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Zeichen der Zeit immer noch nicht ausreichend verstanden

Zu: „,Depressive Grundstimmung‘ in der Kirche“, vom 21. September

veröffentlicht am 27.09.2019 um 18:47 Uhr

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Haben die Kirchen – in Sonderheit die Evangelische Kirche – den Schuss nicht gehört, oder wollten sie ihn nicht hören? Wie schrieben schon 1967 zwei Studenten in Hamburg auf schwarzem Trauerflor „Unter den Talaren – Muff von tausend Jahren“. Wenn auch dieser provokative Text sich zunächst an die Hochschule, ihre Strukturen und Traditionen richtete, die sich weitgehend immer noch am „Tausendjährigen Reich“ ausrichteten, so konnten sich doch alle Institutionen in der Gesellschaft, in denen es Talare, ähnliche Strukturen und Traditionen gab, angesprochen fühlen! Und wenn Michael B. Berger heute Prof. Gerhard Wegner zitiert, der den Kirchen zu mehr „Mut“ rät und schreibt: „... das muffige Image müsse nicht bleiben“, dann erinnert er indirekt an die Zeit von 1967 ff., als dieser Protestaufruf eine Wende in der gesamten Gesellschaft und im Zeitgeist einleitete. Heute stehen die Kirchen immer noch in Gefahr, die Zeichen der Zeit immer noch nicht ausreichend verstanden zu haben. Es mangelt dringend an einer Studienreform für Pastoren. Eine Anpassung an die heutige Zeit, den Wandel der Werte, kann die Kirche nur mit modern ausgebildeten Pastoren erreichen, nicht aber mit überforderten und im lebenslangen Praxisschock lebenden Pastoren.

Danach folgt in der Prioritätenliste der nötigen Reformen das theologische und kirchliche Know-how, inklusive Veränderungen der Gottesdienste in Zeit, Form und Inhalt. Überhaupt, Kirche sollte ein neues Bild von sich entwerfen, greifbarer in der Symbolik, konkret genug, dem Leben, der Zukunft, dem Erhalt des Planeten zugewandt. Nach den Vorgaben und Reformen Martin Luthers konnte die evangelische Kirche mutiger voranschreiten. Sie kennt keine Dogmen mehr, muss weniger theologischen und kirchlichen Ballast mit sich herumtragen, sie lebt gut ohne einen Vatikan. Was noch fehlt, sind selbstbewusste, ohne Ängste vor der „ewigen Verdammnis“ lebende Christen und Gemeinden. Hier dürfte das neue Lernziel in einer modernen Pastorenausbildung liegen. Denn das alte Leitbild vom „Hirten und der Herde“ ist mindestens missverständlich und für aufgeklärte, in der eigenen persönlichen Entwicklung vorangekommene Menschen emanzipatorisch kaum mehr vermittelbar.



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