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Viele Imker beklagen den Verlust von Völkern / Probleme mit Mais-Anbau für Biogas-Anlagen

Zuckersaft, damit die Bienen nicht verhungern

Weserbergland (ul). Hobby-Imker Uwe Dreyer fragt sich, was er falsch gemacht hat. "So nach und nach sind meine fünf Bienenvölker kaputtgegangen. Und das, obwohl genug Futter in den Kästen war." Um seine Honigbienen vor der Varroa- Milbe und deren Viren zu schützen, hatte er die Brutkästen mit Ameisensäure behandelt. Geholfen hat es nicht.

veröffentlicht am 28.03.2008 um 00:00 Uhr

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Dreyer ist kein Einzelfall. Der Vorsitzende des Imkervereins Bodenwerder, Otto Daus, bestätigt: "Es sind mehrere Imker in der Region betroffen." Es sei die Varroa- Milbe, die Blut von den Bienen und der Brut sauge. Dadurch werden Viren und andere Erreger auf die Bienen übertragen. Gleich nachdem der Honig Anfang August geerntet wurde, hätte die Varroa mit Ameisensäure bekämpft werden müssen. Auch Daus beklagt an einem seiner Bienenstandorte den Verlust von 50 Prozent der Völker, weil er dort zu spät gehandelt habe. Insgesamt dauert das Leben der fleißigen Sommerbienen nur sechs Wochen. Drei Wochen fliegt die Arbeitsbiene und sammelt Nektar, Blütenpollen, Wasser und Propolis, bevor sie entkräftet stirbt. Im Spätsommer geht das Brutgeschäft zurück. Das Volk wird kleiner. Die herbstlichen Jungbienen überwintern sechs Monate lang, wenn sie nicht arbeiten, gesund sind und gut ernährt werden. Die Königin, die für ihre Reproduktion auf den Drohnenflug angewiesen ist, lebt bis zu vier Jahre. Sie legt im Frühjahr erst wenige, dann bei guter Pollen- und Nektartracht bis zu 2000 Eier am Tag. Dadurch können Bienen alljährlich neue Volksstärken aufbauen. Auch Ursula Nagel, Vorsitzende des Hamelner Imkervereins, bestätigt: "Ich habe zehn Prozent Verlust. Da war ich auch überrascht." Als Ursachen nennt sie "das schlechte Wetter im vergangenen Sommer. Die Drohnen sind selten geflogen, das muss nicht nur die Varroa gewesen sein." Die Hamelner Imker besprachen die Ursachen der Verluste. Der Mais, der hier für die Biogasanlagen angebaut wurde, sei für die Bienen wertlos. Er habe keinen Nektar und nur minderwertige Pollen. "Die Bienen in unserer Gegend haben zum Teil zu wenig Tracht. Es gibt keine stillgelegten Flächen mehr." Nagel meint, es gäbe im Kreis Hameln-Pyrmont zu wenige Rapsfelder. Deshalb müsse sie mit ihren vielen Bienenvölkern jetzt erstmals wandern. Einen guten Standort haben ihre Bienen im Wasserschutzgebiet zwischen Lachem und Hemeringen, wo Obstbäume und Wiesen nicht gespritzt wer den. "Durch das Spritzen verlieren die Bienen teilweise ihre Orientierung und kommen nicht mehr zurück in ihr Volk", erläutert Berufsimker Klaus Beverung aus Rischenau. Er kennt bereits bienenfreie Landstriche in der Bundesrepublik. Es gebe Pflanzenschutzmittel, die in den meisten Ländern Europas verboten seien, im Herstellerland Deutschland nicht. Imkermeister Wulf-Ingo Lau aus Bad Münder sieht die Varroa-Milbe als Hauptverursacher für das Bienensterben. Jede vierte bis fünfte Biene sei von der Milbe angegriffen. "Wegen des milden Winters konnten die Imker die Milbe nicht töten", meint Lau. "Sitzen sie erst mal in den Brutzellen, dann kommt man auch mit Ameisensäure nichtmehr an sie ran." Lau behandelt seine Winterbienen mit dem zugelassenen Mittel Perizin. Amei sensäure habe nur einen Wirkungsgrad von 20 bis 30 Prozent. "Das ist eine Rosskur mit Ameisensäure, dabei wird die offene Brut getötet." Lau, der als Imkermeister im Auftrag des Landesamtes für Verbraucherschutz in Ostniedersachsen Imker unterrichtet, empfiehlt, die Bienen von der Brut zu trennen. Der Schwarm fliegt weg, zurück bleibt die Brut. Der beim Laves-Ins titut für Bienenkunde in Celle angestellte Lau rät, von Mai bis Juni schwärmen zu lassen und dann neue Völker anzulegen. "Eine latente Vergiftung durch Pflanzenschutzmittel haben wir nicht", meint Lau. Doch auch er hat früher viele Bienenvölker zur Befruchtung in Obstbaumplantagen im Alten Land gehabt. "Bis neue Spritzmittel angewendet wurden, die die Bienen in ihrer Entwicklung hindern." Deshalb verlegte er seine Imkerei ins Weserbergland. "Die Völker erholen sich nicht mehr nach Kontakt mit einem bienengefährlichen Pflanzenschutzmittel und verpassen die beste Zeit, um notwendige Vorräte im Volk anzulegen." sagt der Fachmann. Wichtig sei zu wissen: Ein Leben ohne Fütterung schade den Bienen. Er sei aber kein Freund großer Zuckergaben, weil der Zucker zwischen die Brutzellen gelagert werde und den Brutraum verkleinere. Bis Ende Oktober brauche ein Volk 20 bis 22 Kilo Flüssigzucker. Von November bis Februar nochmal fünf bis sieben Kilo Zuckersaft. Aus Tanklastzügen erhält er den Flüssigzucker für Bienen. Doch Zucker war im vergangenen Jahr heiß begehrt. Er ging zum Hafen nach Amsterdam und von dort zur Ethanol-Erzeugung in die USA. Drei Wochen musste Lau auf seinen Zuckersaft warten, wertvolle Zeit, in der die Bienen nichts zu fressen hatten. Auch Lau beklagt den Verlust von zwei Völkern auf seinem Hof. Schon bei der Lindenblüte 2007 sei das Wetter schlecht gewesen. Diesmal hat er vorgesorgt und einen Vorrat an Zuckersaft angelegt, damit ihm nicht noch einmal Bienen verhungern. Hinweis: Am 27. April informiert Wulf-Ingo Lau die Imker und diejenigen, die Imker werden wollen. Anmeldungen bei dem Vorsitzenden Dirk Adomat, unter Tel. 05152/61956.



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