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Krone kehrt nach abenteuerlicher Odyssee unbeschädigt zurück / Pastor: "Sehr grenzwertig"

Zentralgestirn des Eveser Erntefestes wieder da

Bückeburg (bus). Das am zweiten Septemberwochenende in Evesen anstehende Erntefest wird im Vergleich zu seinen Vorgängern einen außerordentlichen Unterschied aufweisen: Die organisierende Dorfjugend wird die Erntekrone noch fester im Blick haben als gewöhnlich. Um die Krone, sozusagen das Zentralgestirn der Brauchtumsfeier, dreht sich eine abenteuerliche Geschichte. Dass diese letztendlich einen glücklichenAusgang nahm, mag als Garant für das Gelingen der bevorstehenden Feier genommen werden.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 14:39 Uhr

Die Eveser Dorfjugend freut sich mit Pastor Heinz Schultheiß (vo

Die Eveser Krone, ein mehr als drei Jahrzehnte altes Prachtexemplar von enormem Wert, war Anfang Juli (LZ-Bericht vom 9. Juli) spurlos von der Pfarrhaus-Diele der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Cosmas und St. Damian verschwunden. "Wir sind nicht begeistert", hatten Pastor Heinz Schultheiß, Ortsbürgermeister Horst Schwarze und Jörn Malsch (Vorsitzender der Dorfjugend) während der Bekanntgabe des mysteriösen Geschehens zu Protokoll gegeben. Das Trio wollte nicht an einen zu Erntefestzeiten durchaus üblichen "Streich" unfreundlicher Dorfjugend-Konkurrenz glauben. Dann kam ein Brief. Das an Malsch gerichtete Schreiben hätte einem drittklassigen Retro-Serienkrimi gut zu Gesicht gestanden. Der (oder die) Absender versuchte, seinem Anliegen mittels aus Zeitungen ausgeschnipselten Wörtern Ausdruck zu verleihen. Bei der zweiten Mitteilung hatte sich der Verfasser offensichtlich zeitgemäßer Computerdrucktechnik bedient. Ein Foto zeigte die unversehrte Beute, allerdings mit dem unschönen Vermerk "Ich bin in den Händen einer Geheimorganisation" verunziert. Beide Male ging es um das gleiche: 50 Liter Bier; abzustellen in einer verwaisten Betonröhre am Nammer Hundeübungsplatz. Zwei Tage, nachdem das Fass in den Kanalisationstubus verfrachtet worden war, lehnte die schmucke Krone unbeschädigt am Carport des Vorsitzenden. Was von den Bösewichtern womöglich doch als Streich gemeint war, hat in Evesen hohe Wellen geschlagen. Der Fall beschäftigte per Anzeige die Polizei. "Das hat nichts mehr mit einem Scherz zu tun", betont Dorfjugendvorstand Cord Siekmeier. Es handele sich um Diebstahl und Erpressung, ergo "kriminelles Handeln". Schwarze kündigt an, am Erntefestsonntag wohlweislich "ein paar Worte außerhalb des Normalen" vortragen zu wollen. Schultheiß, als Mann des Ausgleichs um die Glättung der Wogen bemüht, kommt trotz aller persönlicher Zurückhaltung um die Einschätzung "sehr grenzwertig" nicht herum. Die Grenze zwischen Brauchtum, Ulk und anderen Dingen sei rasiermesserscharf. "Wenn selbst Orte wie das Gemeindehaus nicht mehr respektiert werden ...", beginnt er einen Satz, dessen Ende aufschlussreiches Schweigenübertönt. Gleich wie. Die Räuberpistole weist auch eine gute Seite auf: Die Dorfjugend hat den Beschluss gefasst, eine Ersatzkrone anzufertigen. Ansonsten ist sie der festen Überzeugung, dass die Missetäter eines nicht allzu fernen Tages enttarnt werden können. Siekmeier: "Dann gucken die in die Röhre."

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