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Zivilcouragepreis: Am Ende gibt es nur Gewinner

veröffentlicht am 25.02.2012 um 16:00 Uhr

Erhielten den Zivilcourage-preis für das Jahr 2011 (v.{FSPACE}li.): Ralf Hartung, Björn S., Hans-Joachim Gründel und Karl-Heinz Meyer. Der fünfte Preisträger, Marco L., war nicht anwesend.

Hameln (fh). Die allerletzte Wahl war schwer, und letztlich der Jury offenbar unmöglich: 22 Fälle gingen ein, 16 kamen in die engere Auswahl. 16 Fälle, in denen jemand mutig und umsichtig zum Wohle anderer handelte. In denen etwa jemand einen Unfallflüchtigen meldete oder einen Dieb verfolgte. Jeder dieser Fälle verwies auf einen oder gleich mehrere Anwärter auf den Zivilcouragepreis der Stadt Hameln für das Jahr 2011.

Übrig blieben schließlich zwei Fälle (wir berichteten): Der eine, in dem ein Trio bei einem Einbruch in der Klütstraße richtig handelte und so entscheidende Hinweise auf die Tatverdächtigen lieferte. Der andere, in dem zwei Männer einen gehbehinderten Mann, der mit seinem Elektrorollstuhl in die Weser geraten war, aus dem Wasser zogen. „Im einen Fall wurde ein Leben gerettet – da geht nichts drüber“, sagte Polizeioberkommissar Jörn Schedlitzki, Leiter der AG Zivilcourage zum salomonischen Urteil der Jury. Doch im anderen hätte sich das Trio eben vorbildlich couragiert angesichts eines Verbrechens verhalten. Also gab es keine Verlierer, sondern nur Gewinner: die beiden Lebensretter Hans-Joachim Gründel und Karl-Heinz Meyer und die Zeugen aus dem Klütviertel Ralf Hartung und Björn S. Der Dritte im Bunde – Marco L.  – nahm seinen Preis gestern aufgrund einer Urlaubsreise noch nicht in Empfang.

Bevor die spannendste Frage des Abends geklärt wurde, gingen die Buchautorinnen Constanze Löffler und Beate Wagner aus Berlin dem Thema Zivilcourage auf den Grund. Warum helfen Menschen in der Praxis nicht, obwohl sie es – in der sicheren Theorie – doch ganz bestimmt würden? Eine größere Menge von Zuschauern – so war zu hören – erhöht etwa bei einem gewalttätigen Angriff die Wahrscheinlichkeit, dass jemand dem Opfer hilft, keineswegs. Ganz im Gegenteil: Die gaffende Masse lähmt – je mehr zusehen, desto geringer ist die Bereitschaft, einzugreifen. Auch ist nicht bei jedem Opfer die Bereitschaft gleich hoch, zu helfen: Dem gepflegt Aussehenden wird eher geholfen, als dem Obdachlosen, dem mit der gleichen Hautfarbe eher als dem mit einer anderen. Die Felder, auf denen Zivilcourage benötigt wird, werden nicht weniger, führten die beiden Ärztinnen aus. So beim Phänomen Cybermobbing – kein Vergleich zu früheren Schulflur-Gemeinheiten.

Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann würdigte in der Aula des Albert-Einstein-Gymnasiums neben den „Helden des Alltags“ die Arbeit im Bereich Kriminalprävention, betonte jedoch: „Es soll zukünftig bei der Prävention nicht nur um die Verhinderung von Straftaten gehen.“ Prävention solle früh einsetzen. Gegen den Bewegungsmangel von Kindern, gegen Mängel im Sozialverhalten, gegen Verschuldung schon im Jugendalter oder gegen den unkontrollierten Umgang mit Alkohol. Jugendarbeit und Prävention würden deshalb künftig miteinander verzahnt.

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