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Suiten, Fantasien und Concerti gefallen bei der Reihe "Klassik aus Holland" in Petzen

Zu Gast bei Telemann und den Bachs

Petzen. Telemann und Bach nahezubringen, war am Samstagabend in der Kirche St. Cosmas und St. Domian das Anliegen des Cembalisten Pieter-Jan Belder, des Barockflötisten Wilbert Hazelzet und ihres geigenden Kollegen Rémy Baudet.

veröffentlicht am 06.10.2008 um 00:00 Uhr

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Autor:

Dietlind Beinßen

Mit Suiten, Fantasien und Concerti läutete das Trio im Zuge der Reihe "Klassik aus Holland" das Herbst-Winter-Programm ein. Und da die Künstler in der von Pastor Heinz Schultheiß organisierten Konzertreihe längst keine Unbekannten mehr sind, fiel der Besucherzuspruch dementsprechend gut aus. Kammermusik mit abgestuften Farben, fein ziselierten Linien sowie quicken Presto- und Allegro-Stellen von Georg Philipp Telemann bildeten den ersten Teil des besinnlichen Hörvergnügens. Eröffnet wurde der Reigen mit der Suite V a-Moll für Flöte, Violine und B. c., die 1734 in Hamburg entstanden ist. Gleich hier zeigte sich das subtil ausgewogene, bemerkenswert homogene Spielvermögen der Gemeinschaft. In der Fantasie II a-Moll von 1732 legte Wilbert Hazelzet ein nachhaltiges Plädoyer für seine Kunst auf der anmutig geblasenen Barockflöte. Penibles Aufeinanderreagieren prägte dann das feinnervige Wechselspiel von Polyfonie und klanglicher Farbigkeit im Konzert V h-Moll für Cembalo und Flöte aus dem Jahr 1734. Danach kostete das Dreier-Team die Kantabilität der Corellisierenden (inspiriert von Corelli) Sonate II h-Moll genüsslich aus. Angeblich hat Telemann mehr Noten geschrieben als Händel und Bach zusammen. Lange Zeit galt er deshalb als ein Vielschreiber, dem Händels "Höhenflug" und Bachs "Tiefe" fehlte. Für einige Musikwissenschaftler des 20. Jahrhunderts war er sogar der Richard Strauß des Spätbarocks und Rokokos. Kein Wunder, denn nicht nur der Liedzyklus "Klingende Geographie", den er bereits als Schüler am Gymnasium Andreanum in Hildesheim verfasste, strotzt vor origineller Tonmalerei. Dass die alten Vorurteile nicht mehr gelten, bewiesen die Gäste aus den Niederlanden, indem sie in unterschiedlicher Besetzung ganz aus dem Fundus kompositorischer Fantasien schöpften und mit erfrischend pointierter Tongestik für Kurzweil sorgten. Nach der durch die Lesungüber einen abtretenden Dirigenten von Pastor Schultheiß ermöglichten Pause, widmeten sich die Virtuosen Carl Philipp Emanuel Bachs buntem Trio h-Moll, um es melodiös zu vermitteln. Leicht, gelöst und doch mit der nötigen rhythmischen Angriffslust, harmonisierte die Gruppe zum Schluss in VaterBachs Sonate G-Dur, BWV 1038. Die Möglichkeiten des Musizierens auf dem Cembalo und die innere Vertrautheit mit Geist und Stil Bachs voll auskostend, brachte vor der Sonate Pieter-Jan Belder noch fingerfertigst zwei Fantasien des Meisters nahe. Das Publikum wusste die Darbietungen zu schätzen undsparte nicht mit Applaus, der ein sanftes Bach-Largo nach sich zog.



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