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Das Einkaufszentrum feiert den ersten runden Geburtstag – Zeit für eine Zwischenbilanz

Zehn Jahre Stadt-Galerie Hameln

HAMELN. Wer heute zwölf, dreizehn Jahre alt ist, hat weder Bilder vom Kreishaus, noch von Hertie im Kopf – sondern freut sich über Geschenkgutscheine aus dem Shoppingcenter. Dass der Eröffnung im Frühling 2008 heiße Jahre vorausgegangen waren, in denen sich ein tiefer Graben zwischen Befürwortern und Gegnern des Baus aufgetan hatte, wissen sie auch nicht. Heute gibt es Hameln mit. Mit Stadt-Galerie.

veröffentlicht am 27.09.2018 um 18:09 Uhr
aktualisiert am 06.12.2018 um 20:29 Uhr

Zum Pferdemarkt fügt sich die Stadtgalerie perfekt in das alte Ensemble ein, weil die Fassade des alten Kreishauses erhalten geblieben ist. Dass sich hinter dem Haupteingang fast 100 Geschäfte befinden, lässt sich von diesem Standpunkt aus nicht erah
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Die Fotos sind Futter für Nostalgiker: das rote Backsteingebäude, in dem Hertie und später Real untergebracht waren, das gelbe Kreishaus, dessen Front das Gesicht des Pferdemarkts geprägt hat. Während letzteres im Ansatz erhalten blieb, ist von dem alten Hertie-Komplex nichts mehr übrig. Noch immer und wie immer bei gravierenden Veränderungen trauern einige dem Vergangenen hinterher, fanden schöner, was damals war, und schwelgen in Erinnerungen. Parallel dazu wächst die Generation heran, die ihre Heimatstadt nur „mit“ kennt. Wer heute zwölf, dreizehn Jahre alt ist, hat weder Bilder vom Kreishaus, noch von Hertie im Kopf – sondern freut sich über Geschenkgutscheine aus dem Shoppingcenter. Dass der Eröffnung im Frühling 2008 heiße Jahre vorausgegangen waren, in denen sich ein tiefer Graben zwischen Befürwortern und Gegnern des Baus aufgetan hatte, wissen sie auch nicht. Heute gibt es Hameln mit. Mit Stadt-Galerie.

Im März 2002 berichtete die Dewezet erstmals von „Neuen Plänen rund ums Kreishaus“ und fragte in der Überschrift nach einem „Rettungsanker für die Altstadt?“ Damals hatten gerade die ersten Gespräche zwischen der Hamburger Center-Betreibergesellschaft ECE und der Stadt Hameln stattgefunden und mündeten nach vielen Treffen und Diskussionen sechs Jahre später in der von etlichen befürchteten und von vielen begrüßten Eröffnung der großen Einkaufsgalerie am 11. März 2008.



19 000 Quadratmeter, fast 100 Shops (aus drei Läden im Untergeschoss wurde gerade einer gemacht), 500 Parkplätze, Investitionsvolumen 90 Millionen Euro. Von oben betrachtet, sieht die Stadtgalerie aus wie ein riesiges Ufo, das neben der winzig erscheinenden Pfortmühle gelandet ist. Bevor mit nahezu 20 000 Quadratmetern Fakten geschaffen wurden, waren auch wesentlich kleinere Alternativen von einigen Einzelhändlern als viel zu groß verteufelt worden.

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Was vom Pferdemarkt aus gesehen kaum sichtbar wird, ist von oben betrachtet ganz deutlich: die Ausmaße der Stadt-Galerie.

Die größten Befürchtungen: Der Handel in der Altstadt stirbt aus, die Mieten sinken drastisch, der Verfall der Altstadt wurde prognostiziert. Im Januar 2006 sagte Hamelns damaliger Oberbürgermeister Klaus Arnecke: „Ich hoffe, dass wir die Weichen für die Stadt richtig gestellt haben.“ Haben sie? Haben die Ratsfrauen und -herren die richtige Entscheidung getroffen, als sie für den Bau der Stadtgalerie in dieser Dimension stimmten?

Stadtmanager Dennis Andres meint: Ja. Auch, wenn sich die Befürchtung der Immobilienbesitzer bewahrheitet hat: Die Mieten sind gesunken – doch aus Andres‘ Sicht passen der Renovierungsstand und die verlangte Miete in einigen Fällen noch immer nicht zusammen. 80 Euro pro Quadratmeter gehören der Vergangenheit an. Leerstand gibt es, ja, im Jahr 2017 (5,7 Prozent) laut Andres etwas mehr als im Jahr 2014 (4,6 Prozent), wobei der Anstieg auch mit einer neuen Vermessung begründet wird. Sogenanntes Trading-Down – dass mehr Billigläden in der Stadt vertreten sind als vor zehn Jahren – lässt sich ebenfalls wahrnehmen. Was davon allein der Stadt-Galerie zuzuschreiben ist, lasse sich dagegen nicht ermitteln.



Die östliche Osterstraße habe sich mittlerweile gut erholt, sagt Andres. Dort hatte die Frequenz der Besucher nach Eröffnung des Shoppingcenters am stärksten abgenommen. Damals, sagt der Stadtmanager und bezieht sich auf ein Gutachten der GfK aus dem Jahr 2010, „hatte auch die Frequenz in der Mitte abgenommen“, was sich „dank Rossmann wieder gut erholt hat“. Bäcker- und Ritterstraße verzeichneten inzwischen eine nahezu identische Frequenz. Ansonsten gibt „es keine Hinweise darauf, dass sich die Frequenzen verändert haben“ seit der GfK-Erhebung.

