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Vierständer-Hallenhaus bekommt "Schaumburger Mütze" / Handwerker arbeiten auch am Sonntag

Zum Denkmaltag: Lebende Baustelle in Soldorf

Soldorf (nah). Rodenberger Dachdecker und andere Handwerker haben sich vorgenommen, auch am Wochenende zu arbeiten. Wenn am morgigen Sonntag in den Samtgemeinden Rodenberg und Nenndorf der "Tag des offenen Denkmals" begangen wird, sind extra "lebende Baustellen" eingerichtet worden: Fachleute wollen Besuchern die fachgerechte Sanierung alter Gebäude demonstrieren. Unter anderem erhält ein Soldorfer Wohnhaus eine neue "Schaumburger Mütze".

veröffentlicht am 08.09.2007 um 00:00 Uhr

Verwandlung nach vielen Jahrzehnten: Der Giebel von Hof Wilkenin

Dass die Fassade eines Vierständer-Hallenhauses am Soldorfer "Salinenplatz" einen neuen Rundwalm und damit wieder das historische Aussehen erlangt, ist "Kyrill" zu verdanken. Der verheerende Orkan hatte an der Heimstatt von Heinrich Wilkening mächtig gerüttelt. Der alte, mürbe gewordene Giebelbehang aus Bitumenplatten wiesanschließend Schäden auf. Doch Wilkening, der auch Vorsitzender des Vereins "Dorfgemeinschaft Soldorf" ist, wollte sich mit einfachen Reparatur nicht zufrieden geben. Er besann sich auf das ursprüngliche Aussehen der Fassade: Vor Zeiten wölbte sich der mit Dachpfannen behängte Giebel vor und bot so mehr Platz für Vorräte sowie einen Wetterschutz für den Dieleneingang. In den letzten Tagen wurde bereits die Unterkonstruktion erstellt. Die Balken erhielten imprägnierte Holzfaserplatten. Anschließend werden Dachdecker eines Rodenberger Betriebs damit beginnen, die vorbauchende Fläche einzulatten und sie mit handgeformten Hohlpfannen zu behängen. Diese stammen von einem Stallgebäude in Messenkamp und wurden dort nicht - wie sonst eher üblich - dem Bauschuttcontainerüberlassen, sondern unversehrt abgenommen. "Dieses Recycling historischer Baustoffe ist nicht nurökologisch sinnvoll", erklärte jetzt der Vorsitzende der Schaumburger Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB), Manfred Röver: "Der Giebelfläche wird dadurch auch ein unnachahmliches Farbspiel verliehen." Die Besucher des morgigen Denkmaltages können alle Aufbauschichten erkennen sowie den Dachdeckern bei der Arbeit zuschauen. Zudem hält die IGB Informationen zur regionaltypischen "Schaumburger Mütze" bereit. So kann diese Art des Giebels mit der des "Kastensteckwalms" an einem Nachbargebäude verglichen werden. Außerdem sind in der Nachbarschaft der Abbund einer Fachwerkwand, historische Mauer- und Lehmbautechniken, Putzreparaturen, Fassadenverkleidungen, Wärmedämm-Maßnahmen und Anstriche zu sehen. Auf zwei weiteren Baustellen werden ein kleiner Garten-Backofen und ein Schornsteinkopf hergestellt. Weitere "lebende Baustellen" befinden sich im Rodenberger Bassenbrink mit einer Leichtlehm-Wand, in der Langen Straße in Lauenau mit einer Fachwerk-Sanierung sowie in Feggendorf (Am Brink) mit dem Einbau einer Wandheizung. Röver hofft, dass Bauherren das Informationsangebot nutzen: "Nach wie vor gilt die traurige Erkenntnis, dass durch falsche Sanierung mehr historische Gebäude zerstört wurden als durch Krieg und andere Katastrophen."



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