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Stärken und Schwächen, Risiken und Möglichkeiten: Bürger sollen Ideen für die Stadt entwickeln

Zukunft Innenstadt: Leerstand als Chance?

Obernkirchen (rnk). Die Resonanz war enttäuschend: Nur 16 Teilnehmer, davon höchstens die Hälfte Gewerbetreibende, haben an der zweiten Veranstaltung zur Zukunft der Innenstadt vorgestern Abend teilgenommen. In einem Punkt waren sich aber alle einig: Die größte Schwäche der Innenstadt ist der Leerstand der Geschäfte.

veröffentlicht am 11.01.2008 um 00:00 Uhr

Wo steht die Bergstadt als Einkaufsstadt? Was kann gegen den zun

Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken: Unter diesem Motto sollten die Teilnehmer in drei kleinen Gruppen die Innenstadt analysieren, hatte Diplom-Geograph Benno Trütken von "forum B" aufgefordert: "Wie sehen Sie die Innenstadt im Jahr 2015?" Bei den Stärken der Stadt lag die Historie vorne: Obernkirchen habe mit Stift und den alten, sanierten Gebäuden durchaus Pfunde, mit denen es wuchern könne. Weiterhin spreche ein hervorragendes Freizeitangebot für die Stadt, ebenso wie der damit verbundene hohe Wohn- und Erholungswert, das große ehrenamtliche Engagement, die Nähe zur Natur und die verschiedenen kulturellen Veranstaltungen, die zuweilen weit über die Stadtgrenze hinausstrahlen würden, wie etwa das Symposium. Bei den Schwächen lag der Leerstand vorn, gefolgt vom Mangel an Fachgeschäften und einer leichten Überraschung: Auf Platz drei landete die mangelhafte, weil viel zu negative Einstellung der Bürger zu ihrer Stadt. Weiterhin als Schwäche aufgezeigt wurden der schwache Tourismus und eine schlechte Anbindung des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (vor allem am Wochenende), die fehlende Grundversorgung in der Stadt, die ungepflegten (nicht: unsauberen) Flächen und Straßen im Innenstadtbereich, das nicht ausgereifte Stadtmarketing-Konzept ("Viel wird angeschoben, nichts konkret durchgearbeitet - und es gibt zu wenig Ergebnisse", monierte eine Gruppe), die nicht ausreichende Werbung für Obernkirchen über die Stadtgrenzen hinaus und eine zu schwache Förderung der Kultur - aufgezeigt am Oetker-Geburtshaus, das einen stärkeren Bezug zur Person des Firmengründers haben sollte. Trütken hatte viel Mühe, die Teilnehmer selbst in die Arbeitsgruppen einzubinden. Anfangs schlug ihm unverhohlene Skepsis entgegen, die sich auch aus der Vergangenheit speiste: Seit Jahrzehnten werde zwar das Gespräch mit den Gewerbetreibenden gesucht, aber nichts oder viel zu wenig umgesetzt - warum sollte dies nun anders sein? Und: Warum sei in diese Runde kein Stadtplaner, ein Experte also, eingebunden? Weil Experten, so entgegnete Trütken, "auch potentielle und professionelle Bedenkenträger sind, die Ideen auch unterdrücken können." Bürgermeister Oliver Schäfer hatten anfangs versprochen, dass das, was hier erarbeitet werde, als ernsthafte Grundlage für die Entscheidungen des Stadtrates dienen werde. "Sie machen heute eine Bestandsaufnahme." Schäfer erklärte, dass sich auch der Rat mit dem Thema befasse und nach Förderprogrammen suche, aus denen Mittel kommen könnten. Schäfer: "Und wenn es kein Geld gibt, werden wir eben mit den zur Verfügung stehenden Mitteln arbeiten." Trütken sah es so: Egal, ob es um den sozialen Zusammenhalt gehe, die bauliche Entwicklung der Innenstadt, die Nachnutzung einer Brachfläche oder Beratungen zum Thema Haushalt, immer müsse die Zukunftsfähigkeit im Mittelpunkt stehen. Trütken warb für eine positive und zielorientiert nach vorn schauende Grundeinstellung. Aus Schwächen könnten sich auch Chancen ergeben, zudem dürfe der demographische Wandel nicht außer acht gelassen werden. Die Gesellschaft werde älter, es würde immer weniger Kinder geben, dafür würde dieZahl der Kinder mit Migrationshintergrund steigen - das könne eine Stadt auch als Chance betrachten. Natürlich verändere das Internet die herkömmlichen Handelsstrukturen, nannte Trütken die Verkaufsplattform Ebay als Beispiel, "aber so ein Trend kann als Herausforderung angesehen werden." Bei den Chancen könne eine gute Verbindung des neues Einkaufszentrums Rösertor zur Innenstadt helfen, eine stärkere Förderung von Existenzgründern ebenso, zudem könnten Events und Veranstaltungen so gestaltet werden, dass die Stadt von umliegenden Städten abhebe und somit ein Alleinstellungsmerkmal aufbauen könne. Der Leerstand könne zudem Möglichkeiten bieten: Weil viele Geschäfte leerstehen würden, könnten viele neue Gewerbetreibende angesiedelt werden, was wiederum zu einem Imagegewinn der Stadt und zu einer steigenden Lebensqualität führen könnte. Auch der Tourismus biete Ausbauchancen, ebenso die Zusammenarbeit mit anderen Städten, denen es ähnlich wie der Bergstadt gehe. Bei den Risiken ganz weit vorn: das Rösertor, das, so die allgemeine Befürchtung, die Innenstadt weiter ausbluten lasse, zu mehr Leerständen und längeren Einkaufswegen führen könne. Mit Blick auf die großen Firmen der Bergstadt wurde auch der Abbau von Arbeitsplätzen und ein Wegzug der betroffenen Familien ins Feld geführt. Aber, so betonte eine Arbeitsgruppe, gar nichts zu tun, wäre falsch: "Keine Veränderung bedeutet Stillstand." Am kommenden Sonnabend, 12. Januar, geht es ab 13.15 Uhr in der "Roten Schule" weiter. Dann sollen auf der Grundlage der jetzt ermittelten Punkte neue Ideen und Visionen entwickelt werden, die auch einer kritischen Bewertung unterzogen werden. Wer die beiden ersten Veranstaltungen verpasst hat, kann aber immer noch einsteigen: In einem Kurzreferat wird Trütken die bisher erarbeiteten Schritte vorstellen. Die Veranstaltung wird bis etwa 17 Uhr dauern. Am 23. Februar wird alles Bürgern vorgestellt, die zufällig ausgewählt wurden. Wie Schäfer sagte, habe die Stadt 300 von ihnen in dieser Woche angeschrieben und eingeladen. Gerechnet wird damit, dass 25 bis 30 diese Einladung annehmen werden.

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