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Innung sieht starke Gefährdung wohnortnaher Versorgung / Bückeburger: Branche am Boden

Zahnlabore landesweit vor dicken Löchern

Bückeburg (bus). Die Niedersächsische Zahntechniker-Innung (NZI) warnt vor einer starken Gefährdung der wohnortnahen Zahnersatzversorgung. In einer von der Bückeburger Zahntechnik Winkelhake& Schulz GmbH angeregten Pressemitteilung heißt es: "Bei der Zahnersatzversorgung existiert ein Preiskampf, der die Labore landesweit vor katastrophale Probleme stellt". Kurt Winkelhake und Achim Schulz berichten von "bedrohlichen Umsatzrückgängen und einer akuten Gefährdung von Arbeitsplätzen". In ihrem Labor stünden zudem drei Ausbildungsplätze vor einer ungewissen Zukunft.

veröffentlicht am 20.02.2008 um 00:00 Uhr

Kurt Winkelhake - das Foto zeigt eine Szene aus dem Laboralltag

Was den Betroffenen unangenehm aufstößt, ist das Mitwirken der gesetzlichen Krankenkassen. Die Kassen richteten mit Beitragsgeldern finanzierte Internetportale ein, die Preisvergleiche mit Anbietern aus Billiglohnländern ohne vergleichbare Sozialschutzgesetzgebung ermöglichten. Die AOK Niedersachsen böte Rabattverträge als Einzelverträge an und habe diese auch schon mit Billiganbietern, die Zahnersatz aus China oder der Türkei importieren, abgeschlossen. "Dieses Verhalten der größten Krankenkasse in Niedersachsen, die von den Sozialversicherungsbeiträgen der Lohnempfänger in Deutschland lebt", schreibt die NZI, "unterstützt damit die Abwanderung von Aufträgen ins Ausland und befördert somit weitere Arbeitslose und in der Folge geringere Krankenversicherungsbeiträge im eigenen Land." Durch diese Maßnahmen sei besonders auch die Gemeinschaft der Innungslabore des Landkreises Schaumburg in ihrer Existenz gefährdet, weil sie dem Gebaren hilflos gegenüber stehe. "Unsere Messer sind stumpf, aber die Gegenseite verfügt über scharfe Waffen", verdeutlichen Winkelhake und Schulz, die die gesamteBranche seit Einführung der Festzuschüsse (2005) "am Boden" sehen. Nach NZI-Angaben sind seitdem, bedingt durch die Entlassung von Mitarbeitern, die Lohnsummen der von ihr betreuten Betriebe um 30 Prozent zurückgegangen. Häufig könnten junge Gesellen nicht übernommen werden, die Zahl der Betriebsschließungen und Insolvenzen nehme zu. Die Innung weiter: "Die Preisentwicklung des Zahntechnikerhandwerks lag von 1992 bis 2006 bei 102 Prozent; das Gesamthandwerk befindet sich im Vergleich dazu im gleichen Zeitraum bei 142 Prozent." Winkelhake und Schulz machen auf eine Resolution der Auszubildenden des aktuellen Jahrgangs 2007/2008 aufmerksam, in der Politik und Krankenkassen aufgefordert werden, "den Kurs der Perspektivlosigkeit junger und gut qualifizierter Menschen zu verlassen und sich auf soziale Werte zurück zu besinnen." Was auch die Schaffung gleicher Wettbewerbsbedingungen für alle beinhalte. Rückenwind erhalten die Techniker von der Zahnärztekammer Niedersachsen (ZKN). Auf der Suche nach dem billigsten Anbieter würden "Kompromisse bei Sicherheit und Patientenschutz" eingegangen, sagte jüngst ZKN-Präsident Dr. Michael Sereny. Sereny erinnerte in diesem Zusammenhang an Rückruf aktionen für vergiftetes Spielzeug aus China. "Das lässt sich leichter zurückrufen als ein einzementierter Zahnersatz." Den Patienten, die sich Zahnersatz aus dem Ausland einbauen ließen, werde zwar außer den geringeren Kosten "als Bonbon noch fünf Jahre Garantie versprochen", diese sei aber spätestens dann Makulatur, wenn das fernöstliche Labor Insolvenz angemeldet habe. Sereny: "Die Dummen sind dann die Patienten und die Zahnärzte." Lutz Wolf, Obermeister der niedersächsischen Zahntechniker-Innung, appelliert an die Krankenkassen, zukünftig nicht mehr mit Billig anbietern zusammenzuarbeiten. Die größte Sicherheit und den höchsten Schutz erhielten Patienten ausschließlich in den hiesigen Innungsbetrieben. "In Deutschland kann man den besten Zahnersatz der Welt bekommen", stellen Winkelhake und Schulz heraus. Und der sei "seinen Preis dicke wert".



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