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Vor Gericht: Freund will die Leiche nicht beseitigt haben / Todeskampf dauerte mehrere Minuten

Zeuge widerspricht Bernd S.: "Frau nie gesehen"

Rinteln/Bückeburg (ly). Im Mordprozess gegen Bernd S. hat ein wichtiger Zeuge die Version des Angeklagten nicht bestätigt. Am ersten Verhandlungstag hatte S. zugegeben, die Rintelnerin Krystyna Pagacz-Znoj im November 2000 umgebracht zu haben. Gleichzeitig behauptete er, jener Freund habe die Leiche beseitigt. "Ich hätte die Polizei verständigt", erklärte der Zeuge ("Wir waren gute Freunde") gestern in einermit Spannung erwarteten Vernehmung vor dem Bückeburger Schwurgericht.

veröffentlicht am 02.09.2008 um 00:00 Uhr

Auch distanzierte er sich von der Darstellung des mutmaßlichen Mörders, wonach alle drei sich näher kannten. "Die Frau habe ich nie gesehen", sagte der 35-Jährige. "Bernd hat mir auch niemals erzählt, dass er eine sexuelle Beziehung mit ihr hatte." Dies versichert der Angeklagte. Er beteuert, Krystyna Pagacz-Znoj nicht vergewaltigt zu haben. Vielmehr soll es über mehrere Monate freiwillig zum Geschlechtsverkehr gekommen sein. Vorgeworfen wird S. von der Staatsanwaltschaft, das Opfer erwürgt zu haben, um eine vorausgegangene Vergewaltigung zu verdecken. Das wäre ein sogenanntes Mord-Merkmal. Fest steht, dass an der Leiche Spuren gefunden worden sind, die mit dem genetischen Fingerabdruck des Angeklagten "absolutübereinstimmen", wie ein Rechtsmediziner aus Hannover gestern bestätigte. "Kein Zweifel." Zum Todeskampf des Opfers sagte der Gutachter, dieser habe drei bis vier Minuten gedauert. "Es kann aber sein, dass die jeweilige Person dabei rasch das Bewusstsein verliert." Todesursache sei in diesem Fall"Gewalteinwirkung gegen den Hals" gewesen. Mit dem Leben davongekommen ist eine Eisbergerin (66), wobei Bernd S. diese Tat bestreitet. Eindeutig identifizieren konnte die Portanerin den 30-Jährigen vor Gericht nicht. Im September 2001 war sie auf dem Weg zur Arbeit gegen 5.30 Uhr überfallen und mit einem Knüppel niedergeschlagen worden. "Nach dem vierten Schlag lag ich da." Allein am Kopf erlitt das Opfer acht Verletzungen, darunter Schädelbrüche und große Platzwunden. "Noch heute höre ich das Knacken", erinnert sich die Rentnerin, die nach dem Überfall nicht mehr arbeiten konnte. "Der brauchte sich nicht anzustrengen", so die eher kleine Frau weiter. "Er war bestimmt zwei Köpfe größer. Ich nehme an, dass er sich hinter einem Baum versteckt hatte." Geblieben sind Schwindelgefühle, eine Hörbehinderung - und diese Furcht. "Die Angst wird immer bleiben", sagt die Eisbergerin. "Im Dunklen werde ich nicht mehr nach draußen gehen." An der 66-Jährigen waren ebenfalls Spuren von Bernd S. sichergestellt worden. In unmittelbarer Nähe des Tatorts an der Dankerser Straße zwischen Rinteln und Eisbergen hatte S. damals eine Werkstatt gemietet, wo er übrigens auch die Beute aus Banküberfällen in Eisbergen und Rehren versteckt hat. Der Angeklagte will die Frau bereits schwer verletzt gefunden haben, dann aber in Panik geflüchtet sein, weil das Opfer ihn an Krystyna Pagacz-Znoj erinnert habe. Der Prozess wird am kommenden Freitag um 9 Uhr fortgesetzt.

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