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Der Preußen-König stärkte die Selbstverwaltung in den Kommunen

Zum Kreis zusammengeschweißt

Hameln-Pyrmont (joa). Mit einer Verordnung „von Gottes Gnaden“ fing alles an. Grund für die Geburtsstunde des Kreises Hameln war die Inkraftsetzung der preußischen Kreisordnung für die Provinz Hannover: „Wir, Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen, verordnen mit Zustimmung beider Häuser des Landtages der Monarchie für die Provinz Hannover wie folgt …“. Was folgte, wurde am 1. April 1885 amtlich: Aus dem Amt Hameln, dem Amt Polle, dem größeren Teil des Amtes Lauenstein und den Städten Hameln und Bodenwerder war der Kreis Hameln geworden.

veröffentlicht am 10.05.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 04.02.2011 um 11:25 Uhr

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Dieser Entwicklung, die zur Konstituierung des Landkreises Hameln führte, war das Ende des Königreiches Hannover vorausgegangen. Im deutschen Krieg hatte das Königreich Hannover aufseiten Österreichs und der süddeutschen Staaten gegen Preußen gekämpft. Trotz der verzweifelten Bemühungen der damaligen Landtagsmehrheit unter dem damaligen Liberalen Rudolf von Bennigsen hatte der hannoversche König das preußische Neutralitätsangebot abgelehnt. Der König wandte sich gegen jede Reform des Deutschen Bundes. Nach der Schlacht bei Langensalza musste die hannoversche Armee kapitulieren. Hannover wurde von Preußen annektiert und zur Provinz des preußischen Staates.

In den hannoverschen Landen gab es gegen die Einverleibung erhebliche Widerstände. 1866 wurde die Deutschhannoversche Partei, die Welfenpartei, gegründet. Sie kämpfte erbittert für eine Selbstständigkeit Hannovers mit den alten Verwaltungsstrukturen, seinen Ämtern, bei denen ein Schwerpunkt der Verwaltungstätigkeit lag. In unserem Raum waren das zuletzt Hameln, Lauenstein und Polle. Auch der Provinziallandtag trat energisch für eine Fortführung der hannoverschen Ämter und die hannoverschen Mittelbehörden, der Landdrosteien, ein. Dennoch war eine Veränderung der Verwaltungsstruktur nicht aufzuhalten. Gemäß der Kreisordnung für die Provinz Hannover von 1884 sollte anstelle der hannoverschen Ämter der selbstverwaltete Kreis mit dem Landrat in seiner Doppelfunktion als preußischer Beamter und Vorsitzender des gewählten Kreistages treten. Charakteristisch für die neue Kreisverfassung war eine Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung. Denn die hannoversche Ämterverfassung war noch weitaus stärker obrigkeitlich ausgerichtet. Die Ämter waren der verlängerte Arm des Landesherrn.

Die neue preußische Kreisordnung hingegen fußte auf den Stein-Hardenbergischen Reformvorstellungen, die – Anfang des Jahrhunderts entwickelt – auf eine Wiederbelebung eines klassischen Gemeinsinns zielten. Karl Freiherr vom Stein und Karl August Fürst von Hardenberg wollten das Misstrauen der bürokratischen Obrigkeit gegen die Bevölkerung ausräumen – ausgehend von einem tiefen Vertrauen in Gemeingeist und Bürgersinn. Der Bürger sollte an der Verwaltung in Gemeinden, Kreisen und Provinzen aktiv mitwirken können.

Die „Männer der ersten Stunde“ im Landkreis Hameln.
  • Die „Männer der ersten Stunde“ im Landkreis Hameln.

Und so war der neue Kreis zwar eine untere Verwaltungsstelle des preußischen Staates, aber auch Selbstverwaltungskörperschaft; und die Beschlüsse über eben jene Verwaltungsangelegenheiten hatte der Kreistag zu beschließen, dem zu Anfang 31 Abgeordnete angehörten, die Ende Januar in drei Wahlverbänden gewählt wurden: den größeren ländlichen Grundbesitzern, den Landgemeinden und den Städten. Vom allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht unserer Tage war man also noch weit entfernt. An Diäten wurden für die Abgeordneten 5 Mark pro Kopf festgelegt, als Reisevergütung pro Eisenbahnkilometer 10, für Landkilometer 30 Pfennige.

Der erste Landrat des Kreises war Carl von Delius. Er stammte aus Koblenz und hatte 1874 bis 1884 den Landkreis Warburg verwaltet. In der Dewezet ist am 2. April 1885 eine Bekanntmachung des „commissarischen Landrats v. Delius“ zu lesen: „Nachdem mir von dem Herrn Minister des Inneren die Verwaltung des neu gebildeten Kreises Hameln übertragen worden ist, habe ich dieselbe heute angetreten und richte an die Einwohner des Kreises die Bitte, mir mit Offenheit und Vertrauen entgegenzukommen. Es wird mein Bestreben sein, die Interessen des Kreises und seiner Bevölkerung stets zu wahren und zu fördern.“

Zu Vertretern des Landrates wurden Bürgermeister Julius Ludowieg aus Hameln und Rittergutsbesitzer Ferdinand Jobst Johann Klaus Friedrich von Reden aus Hastenbeck gewählt. In der ersten Sitzung des neuen Kreistages am 8. April 1885 fand die Wahl von zwei Abgeordneten des Kreises zum Provinziallandtag statt. Hier machten laut den „Allgemeinen Anzeigen“ vom 12. April 1885 mit 27 Stimmen Bürgermeister Ludowieg und mit 28 Stimmen Friedrich Wilhelm Conrad Grave, Hofbesitzer in Börry, das Rennen.

Lesen Sie in der nächsten Folge: Der Kreis Pyrmont kommt hinzu.

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