Die östliche Osterstraße hat sich gut erholt. In ihr hatte die Frequenz der Besucher am stärksten abgenommen.

Dennis Andres, Stadtmanager Hameln


Mit Leerstand, grundsätzlich, ist Dennis Andres zwar auch nicht glücklich. Vor allem an der Emmernstraße stehen derzeit mehrere Läden leer; auch in der Bäckerstraße ist Luft. Doch in vielen Fällen, vom Betrachter unbemerkt, ist nach Andres‘ Schilderungen Bewegung drin. Selbst fürs ehemalige Brunnencafé gebe es aktuell wieder einen Interessenten. Im Oktober präsentierten Andres und sein Team die Einkaufsstadt Hameln auf der Expo-Real, der größten Immobilien- und Investitionsmesse Europas, um Interessenten zu locken. Unterm Strich steht Hameln gut da: „Wir haben bei der Erhebung Vitale Innenstädte eine 2,3 bekommen – da haben wir super abgeschnitten.“

Eine gut besuchte, lebendige Innenstadt ist auch für die Stadt-Galerie wichtig, wie die Centermanager der vergangenen Jahre immer wieder betont haben. Auch Vivien Wilmers, die das Center seit zwei Jahren leitet, stößt in dasselbe Horn, wenn es um die Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing und den Schulterschluss mit den Händlern „draußen“ geht: „Wir haben alle das gleich Ziel: Hameln als Einkaufsstadt stärken.“



Vor fünf Jahren war vom Hamelner Stadtmarketing (in dem auch die Stadt-Galerie Mitglied ist) noch postuliert worden, dass das Zusammenspiel zwischen den beiden Parteien besser funktionieren könnte, dass sich Center-Management und Stadtmanager besser abstimmen könnten. Inzwischen klappt das laut Andres gut. „Natürlich macht die Stadt-Galerie auch noch ihre eigenen Aktionen“, aber sie ist eben auch mit von der Partie, wenn Hamelns große Party „Pflasterfest“ die Menschen zieht oder der Stadtgalerie-Lauf Besucher in die Innenstadt lockt.

80 Prozent der knapp 18 800 Besucher, die im Schnitt täglich ins Einkaufscenter gehen, kommen laut Vivien Wilmers durch den Haupteingang am Pferdemarkt, den Busbahnhof, den Seiteneingang gegenüber der Kreissparkasse und die Ritterpassage. Die übrigen 20 Prozent kommen übers Parkdeck. Und „nahezu jeder, der ins Center geht, geht auch in die Innenstadt“, sagt Wilmers.

Aus Betreibersicht ist die Stadt-Galerie Hameln ein Erfolgsmodell. Sie hat sich einen „außergewöhnlich hohen Stammkundenanteil geschaffen“, wie Wilmers erklärt. Im Schnitt seien das in den Centern 60 Prozent, Hameln schaffe es auf 80 Prozent. Das einst definierte Einzugsgebiet von 367 000 Einwohnern werde immer noch erreicht, eine Ausdehnung Richtung Hannover oder Bielefeld sei unrealistisch. Die Kennzahl, die aussagt, wie viel Kaufkraft von außerhalb Hamelns in die Stadt kommen – die Einzelhandelszentralität – ist nach IHK-Berechnungen von 146 im Jahr 2007 auf 171,5 im Jahr 2017 gestiegen, mehr Geld als vorher fließt also aus der Umgebung nach Hameln.


Über die Höhe der Umsätze, die innerhalb der Stadtgalerie erwirtschaftet werden, wird allerdings geschwiegen. Vor allem eines wertet Wilmers jedoch als Zeichen dafür, dass das Center funktioniert: Die meisten Mieter aus der Anfangszeit sind auch heute noch, zehn Jahre später, mit dabei, und der aktuelle Leerstand – vier Läden – sei eine gute Quote. Für das „Fehlsortiment Elektro“ gebe es nach wie vor keine konkreten Neuigkeiten, und zum Thema „Real“, dessen Zukunft aufgrund der Verkaufsabsichten durch den Metro-Konzern ungewiss scheint, sagt Wilmers: „Es wird immer einen Supermarkt in der Galerie geben.“ Derzeit gebe es mit Real aber noch ein „langfristig bestehendes Mietverhältnis“.

Die Regeln der Stadtgalerie haben auch „draußen“ Wirkung gezeigt: Viele Einzelhändler haben laut Stadtmanager Andres ihre Öffnungszeiten verändert und beispielsweise die Mittagspause abgeschafft. Was einen die Stadt-Galerie noch lehrt? Erkennen, „was man alles machen kann, wenn alle mitmachen“. Was im Center qua Vertrag funktioniert: das Ziehen an einem Strang. Alle leisten einen Beitrag zum Marketingbudget, alle beteiligen sich an Aktionen. Dagegen sind im Stadtmarketing „nicht alle Händler Mitglied“. Und unter einigen Händlern herrsche noch immer die negative Stimmung, die vor zehn Jahren Ton angebend war. Für Andres ist das Geschichte, das eine gibt es jetzt mehr nicht ohne das andere – die Glückwünsche des Stadtmarketings in der Center-Zeitung, die vergangene Woche erschienen ist, lauteten daher: „Wir gratulieren zu zehn Jahren Stadt-Galerie und der Stadt-Galerie zu zehn Jahren Hameln.“



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