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Vor Gericht: Acht Monate Haft nach Raserei auf der Autobahn / Richter: "Das Maß ist voll"

Zum achten Mal ohne Schein erwischt

Bad Eilsen/Bückeburg (ly). Wahrscheinlich wäre es nie aufgefallen. Doch ein 62-Jähriger aus Helpsen musste sich ja nicht nur ohne Fahrerlaubnis hinters Steuer setzen, er musste auch noch rasen. Und so geriet der Mann im Dezember vergangenen Jahres kurz hinter der Auffahrt Bad Eilsen ins Visier eines Videowagens der Autobahnpolizei. Die Messung ergab Tempo 157, erlaubt war 120.

veröffentlicht am 14.11.2006 um 00:00 Uhr

Diese Geschwindigkeitsübertretung allein wäre "nur" eine Ordnungswidrigkeit gewesen. Doch weil sich rasch herausstellen sollte, dass er zum nunmehr achten Mal ohne Fahrerlaubnis erwischt worden war, landete der Helpser wiederum als Straftäter vor dem Bückeburger Amtsgericht. Das Urteil: acht Monate Haft. "Der Angeklagte hat mit dem Feuer gespielt", meinte Staatsanwalt Wilfried Stahlhut. Gegen die Entscheidung ist allerdings noch Berufung möglich. "Mit Sicherheit werde ich mich nicht mehr hinters Steuer setzen", hatte der scheinbar unverbesserliche Wiederholungstäter hoch und heilig versprochen. Zu spät. "Das Maß ist voll", machte Richter Armin Böhm klar. Denn: Nur drei Monate vor der illegalen Fahrt war der 62-Jährige in einem ähnlichen Fall zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Beeindruckt hat ihn dies offenbar nicht. Vor dem Richterspruch im jetzigen Verfahren hatte der Angeklagte auf seine Situation aufmerksam gemacht. Alsälterer Mann war der ausgebildete Chemiker auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr zu vermitteln und musste sich ins Heer der Hartz-IV-Empfänger einreihen. Mit diesem Schicksal mochte der Helpser jedoch nicht leben. Freiberuflich führte er daher nebenbei etwa zweimal pro Monat Aufträge für ein US-Unternehmen aus. In der Regel soll der Sohn des 62-Jährigen gefahren sein, jedoch nicht am Morgen jenes 7. Dezember. "Das ist keine Entschuldigung, macht aber den menschlichen Hintergrund verständlicher", fasste Verteidiger Dr. Volkmar Wissgott zusammen. Tatsache ist allerdings auch, dass dem Angeklagten die Fahrerlaubnis wegen zu vieler Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei erstmals 1998 entzogen worden war und dass er den "Lappen" später noch zwei weitere Male loswerden sollte. Insgesamt stehen in seinem Vorstrafenregister etwa ein Dutzend Eintragungen, zumeist Verkehrsdelikte. "Es ist der falsche Weg, wenn ich nur etwas dazu verdienen kann, indem ich Straftaten begehe", betonte Richter Böhm. Hinzu kommt: Weil jede Fahrt ein Risiko für die Allgemeinheit darstelle, müssten Verkehrsteilnehmer ihre Zuverlässigkeit durch eine Fahrerlaubnis nachweisen. Dass der Helpser 157 statt 120 drauf hatte, hält Böhm "für ein deutliches Zeichen von Unzuverlässigkeit".

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