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400 Kilometer mit dem Mountainbike mitten durch den Schwarzwald

Zum Abschied gibt’s eine Abfahrt

Seit 1900 verbindet der Westweg die spektakulärsten Aussichtspunkte und größten Namen des Schwarzwaldes. Er schlängelt sich vorbei an hochstämmigen Fichten, duftenden Bergwiesen und verwunschenen Tälern, in denen wildromantische Bäche rauschen: wie geschaffen für eine Mountainbike-Tour. In den 90ern kratzt die Diskussion um das Waldsterben am Image der Idylle. Was sie in Jahren nicht schafft, erledigt die Natur in wenigen Minuten: Im Nordschwarzwald liegen noch heute die Wunden, die das Sturmtief Lothar 1999 in die Hänge riss. Längst sind die Hanglagen aufgeforstet, trotzdem überrascht der Schwarzwald mit kahlen Kuppen und schier endlosen Flächen.

veröffentlicht am 23.10.2009 um 16:39 Uhr

Nichts für Anfänger: die Radtour durch den Schwarzwald. Foto: Hi

Autor:

Patrick Hinzmann

Auf der Etappe nach Wolfach haben wir den Aufstieg zur Hornisgrinde bewältigt. Mit 1164 Metern ist sie die höchste Erhebung im Nordschwarzwald. Höchste Berge in einem touristisch erschlossenen Gebiet verheißen nichts Gutes – jedenfalls nicht, wenn man die Ruhe des Waldes sucht. Am anderen Ende des plateauartigen Gipfels blitzen schwarz getönte Scheiben der Reisebusse auf. Die Ungetüme spucken Touristenscharen in unmittelbarer Nähe eines zu erobernden Turmes aus. Der Mummelsee am Fuße der Hornisgrinde ist ein solcher Platz.

Inzwischen folgen wir dem Tipp eines heimischen Mountainbikers. Er hatte uns vor dem nicht fahrbaren Anstieg auf den Farrenkopf gewarnt: zu steil. Die Alternativstrecke ist ebenfalls steil, der Untergrund lose. Endlich scheint es geschafft. Doch wo es weitergehen müsste, stehen Bäume. Eine halbe Stunde später stehen wir im Wald. Mitten im Wald. Die Flucht, der wir gefolgt sind, war ein Holzweg.

Zwei Plattfüße und fünf Stunden später erreichen wir den Brend (1150 Meter); es dämmert schon. Beim kühlen Bier erinnert mich mein Körper an den Tag: die schmerzenden Oberschenkel, die juckenden Augen, die Blessuren vom Abstieg. Was Feldberg (1493 Meter) und Belchen (1414 Meter) nicht schaffen, ringt uns der Blauen ab. Mit seinen 1165 Metern ist die Aussicht einmalig. Im Westen fällt der Blick in die Rheinebene, ein Aufeinandertreffen von flachem Land und Mittelgebirge, wie man es sonst nur in den Fantasien von Modellbahnern findet. Die Sicht reicht bis zu den Vogesen.

Weiter geht’s nach Basel. Wir nehmen Abschied vom Schwarzwald und möchten uns bedanken bei diesem vielseitigen Wald und geheimnisvollen Mittelgebirge mit seinen erbarmungslosen Anstiegen, lohnenden Ausblicken und gastfreundlichen Menschen. Als würde es dem Gastgeber ebenso gehen, macht er uns nach fast 400 Kilometern im Sattel und zehntausend überwundenen Höhenmetern ein Abschiedsgeschenk: eine Abfahrt.



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