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Kleinenbremer Ortsgruppe der IG Bergbau, Chemie, Energie feiert 60. Geburtstag

Zeiten wandeln sich, die Aufgaben nicht

Kleinenbremen (ly). Eine Einladung der Kumpels würde Porta Westfalicas Altbürgermeister Heinrich Schäfer niemals ausschlagen. "Von Kindesbeinen an habe ich ein Faible fürs Bergwerk", gesteht er. In Kleinenbremen war Schäfer deshalb gerade richtig. Gefeiert wurde der 60. Geburtstag der Ortsgruppe in der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie,Energie. In Nammen, zwei Dörfer weiter, liegt die einzige Eisenerzgrube Deutschlands, die in Betrieb ist. Noch heute zählt die Ortsgruppe stattliche 320 Mitglieder. Vorbei sind allerdings die großen Zeiten des Eisenerzbergbaus im Wesergebirge.

veröffentlicht am 10.09.2008 um 00:00 Uhr

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Gründung war im Januar 1948, bevor 1954 die Zeche Nammen mit der Grube Kleinenbremen zusammengelegt wurde und auch beide Ortsgruppen fusionierten. Den Vorsitz hat seit 2000 Wolfgang Hanselong, der in einer Rede sechs Jahrzehnte Revue passieren ließ. "Im Mittelpunkt stand immer eine Verbesserung dersozialen Absicherung von Bergleuten und ihren Familien", betonte Hanselong. Als Hauptredner hatten die Kleinenbremer Gewerkschafter Bezirksleiter Dieter Weniger verpflichtet, und der gab sich kämpferisch. Als wichtigste Ziele seiner Organisation nannte Weniger soziale Gerechtigkeit, Mitbestimmung und Solidarität mit den Schwachen. "Deutschland ist ein reiches Land", sagte er. "Unsere Kollegen erwarten, dass sie am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt werden, damit der Aufschwung bei ihnenankommt." Soziale Gerechtigkeit sei die Grundlage für ein Leben in Würde. Als sozial ungerecht bezeichnete der Bezirksleiter die Rente mit 67, "denn sie respektiert die Leistung der Älteren nicht". Den größten Respekt hat Weniger vor der Ortsgruppe Kleinenbremen: "Über sechs Jahrzehnte kontinuierliche Gewerkschaftsarbeit hinzubekommen, ist eine einmalige Leistung." Solidarität und das füreinander Einstehen hätten die Gruppe "in einer Gesellschaft der Ellenbogenmenschen" besonders geprägt. "Hier", so Weniger, "ist Solidarität keine Vokabel für Sonntagsreden." Für den Bundestagsabgeordneten Lothar Ibrügger (Jahrgang 1944) sind die 60 Jahre "wie im Flug vergangen". Er kann sich noch gut erinnern "an kohlrabenschwarze Männer, die in die Grube ein- und ausfuhren, um unser Land aus Schutt und Trümmern wieder aufzubauen". Eine Kraftquelle des Aufbaus sei das Prinzip der Einheit von Gewerkschaft und Betrieb gewesen. DGB-Regionsvorsitzender Roland Engels warnte vor "Bestrebungen, dass jede Branche ihre Fachgewerkschaft hat". Portas Bürgermeister Stephan Böhme sprach von "60 Jahren Basisarbeit" und "ehrenamtlichem Engagement im Dienste von Arbeitnehmern und der gesamten Gesellschaft". Die Zeiten, so Böhme, hätten sich gewandelt, nicht jedoch die Aufgaben. Wie bei jeder Gründungsfeier waren auch in Kleinenbremen Jubilare zu ehren. Seit 60 Jahren dabei sind Herrmann Becker und Oswald Korff, zwei Männer der ersten Stunde. Für 50-jährige Mitgliedschaft wurden Günther Schreiber, Horst Mittelstädt und Hans-Jürgen Vogt ausgezeichnet, für vier Jahrzehnte in der Gewerkschaft Alfred Klimmek. Seit 25 Jahren dazu gehören Ralf Vollriede, Uwe Heidorn, Klaus Lefering, Thorsten Seyb, Jörg Duhr und Wilfried Rösener.

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