen und Ölgemälde werden wohl seit 1894 hier in der Rattenfängerstadt gefertigt, doch haben gravierende Kriegsverluste die Überschaubarkeit seines Werkes sehr eingeengt.

veröffentlicht am 30.10.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2009 um 11:25 Uhr

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Von Teja Hohensee

Mitunter müssen Jahrzehnte vergehen und dann erinnert man sich wieder jener zu Unrecht vergessenen Künstler die in der Weserstadt weit über 50 Jahre hinein gewirkt haben und malend hier tätig waren. Dabei gehört Fritz Gebhadt-Rathenow zu den Reisemalern, die zumeist nur in den Sommermonaten hier im Weserbergland arbeiten. Zeichnungsskizzen, Aquarelle, Guaschen und Ölgemälde werden wohl seit 1894 hier in der Rattenfängerstadt gefertigt, doch haben gravierende Kriegsverluste die Überschaubarkeit seines Werkes sehr eingeengt. Später, zusammen mit seinem Sohn Fritz Gebhadt-Stendal (1897-1954) arbeitend, gehört Fritz Gebhadt-Rathenow zu den bedeutenden Vertretern des deutschen Realismus, die dem Prinzip l’art pour lart huldigen und zeitlebens nur wenig ausstellen. Die neben der Landschaftsvedute auch bedeutende Schlachtengemälde und Kopien fertigen, wie „Friedrich der Große vor Zorndorf“, „Kürassiere bei Vionville“, „Boxeraufstand“ und andere Arbeiten.

Wahrscheinlich ist Fritz Gebhadt-Rathenow mit dem Militär nach Hameln gekommen. Hier lernt er wohl 1892 seine erste Ehefrau Marie Brakel (1871-1927) kennen, um sie ins heimische Rathenow zu entführen. Marie Brakel stammt aus dem nahen Hamelner Vorort Afferde, und hier in Afferde hat der Künstler auch über viele Jahrzehnte hin immer wieder gearbeitet, um Garbenfelder, Heuschobermotive oder Ortsansichten zu fertigen. 1897 wird der Sohn Fritz geboren. 1928 heiratet der Maler in zweiter Ehe Anna Höltje (1888-1975), die aus dem Hamelner Vorort Wangelist stammt. Der Ort Wangelist ist auch Anlass, die Wangelister Kapelle gemalt

festzuhalten. Der zweiten Ehefrau des Malers ist es auch zu verdanken, Teile des Nachlasses gerettet zu haben, um sie der Nachwelt zu sichern.

Afferde mit seiner schönen Dorflandschaft.
  • Afferde mit seiner schönen Dorflandschaft.
Die Wangelister Kapelle.
  • Die Wangelister Kapelle.
Synagoge in Hameln (1920).
  • Synagoge in Hameln (1920).

Wenn der Maler hier in Hameln, nahe dem Osterplatz, in den Sommermonaten sein Atelier einrichtete, wurden von hier aus Wanderungen zur Oberweser, bis nach Holzminden, oder zur Unterweser, bis nach Minden, unternommen, um zu malen. Aber auch die allernächste Umgebung von Hameln wird in ortsnahen Landschaftsansichten festgehalten. Ohrberg, Klütberg, Schweineberg, Düt und Basberg werden porträtiert, aber auch Grohnde und Hohenstein schon um 1900 so in Gemälden dokumentiert. Doch weshalb immer in die Ferne schweifen, sagt sich der Künstler, und bald werden der Basberg und das nahe gelegene Afferde mit seiner schönen Dorflandschaft bevorzugtes Malobjekt. Hier in Afferde werden Luftspiegelungen, Schattenwirkungen, Sonnenflecken und Regentage gleichermaßen in manchem Landschaftsgemälde oder Aquarell sachkundig zu Papier gebracht oder auf die Leinwand gebannt. Diese Landschaftsaufnahmen, oftmals auch auf kleinen Papptafeln ausgeführt, sind dann Bravourstücke eines Spezialistentums, heiter und realitätsbezogen zugleich. Einzelansichten von Gebäuden, wie dem Torhaus in Grohnde (1930), Synagoge in Hameln (1920) oder Hof Raapke in Rohrsen, werden hingegen seltener gezeichnet, weil hier Licht- und Farbwerte nicht im Vordergrund stehen.

Der dokumentarische Wert dieser Arbeiten ist heute nicht zu unterschätzen. Fritz Gebhadt-Rathenow, der in Brandenburg beheimatet war und 1894 in Steckelsdorf geboren ist, lebte bis 1952 in Rathenow.



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