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Wolfgang Krüger: Vermutlich keine Aussicht auf Erfolg / Nach Starkregen auf Ackererde ausgerutscht

Zähneknirschend: Ahnser zieht Klage zurück

Ahnsen/Heeßen (tw). Das war's dann. Nachüber drei Jahren ist jetzt ein Rechtsstreit zu Ende gegangen, den ein Ahnser mit der Samtgemeinde ausgefochten hat und welcher zuletzt sogar das Amtsgericht beschäftigte. Nun hat der Bürger zähneknirschend aufgegeben und seine über den Anwalt Friedbert Wittum (Anwaltshaus Schaumburg, Obernkirchen) eingereichte Klage zurückgezogen.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 13:46 Uhr

"Das schmerzt": Wolfgang Krüger zeigt an der Unfallstelle die So

Der strittige Vorfall,über den die Landes-Zeitung damals ausführlich berichtete, ereignete sich am 8. Mai 2004 um 15.30 Uhr. Wolfgang Krüger, damals 62, ging mit seinem Riesenschnauzer "Imo" auf dem Heeßer Kastanienweg spazieren. Am Vortag hatte es stark geregnet, das Bett der Aue war angeschwollen. Nach wenigen hundert Metern stieß er auf eine "etwa zehn Zentimeter dicke Schlammschicht", die den Weg auf einer Fläche von zehn Metern blockierte. "Der Regen hatte Erde von der Ackerböschung rechts des Asphalts herab gespült", sagt Krüger. Das Tückische daran: Der Schlamm soll durch die Sonnenstrahlen des 8. Mai nur an derOberfläche getrocknet gewesen sein, darunter habe sich glitschiger Brei verborgen. Als der Ahnser die ersten Schritte tat, rutschte er aus, stürzte, brach sich den rechten Unterarm und prellte sich das Knie. "Mein ,Imo'", so Krüger, "schob seine Schnauze unter meinen Arm, wollte mir hochhelfen." Schließlich kam er aus eigener Kraft auf die Beine. "Ich sah aus wie ein Schwein, eine Schuhsohle war gerissen, der Mantel nicht mehr zu retten." Krüger ließ sich in der Unfallchirurgie des Krankenhauses Bethel behandeln. Fünf Besuche seien nötig gewesen. "Rechne ich meinen Verdienstausfall sowie die Kosten für Medikamente, Taxifahrten und die zerrissene Kleidung zusammen, hat mich der Spaziergang rund 1500 Euro gekostet", bilanziert der Ahnser. Krüger wandte sich an die Polizei Bückeburg, welche die Unfallstelle fotografierte - und wandte sich dann an die Samtgemeinde als Eigentümerin des Weges. Die nämlich habe den Asphalt nicht abgesperrt und so den Unfall mit verursacht. Die Samtgemeinde indes verwies in zwei Briefen an Krüger auf die Schilderung der Polizei: "Demnach", so die Behörde, "war der sich auf dem Weg befindliche Schlamm zum großen Teil schon getrocknet und stellte keinerlei Gefahrenstelle da." Sofern der Ahnser Schadenersatz geltend machen wolle, müsse er sich an den "Verursacher" - den Heeßer Landwirt, dem der Acker gehört - wenden. Die Samtgemeinde in einem Folgebrief: "Anhaltspunkte für eine schuldhafte Verletzung der Verkehrssicherungspflicht ergeben sich nicht." Grundsätzlich habe jeder Bürger die Straßen und Wege in dem Zustand hinzunehmen, in dem sie sich ihm darbieten. "Ein Verkehrsteilnehmer kann grundsätzlich nicht erwarten, überall optimale Straßenverhältnisse vorzufinden. Er muss sein Verhalten vielmehr den örtlichen Gegebenheiten anpassen." Wenn es in einer solchen Situation dennoch zu einem Unfall komme, sei das ausschließlich Eigenverschulden. Dieser Argumentation, fürchteten Krüger und sein Anwalt jetzt, würde sich auch das Amtsgericht Bückeburg anschließen. "In der Polizeiakte steht: ,Der Schlamm war zum großen Teil schon getrocknet und stellte keinerlei Gefahrenquellen dar'", ärgert sich der Ahnser. Weil seine Klage gegen die Samtgemeinde damit keineAussicht auf Erfolg habe, habe er sie zurückgezogen, sagt Krüger, der heute noch Spritzen gegen die Schmerzen bekommen will. Womöglich indes hat die Kommune aus dem Vorfall von damals gelernt. "Als Pfingsten 2007 das Unwetter über der Samtgemeinde niederging, wurden ausgespülte Wege in Bad Eilsen und Ahnsen mit Flatterband abgesperrt", erinnert der Geschädigte. Für ihn selbst kam diese Weitsicht freilich zu spät.

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