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Lehrer an der Grundschule Nord lernen, wie Schüler ihre Konflikte gewaltlos lösen können

Wütend, neidisch, gekränkt? Denk an Faustlos!

Rinteln (cok). Eine ziemlich spannende Fortbildung absolvierten die Lehrerinnen und Lehrer der Grundschule Nord, als sie sich einen ganzen Wochenendtag lang darauf vorbereiteten, das Gewaltpräventionsprogramm "Faustlos" in den Unterricht ihrer Schüler zu integrieren.

veröffentlicht am 31.03.2007 um 00:00 Uhr

Einen Koffer voller Unterrichtsmaterialien und vor allem mit aus

Die Diplompsychologin Petra Kirchberger vom Heidelberger Präventionszentrum reiste an mit einem Koffer voller Unterrichtsmaterialien und vor allem mit ganz ausgezeichneten Fotos, die typische Konfliktsituationen zwischen Kindern zeigen und dabei die dazugehörigen widersprüchlichen Gefühle eindrücklich vor Augen führen. In einer Reihe von Rollenspielen probierten die Lehrer dann aus, wie sie mit ihren Schülern über emotionale Probleme sprechen können, für die alle Beteiligten im Schulalltag oft gar nicht die richtigen ruhigen Worte findet. Da fährt ein kleines Mädchen auf ihrem neuen Fahrrad, so stolz und glücklich, dass sie über das ganze Gesicht strahlt. Etwas abseits aber steht ein Junge mit verbissenem Gesichtsausdruck und wirft ihr finstere Blicke zu. Da ist ein Sechsjähriger, wie er, Lippen und Augenbrauen zusammengekniffen, die Fäuste geballt, vor Wut fast zu explodieren scheint. Oder zwei Jungs stehen am Waschbecken, der eine arglos seine Hände waschend, der andere keck lachend gleich dabei, ihn nass zu spritzen. Diese Fotos und noch hundert mehr werden für die Kinder zum Anlass, einmal ganz entspannt solche Situationen von außen zu betrachten und zu interpretieren, die sie sonst selbst durchleben, ohne dabei so recht zu wissen, was eigentlich in ihnen vorgeht und warum oft so unvermittelt Streit, Hassgefühle und Niedergeschlagenheit die Oberhand gewinnen können. So sieht es also aus, wenn jemand wirklich wütend ist, wenn er sich gekränkt fühlt oder neidisch ist. Und: Was könnte man jetzt tun, um die Lage wieder zu beruhigen? "Faustlos" ist ein systematisches Erziehungsprogramm, das Kindern helfen soll, ein impulsives und aggressives Verhalten, das eigene oder das der anderen, besser verstehen und kontrollieren zu können. In Kindergärten und Grundschulen trägt es bundesweit dazu bei, dass sie ein Handlungsrepertoire zur Verfügung haben, um in Konflikten friedlich miteinander umzugehen. Im Idealfall können sie sich später auch in den weiterführenden Schulen auf das Gelernte berufen und in ausufernden Situationen sagen: "Hör auf damit! Denk an Faustlos!" Die Chancen dafür, dass das gelingt, stehen sogar recht gut, das sagen wissenschaftliche Begleituntersuchungen über dieses international anerkannte Gewaltpräventionsprogramm. "Für uns ist das eine ganz schöne Herausforderung, die wir allerdings gerne annehmen", meint Konrektorin Gertraud Blaumann. Die "Faustlos"-Unterrichtseinheiten müssen so in den normalen Unterrichtsablauf eingebaut werden, dass sie den Lehrplan sinnvoll ergänzen, statt ihn durcheinander zu bringen. Die Grundschule Süd und einige Rintelner Kindergärten haben bereits gute Erfahrungen damit gemacht.

Diskussion in großer Runde: In Rollenspielen probieren Lehrer au
  • Diskussion in großer Runde: In Rollenspielen probieren Lehrer aus, wie man mit Schülern über Emotionen sprechen kann. Fotos: cok

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