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Möllenbecker Mittelständler fühlt sich ausgegrenzt / Kirchenleitung pocht auf Sicherheit im Ablauf

Zoff um Auftragsvergabe für Klosterfenster

Möllenbeck (ur). Obwohl die Arbeiten zur Umnutzung des Ostflügels von Kloster Möllenbeck im Rahmen des "Leader+"-Projekts 0030/2004 bislang recht gut in der Zeit liegen, rührt sich im Hintergrund einiges an Unbehagen. Unbehagen, das sich vor allem an Ausschreibungspraxis und Auftragsvergabe festmacht.

veröffentlicht am 31.05.2007 um 00:00 Uhr

Die neuen Fenster sind schon da - wenn auch nicht von Tischlerme

Aktueller Streitpunkt ist dabei die Vergabe der Tischlerarbeiten für die Fenster in eben diesem Ostflügel. Auch wenn das Umsatzvolumen mit rund 40 000 Euro gemessen an der Dimension des Gesamtprojekts nur einen geringen Stellenwert hat, ist die Vergabe solcher Aufträge für kleinere Betriebe aus der Region durchaus eine existenzielle Frage. Entsprechend eng hat Tischlermeister Ralf Homberg aus Möllenbeck kalkuliert und bei der Ausschreibung das günstigste Gebot gemacht, wie auch Architekt Werner Degert aus Rinteln dem Betrieb bestätigte. Dennoch wurde dem Möllenbecker der Auftrag nicht erteilt, denn, so Architekt Degert, "nicht nur ich als bauleitender Architekt, auch die Zuschuss gewährenden Institutionen haben großen Bedenken, dass Sie als Einmannfirma diesen Auftrag termingemäß ausführen können." Ein Verdacht, den Homberg nicht auf sich sitzen lassen möchte: "Wir haben schon verschiedene Aufträge in dieser und auch größerer Dimension abgewickelt, ohne dass es dabei zu Verzögerungen oder gar Ausfällen gekommen wäre." Er verweist dazu auf Referenzen der Stadt Bückeburg, des Landkreises und anderer Auftraggeber: Zudem arbeite auch sein Vater Heinrich, ebenfalls gelernter Tischlermeister, mit im Unternehmen: "Der hat sogar die ursprünglichen Fenster gefertigt!" Über seit 1998 vertraute freie Mitarbeiter hätte er den qualifizierten Stamm innerhalb von drei Tagen nach Auftragvergabe auf zehn erhöhen können. Nachdem sich Ralf Hombergüber die Zurückweisung seines Angebots beschwert hatte, wurde die Forderung erhoben, er möge eine Bürgschaft in voller Höhe der Auftragssumme stellen, was dann auf 15000 Euro reduziert wurde. "Dabei war davon in der Ausschreibung nie die Rede - das wäre aber nach der VOB erforderlich gewesen,denn die Kosten für eine Bürgschaft gehen ja in die Kalkulation mit ein!" ereifert sich Homberg. Und fügt hinzu, dass in solchen Fällen die Bürgschaft üblicherweise zehn Prozent der Auftragssumme betrage - eine Summe, die er auch ohne Rücksprache mit der Bank zu stellen bereit gewesen wäre. Trotz dieser rechtlich eindeutig für ihn sprechenden Situation zögere er noch mit einem Rechtsstreit gegen die Kirche, signalisierte ihm doch dazu bereits ein Fachanwalt für Bau- und Vergaberecht, dass die Gegenseite einen solchen Prozess wohl über mehrere Instanzen treiben könne. "Das wäre für einen kleinen Handwerksbetriebnatürlich ein erhebliches Kostenrisiko, sodass am Ende wieder mal das Recht des Stärkeren gilt!" merkt dazu Homberg nicht ohne Verbitterung an, zumal seine Familie über Generationen hinweg guten persönlichen und beruflichen Kontakt zur Möllenbecker Gemeinde gehalten hat. Der von uns auf den Sachverhalt angesprochene Pastor Roland Trompeter aus Möllenbeck verweist auf die Zuständigkeit von Dr. jur Johann Weusmann in der Verwaltung der reformierten Landeskirche in Leer, der gegenüber unserer Zeitung die Position der Bauherren so darstellt: "Der günstige Preis ist bei einer Ausschreibung nur das Eine. Homberg hat aber nicht überzeugend vermitteln können, wie er den Auftrag mit seiner vorhandenen Kapazität im vorgegebenen Zeitraum bewältigen könnte. Für eventuelle Verzögerungen hätte dies erhebliche Mehrkosten bei den darauffolgenden Arbeiten bedeuten können - und deshalb sahen wir uns veranlasst, die zusätzliche Bürgschaft einzufordern, um im Falle von Mehrkosten durch die Terminüberschreitung darauf zurückgreifen können." Im übrigenhabe die Kirchengemeinde bei freier Auftragsvergabe wiederholt auf die Arbeit der Tischlerei Homberg zurückgegriffen und beabsichtige dies auch in Zukunft. Homberg dazu: "Von diesen Aufträgen weiß ich nichts - aber was nicht ist, kann ja hoffentlich noch werden!"

Für Tischlermeister Ralf Homberg auch eine Imagefrage: "Im übrig
  • Für Tischlermeister Ralf Homberg auch eine Imagefrage: "Im übrigen sehe ich durch dieses Vorgehen bei der Auftragsvergabe auch mein Renommee als Tischlermeister beeinträchtigt, wenn ich auf diesem Wege von der Auftragsvergabe ausgeschlossen werde."


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