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Molche verblüffen mit besonderer Eigenschaft – und haben ihren eigenen Kopf

Wunderheiler im Gartenteich?

HAMELN. Er lebt im Wasser und an Land, erinnert optisch an ein winziges Krokodil und hat seinen ganz eigenen Kopf. Nach dem Winter an Land will er wieder dahin, wo er herkommt: nach Hause, also in exakt das Gewässer, in dem er zur Welt gekommen ist. Außerdem soll er dazu imstande sein, abgetrennte Gliedmaßen wieder herzustellen. In unserer Serie „Einfach tierisch“ geht es heute um den Molch.

veröffentlicht am 24.05.2018 um 17:29 Uhr
aktualisiert am 25.05.2018 um 10:52 Uhr

Beim Bergmolch ist es wie bei den Enten: Das Männchen setzt optisch Akzente. Kleines Bild: Sammelergebnis einer Molch-Rettungsaktion der Nabu-Gruppe Hessisch Oldendorf/Hameln. Fotos: Kathy Büscher/Rudolf Meyer(pr)
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Der Molch sorgt immer mal wieder für Schlagzeilen. „Wunderheilung verblüfft Wissenschaftler“, hieß es zum Beispiel bei Spiegel online über den mexikanischen Molch Axolotl. Molche können „verloren gegangene Glieder und Organe vollständig neu ausbilden“, heißt es im „Weltreich der Tiere“, herausgegeben von Tierfilmer und Publizist Heinz Sielmann (1917-2006), auch über die heimischen Molche. Selbst Augen und abgerissene Gliedmaßen würden vollständig wieder aufgebaut. Klingt wie ein Wunder, das sich noch dazu direkt vor unserer Haustür in den Garten- und Waldteichen ereignen soll.

Doch auf Nachfrage bei einem, der es wissen muss, legt sich die Euphorie wieder. Das viel gepriesene Regenerationsvermögen der Molche finde in unserer Region „nur in ganz geringem Maße“ statt, sagt Bruno Scheel aus dem Landkreis Schaumburg vom Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen. „Woanders," wie eben etwa in Mexiko, „da wachsen den Molchen ganze Gliedmaßen nach“, so der Amphibien-Experte. Zwar hätten auch die hiesigen Molche die Fähigkeit zur Regeneration. Die sei hierzulande bisher aber nur „bedingt beobachtet“ worden.

Relativ leicht zu beobachten sind dagegen die heimischen Molche an sich. „In jedem guten Teich ist ein Molch“, sagt Rudolf Meyer von der Arbeitsgemeinschaft Amphibienschutz der Nabu-Gruppe Hessisch Oldendorf/Hameln. Was einen „guten Teich“ ausmache, das seien mit Blick auf den bevorzugten Lebensraum des Molches eine vorhandene Flach- und Tiefzone sowie ein wenig Pflanzenbewuchs. Letzterer diene den Amphibien sowohl zum eigenen Schutz als auch zum Ablaichen.

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Die in der Region am meisten verbreiteten Molcharten sind Meyer zufolge allen voran der Fadenmolch, gefolgt vom Bergmolch, Teichmolch und Kammmolch, in dieser Reihenfolge. Der Bestand der Tiere sei schwer zu schätzen. Nur so viel: In diesem Jahr habe die Nabu-Gruppe Hessisch Oldendorf/Hameln „gut 800 Molche“ an den Zäunen eingesammelt.

Zäune – vier Stück an der Zahl, aufgestellt in Hameln, Unsen, Hemeringen/Posteholz und Zersen –, welche die Molche nach dem Winter auf ihrem Weg zu ihren Heimatgewässern daran hindern sollen, schwer befahrene Straßen zu überqueren. Eine Maßnahme zur Bestandssicherung der Tiere.

Ab einer Lufttemperatur von 4 Grad Celsius, also etwa Ende Februar, Anfang März, wie Meyer sagt, bricht der Molch in seinem Winterquartier auf und verlässt die Laubhaufen oder Erdlöcher, in denen er die kalten Monate in einer Winterstarre verbracht hat. Ziel ist für jeden einzelnen Molch das Gewässer, in dem er zur Welt gekommen ist, sich vom Laich zur Larve, von der Larve zum erwachsenen Molch entwickelt hat. Versuche, einem Molch den Weg abzunehmen und ihn in das nächstbeste Gewässer zu setzen, sind daher eher zum Scheitern verurteilt. Wenn es nicht zufällig sein heimisches Gewässer ist, wird der Molch es wieder verlassen, um unbeirrt sein Stammgewässer ansteuern. Nur wenn das nicht mehr existiert, wird der Molch notgedrungen auch it einem anderen Gewässer vorliebnehmen, so Rudolf Meyer.

Bereits kurz nach Ankunft im trauten Teich beginnen die Molche mit der Paarung, nur einige Tage später laichen die Weibchen. Aus dem Laich schlüpfen die Larven, die sich schließlich zum erwachsenen Molch entwickeln. Geschlechtsreif sind sie jedoch erst nach zwei bis drei Jahren. „Je nach Art werden sie bis zu 18 Jahre alt, in Gefangenschaft noch älter“, sagt Bruno Scheel.



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