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Jan-Ole Peters: Turnen ist sein Leben, doch das Abi hat Priorität / Leistungssport ist ein Familienunternehmen

Zum Entspannen spielt er mit der Schlange "Sina"

Rolfshagen. Der zwölfjährige Jan-Ole Peters lebt mit seinen Eltern Christiane und Hans-Jörg und seiner 16-jährigen Schwester Lisa-Maria in einem großen, schönen Haus in Rolfshagen. Beim Betreten seines Zimmers fällt sofort der Blick auf die zahlreichen Medaillen und Pokale, die Jan-Ole bereits gesammelt hat. "Die Urkunden haben wir abgeheftet. Das sind einfach zu viele, um sie aufzuhängen", erklärt Mutter Christiane. Im Nebenzimmer haben die Eltern ihrem Sohn einen Fitnessraum eingerichtet. Matten für eine Turnbahn, ein Pferd, Geräte für das Konditionstraining und ein Übungsbarren stehen dort bereit - Jan-Ole ist Leistungsturner.

veröffentlicht am 03.11.2007 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:16 Uhr

Zur Entspannung "spielt" Jan-Ole gern mit seiner Würgeschlange S
Kerstin Lange

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Kerstin Lange Redakteurin zur Autorenseite

"Im Sommer haben wir auch im Garten einen Barren stehen", erzählt Hans-Jörg Peters. Und sogar ein Whirlpool steht in dem Fitnessraum. Gemeinsam mit seinem Vater, der selber ein erfolgreicher Turner war, was er seinem Sohn aber lange verheimlicht hat, entspannt Jan-Ole dort. Der Zwölfjährige ist bereits ein sehr erfolgreicher Turner. Zahlreiche Bezirks- und Landesmeistertitel hat er in seiner fünfjährigen Turnerkarriere gesammelt, und auch bei Deutschen Meisterschaften stand er schon auf dem Treppchen. Er ist Mitglied im Perspektivkader des Deutschen Turnerbundes und turnt als "Zwerg" bereits in der Ligamannschaft der VT Rinteln mit. Jan-Ole hat eine steile Karriere hinter sich. Am 4. Juni 2002 ging er zum ersten Mal zum Turntraining bei Bernd Jäger von der VTR, nach einer Woche konnte er einen Spagat und nach zwei Wochen einen Salto auf dem Trampolin. "Schon bei der ärztlichen Untersuchung für die Vorschule hat die Ärztin uns gesagt, dass Jan-Ole den perfekten Körperbau eines Turners hat", erinnert sich seine Mutter. Seinen ersten Wettkampf bestritt Jan-Ole bereits nach zwei Wochen Training. Beim Bergturnfest auf dem Bückeberg holte er auf Anhieb Platz acht. Nur wenige Wochen später wurde er Bezirksmeister seiner Altersklasse. Sein großes Idol ist der 20-jährige Deutsche Meister Fabian Hambüchen und sein sportliches Ziel die Olympischen Spiele 2012. Dafür trainiert Jan-Ole an sechs Tagen in der Woche. Natürlich auch in den Ferien. Dazu kommen Wettkämpfe, Kader-Wochenenden und zusätzliches Konditionstraining mit dem Vater. "Das sehe ich überhaupt nicht als Training", beschreibt der Zwölfjährige seine Moutainbike-Touren zum Bückeberg mit seinem Vater, oder die Inliner-Ausflüge und Joggingstunden. "Jan-Ole hat einfach Spaß daran. Er muss immer irgendwie in Bewegung sein", erzählt sein Vater. Aber die beiden genießen es auch, einfach mal durch den nahen Wald zu streifen, auf "ihrem" Baum Platz zu nehmen und sich zu unterhalten. Selbstverständlich dreht es sich dabei fast immer um das Turnen. Sechs Mal die Woche Training bedeutet für die Eheleute Peters jede Menge "Taxifahrten". "Früher sind wir noch mehrmals die Woche nach Hannover zum Training gefahren", sagt Hans-Jörg Peters. Dann habe Jan-Ole im Auto gegessen und Hausaufgaben gemacht. Um ihm dies zu ersparen, habe er schließlich das Internat in Hannover und die Humboldt-Schule besucht und sei nur abends zum Schlafen nach Hause gekommen. Wegen Problemen mit dem Landestrainer hat die Familie dann aber entschieden, dass Jan-Ole zurück zu seinem Trainer Bernd Jäger geht und seit diesem Schuljahr das Gymnasium Ernestinum besucht. Trotzdem bleibt den Eltern eine Menge "Arbeit", und auch Schwester Lisa-Maria muss oft zurückstecken. "Leistungssport ist ein richtiges Familienunternehmen", findet Mutter Christiane. Nicht nur der zeitliche Aufwand sei enorm, auch der finanzielle. "Ein Turndress kostet etwa 100 Euro - und er benötigt immer mehrere", erzählt sie.Dazu kämen Rollenweise Tape, Reckriemchen und jede Menge Salben. "Oft hängt die Haut an den Händen von Jan-Ole in Fetzen herunter. Schwielen und Blasen sind schon völlig normal", erzählt die Mutter. Wie ein Zwölfjähriger alles unter einen Hut bekommt? "Kein Problem", sagt Jan-Ole, der genau weiß, dass dies alles ohne die Unterstützung der Familie nicht ginge. In der Schule sei er nicht schlecht, seine Freunde habe er ausschließlich in Turnerkreisen, und zudem bliebe ihm ja auch schon mal einer freier Sonntag. Dann ist er mit Papa unterwegs oder "spielt" mit seinem Haustier, der kleinen Würgeschlange "Sina". Im nächsten Jahr wird Jan-Ole das Auetal wohl verlassen und auf ein Internat mit Landesstützpunkt in Cottbus oder Stuttgart gehen. "Dort ist es einfacher, den Leistungssport und die Schule gleichzeitig zu meistern", wissen die Eltern. Schließlich sind sich die Eltern und Jan-Ole einig: Das Abitur ist wichtiger als alle Medaillen. "Ich möchte unbedingt Sportarzt werden und kleinen Sportlern helfen", sagt Jan-Ole selbstbewusst. Dieses Ziel hat er fest vor Augen. "Wenn eine wichtige Arbeit ansteht, dann verzichte ich schweren Herzens auch mal auf das Training." Am Wochenende will Jan-Ole bei den Deutschen Meisterschaften in Schwäbisch Gmünd starten. Allerdings hat er sich beim letzten Ligawettkampf eine Rückenverletzung zugezogen, und damit ist sein Start noch unsicher. "Wir wollen auf keinen Fall, dass Jan-Ole mit Spritzen fit gemacht wird. Die Gesundheit geht vor", sind sich die Eltern einig, die ihn zwar nach Kräften unterstützen, aber zu nichts zwingen.

Mutter Christiane und Vater Hans-Jörg unterstützen Jan-Ole, wo s
  • Mutter Christiane und Vater Hans-Jörg unterstützen Jan-Ole, wo sie nur können. Fotos: la

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