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Holzhausen: "Hätte das Gegenteil erwartet" / Folie an Begrenzungspfählen soll abschrecken / Rannenberg als Schwerpunkt

Zahl der Wildunfälle steigt - zur Überraschung der Jäger

Auetal (rnk). Das Reh war nicht zu retten. Stieß mit dem Auto zusammen, wurde auf die Gegenfahrbahn geschleudert, stieß mit einem Transporter zusammen und blieb tot im Kühler stecken. Lediglich Kopf und Vorderbeine schauten noch aus dem Fahrzeug heraus.

veröffentlicht am 07.04.2007 um 00:00 Uhr

Immer schön vorsichtig und nicht auf die Straße rennen: Der Früh

Spektakulär und tragisch, aber kein Einzelfall. Auf stark zunehmende Zahlen weist die Polizei Rinteln bei der Vorstellung ihrer Unfallstatistik hin: Die Zahl der Unfälle mit Wild steigt. Waren es 2003 insgesamt 18 Unfälle und ein Jahr später sogar nur elf, so wurden 2005 und 2006 jeweils 25 Wildunfälleverzeichnet - ein recht deutlicher Anstieg. Für den Vorsitzender der Kreisjägerschaft ist dies auf den ersten Blick eine Überraschung: "Ich hätte eigentlich das Gegenteil erwartet", sagt Henning Holzhausen. Und verweist auf umfangreiche Maßnahmen, die seit gut drei Jahren in Absprache mit der Polizei an bekannten Wildunfallschwerpunkten eingeleitet wurden. Außerdem, so Holzhausen, habe man sich intern, also in der Jägerschaft, mit dem Thema ebenfalls stark beschäftigt. Im Auetal, so Holzhausen, sei eigentlich mit einem Rückgang der Unfälle gerechnet worden. Diese Hoffnung nährt eine neue Methode, die das Wild am Überqueren der Straßen hindern soll. An den straßenabgewandten Seiten der Begrenzungspfähle wird eine Folie angebracht, die - vereinfacht ausgedrückt - Licht innerhalb dieser Folie so leitet, das es in Wald und Flur reflektiert und die Tiere abschreckt.Ein Plan, den die Jägerschaft in enger Absprache mit der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg erarbeitet hat. Zumindest bei den Versuchen an den Feldern seien Erfolge festgestellt worden, während in den reinen Waldgebieten, in denen also links und rechts der Straße die Bäume dicht an dicht stehen, die Wirkung nicht ganz so stark wie erhofft gewesen sei. Dass in den Wäldern mehr Wild beheimatet wäre als noch vor Jahren, schließt Holzhausen aus: Die Zahl der Tiere, die von den Jägern zur Strecke gebracht werden, beweise das Gegenteil. Seien vor fünf Jahren noch etwa 1000 Wildschweine geschossen worden, so liege die Zahl im am 30. April zu Ende gehenden Jagdjahr nur noch bei 600 erlegten Borstentieren. Bei Rehwild sei die Entwicklung identisch, so Holzhausen. Nicht auszuschließen, so formuliert es der Kreisjägermeister ganz vorsichtig, sei zudem, dass freilaufende Hunde die Tiere in Feld und Flur so stark aufschrecken würden, dass sie panikartig über die Straßen rennen würden. Hier hat Holzhausen für die nächsten Wochen und Monate immerhin eine kleine Hoffnung: Seit dem 1. April gilt bis zum 15. Juli der Leinenzwang für Hasso und Bello. Holzhausen verweist auf weitere Aspekte, die mit Wildunfällen einher gehen. Oftmals würde das Tier nicht sofort getötet. Daher werde dann der Jäger gerufen, dem wiederum diese Zeit dann bei der Arbeit woanders fehlen würden. Außerdem sei Wild, das bei Unfällen getötet werde, nicht so zu vermarkten wie geschossenes Wild. Jedes Tier, das auf der Straße verende, habe eine Wirkung auf die wirtschaftliche Situation des Jägers. Und auch der normale Bürger sei indirekt von den Wildunfällen betroffen - durch die Versicherungen. Laut Statistik verursache jeder Wildunfall einen durchschnittlichen Versicherungsschaden von über 1000 Euro. Schwerpunkte der Wildunfälle sind der Statistik auch zu entnehmen. So sollten Autofahrer in Rannenberg auf der Landesstraße besonders vorsichtig fahren, das Dreieck zwischen Rehren, Westerwald und Altenhagen ist für Autofahrer und Wild ebenfalls gefährlich.

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